"Vogel des Jahres 2012" die Dohle - fühlt sich wohl im hessischen Wirtschaftswald

Dohlen sind weder Unglücksboten noch Pechvögel.

Foto: P. Schild

Nur gemeinsam sind wir stark – Dohlen am Brutplatz in einer Schwarzspechthöhle.

Foto: Dr. B. Gröbel

27.12.12 - REGION - Kartierungen des Landesbetriebs Hessen-Forst ergaben eine erstaunlich hohe Dohlenpopulation im hessischen Wald. Der Vogel des Jahres 2012 ist in Städten zwar häufig sichtbar, im Wald jedoch ausgesprochen scheu und nur schwer nachzuweisen. Ein gemeinsames Projekt von Hessen-Forst und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) hat wertvolle Erkenntnisse geliefert.

Eine Umfrage unter den hessischen Förstern hat eine Zahl von mindestens 650 - 700 Brutpaaren ergeben, die ihre Jungen in Schwarzspechthöhlen großziehen. Rechnet man Unsicherheiten bei der Erhebung sowie teils nicht kartierte Flächen im Kommunalund Privatwald hinzu, so dürften 1.400 - 1.600 Dohlenpaare in hessischen Wäldern vorkommen. Damit brüten etwa 60% der in Hessen von der HGON auf 2.500 bis 3.000 Brutpaare geschätzten Population in den Wäldern Hessens. Dieser hohe Waldbrüteranteil ist - soweit bekannt - bundesweit einmalig und zeigt die Bedeutung des Waldes für die Dohle als Brutvogel in Hessen.

Außerhalb des Waldes ist die Art besonders durch die gravierenden Umbrüche in der Landwirtschaft gefährdet. Vor allem die starke Zunahme des Maisanbaus und anderer Energiepflanzen entzieht der Dohle und auch vielen anderen Offenlandarten wichtige Nahrungsflächen. Auch durch Gebäudesanierung sowie Renovierungsarbeiten an Kirchtürmen und anderen alten Gemäuern sind in der Vergangenheit der Dohle viele Brutplätze verlorengegangen.
 
Schwarzspecht zimmert der Dohle das Heim

Besser sieht es im Wald aus. Dort baut der Schwarzspecht als Quartiermacher das Heim der Dohle. Er wiederum profitiert von der in ganz Hessen verbreiteten Fichte. Dieser Nadelbaum sorgt über die an sie gebundene Waldameise zu einem hohen Nahrungsangebot für den Schwarzspecht, der so sein Verbreitungsgebiet erweitern konnte. Der Schwarzspecht wiederum baut Höhlen im Stamm von Buchen, die die Dohlen gerne nutzen. 

Naturschutzleitlinie im hessischen Staatswald sichert Höhlenbäume für die Dohle

Die Eignung des Waldes ist als Brutbiotop auch durch die Ausweisung von Höhlenbäumen als geschützte Habitatbäume im Rahmen der Naturschutzleitlinie von Hessen- Forst gesichert. Vor allem die hessischen Mittelgebirge wie Vogelsberg, Rhön, Spessart, Lahn-Dill-Bergland und Westerwald locken Dohlen in großer Zahl an. Hier gibt es neben einem hohen Waldanteil auch ausgedehnte, reich strukturierte Grünländereien, die für die Ernährung der Art ausschlaggebend sind. Insbesondere Weideflächen mit extensiver Großviehhaltung bieten durch Insektenreichtum und kurz gehaltenes Gras ideale Nahrungsflächen. Die höchsten Dichten weist der Burgwald auf: Hier scheinen die Lebensbedingungen für die Dohle besonders günstig zu sein. Durch die Wahl zum „Vogel des Jahres" bekam die Dohle in 2012 eine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Diese sollte dazu genutzt werden, die Lebensbedingungen für diese Vogelart nun auch außerhalb der Wälder zu verbessern.+++


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