Weniger Menschen – leer stehende Häuser? - Experten zur Dorfentwicklung

29.12.12 - HANAU - Sinkende Bevölkerungszahlen und zunehmender Leerstand müssen kein Schreckgespenst für die Zukunft der Dörfer sein. Vielmehr sind neue Konzepte der Flächennutzung gefragt. „Innen vor außen" - darauf setzen bereits heute einige Kommunen und wollen durch die konsequente Nutzung des innerörtlichen Wohnraums die Lebendigkeit der Ortskerne erhalten. Über realistische Chancen und Möglichkeiten zur Gestaltung der Dörfer und Stadtteile der Spessartregion diskutierten kürzlich rund 60 Teilnehmer der Regionalkonferenz „Siedlung & Wohnen", zu der SPESSARTregional und der Main-Kinzig-Kreis eingeladen hatten.

Mit welcher Entwicklung der Einwohnerzahlen und möglichen Leerständen in den einzelnen Orts- und Stadtteilen in der Modellregion SPESSARTregional zu rechnen ist, damit beschäftigt sich das Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge seit knapp einem Jahr. Die kleinräumigen Bevölkerungsprognosen liegen nun vor und sagen für die gesamte Modellregion einen Rückgang der Bevölkerung um 12,9 Prozent bis zum Jahr 2030 voraus, mit kommunalen Unterschieden, wobei die kleinen Orte tendenziell höhere Verluste zu erwarten haben.„Diese präzisen Daten haben eine neue Qualität", betonte Erster Kreisbeigeordneter Dr. André Kavai. Auf Grundlage dieser Prognose werde der Kreis mit den Kommunen den offensiven Umgang mit dem Thema fortsetzen. Gemeinsam werde man unter anderem die Angebote der Daseinsvorsorge vorausschauend planen und damit die Lebensqualität im ländlichen Raum sichern.

Die Ortskerne attraktiv und lebendig zu erhalten, ist eines der zentralen Ziele. „Auch wenn sich die Auswirkungen der sinkenden Bevölkerungszahlen vielleicht erst übermorgen zeigen, so ist es wichtig, bereits jetzt zu handeln, um aktiv gestalten zu können", unterstrich Bürgermeister Lothar Büttner das gemeinsame Vorgehen.Seit März diesen Jahres erörtern Bürgermeister und Vertreter der Kommunalverwaltungen gemeinsam mit den Fachbehörden des Kreises, wie freie Potentialflächen in den Kommunen erfasst und bewertet werden können. Erreichen die Leerstände eine bestimmte Schwelle, bestehe Handlungsbedarf. „Ähnlich einem Ampelsystem kann diese Situation der Gemeinde frühzeitig signalisiert werden", erläuterte Sabine Jennert, Regionalmanagerin von SPESSARTregional, das von der Arbeitsgruppe erarbeitete Verfahren.Die rheinland-pfälzische Verbandsgemeinde Walmerod ist bereits vor acht Jahren aktiv geworden und hat mit dem Modell „Leben im Dorf - Leben mittendrin!" konsequent auf die Innenentwicklung ihrer 21 Ortsteile gesetzt. Statt neues Bauland auszuweisen, werden frei stehende Gebäude und Baulücken im Innenbereich in einer Dorfbörse im Internet offeriert und deren Kauf über ein Förderprogramm finanziell unterstützt. "Ein Modell, das sich rechnet", resümierte der Bürgermeister Klaus Lütkefedder.

Zum einen liegen die kommunalen Aufwendungen des Förderprogramms unter den Kosten von Baulandausweisungen. Zum anderen konnte das Leben im Dorf mit 130 geförderten Objekten gehalten werden.Das Konzept „Innen vor außen" sahen die teilnehmenden Fachleute auch für die Spessartregion als einen Weg der Zukunft an. Doch die Erkenntnis allein reiche nicht, so ihr Fazit, „das WIE ist gefragt". Die Stärkung der Innenentwicklung muss politisch gewollt sein und die Bürgerinnen und Bürger müssen gut informiert und beteiligt werden. Die Teilnahme am Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge biete dazu eine große Chance. +++


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