Großes Echo bei "Tag der Jagd" - Luchs ist in den Vogelsberg zurückgekehrt

Eine alte Steinschlossbüchse aus Schotten brachte Wolfgang Weitz auf die Idee sich mit der Vogelsberger Jagdgeschichte zu beschäftigen.

 

Gut besucht waren die beiden Vortragsveranstaltungen in der Ständerhalle.

 

Die Chorgemeinschaft Ulrichstein unter Leitung von Werner Betz trug zur musikalischen Umrahmung bei

 

Jagdsignale und Märsche waren von den Haubergbläsern zu hören

 

„Der Luchs ist in den Vogelsberg zurückgekehrt“, sagte Michael Jüngling in seinem Vortrag.

 

Jagdsignale am Streckenfeuer beendeten den 10. Tag der Jagd

 

Präsente vom Hegeringvorsitzenden Dr. von dem Borne und Museumsleiter Peter Kraus gab es am späten Nachmittag für das Kinderbetreuungsteam

 

06.11.06 - Ulrichstein - Es war schon ein kleines Jubiläum im „Museum im Vorwerk“: zum 10. Mal fand gestern der "Tag der Jagd" statt, der gemeinsam von der Hegegemeinschaft Herbstein-Ulrichstein unter Vorsitz von Dr. Dietmar von dem Borne und dem Förderverein „Museum im Vorwerk“ mit seinem Vorsitzenden Pater Kraus gestaltet wurde. Im Mittelpunkt des Programmes standen die Vorträge „Aus der Jagdgeschichte des Vogelsberges“ von Wolfgang Weitz (Nidda-Kohden) und von Michael Jüngling (Schotten) über „Der Luchs im Vogelsberg“. Wolfgang Weitz, der lange Jahre Geschäftsführer in Schloß Kranichstein bei Darmstadt war, kam durch eine vom Büchsenmacher Johannes Boos (1706 - 1748) aus Schotten gefertigte Steinschlossbüchse auf die Idee, sich mit der Jagdgeschichte im Vogelsberg zu beschäftigen. In seinem Vortrag ging er unter anderem auf die Wolfsjagd in Stornfels und Ulfa ein. So sei die Bejagung der Wölfe nach dem dreißigjährigen Krieg in Hessen-Darmstadt offenbar von großer Bedeutung gewesen. Am 31. Dezember 1657 wurden in Romrod sieben und am 17. Januar 1658 bei Schotten vier Wölfe erlegt. Im Winter 1658 - 1659 kamen insgesamt 43 Wölfe zur Strecke. 1678 habe der Oberjäger der Freiherren Riedesel „am Vogelsberg“ allein neun Wölfe erlegt. Und 1649 sollen Wölfe sogar von Leuten erschlagen worden sein. In den Gemarkungen Stornfels und Ulfa gebe es heute noch Flurnamen, wie Wolfskaute, Wolfsweg oder Wolfslauf, die mit dem Wolf zu tun hätten. Die Zuwanderung eines Luchses im Vogelsberg werde von der Jägerschaft uneingeschränkt begrüßt, stellte Michael Jüngling, Vorsitzender des im Januar 2006 gegründeten "Luchshegerings Vogelsberg" fest. Nach erster Auswertung der Daten aus dem Luchsmonitoring zeichne sich ab, dass mehrere Kernzonen des Luchsvorkommens im Beobachtungsgebiet zwischen Hanau und Fulda und zwischen Gießen und Schlüchtern existieren. Im Januar wurde von Jägern im Raum Schotten ein Rehkitz gefunden, das zweifelsfrei vom Luchs gerissen wurde. Dies war der Auslöser für den Aufruf des Jagdvereins Hubertus Altkreis Büdingen e.V. zur Gründung des Luchs-Hegerings: denn der Luchs unterliegt wie alle anderen Wildarten auch der Hegepflicht des Jagdrechts. Die Resonanz unter den Jägern und Nichtjägern in der Region war beeindruckend. Dass der Luchs in die heimische Landschaft zurückkehre, stoße auf gewaltiges Interesse: Die einschlägigen Fachzeitschriften, Rundfunk sowie die Tagespresse in den Regionen Vogelsberg, Spessart, Wetterau, Fulda und Gießen hätten mehrmals über die Aktivitäten des Hegerings berichtet. Die Jägerschaft habe das Projekt mit großem Fleiß und Interesse unterstützt. In kurzer Zeit schulte der Luchshegering bei regionalen Veranstaltungen weit über 1.000 Jäger in der Erkennung von Merkmalen für das Vorkommen von Luchsen. Damit sei in kürzester Zeit ein qualifiziertes Beobachternetzwerk geschaffen worden, das von Gießen bis in den bayrischen Spessart und von Fulda bis Hanau reiche. Gleichzeitig kamen bei den Veranstaltungen für die Jägerschaft aus allen Regionen viele wertvolle Informationen und Rückmeldungen. Mit diesem Netzwerk decke der Luchshegering Vogelsberg die Kreise Vogelsberg, Wetterau, Gießen, Fulda und Main-Kinzig ab, was einer Fläche von etwa 6.200 Quadratkilometern entspreche. Zu den Beobachtungsdaten sagte Michael Jüngling, diese seien seit 1999 sprunghaft angestiegen. Waren es zwischen 1995 und 1999 nur vier, so stiegen sie von 2000 bis 2004 auf 48 an und von Januar 2005 bis jetzt gab es sogar 76 Luchsbeobachtungen. Abschließend betonte der Hegering-Vorsitzende, man sei sich der Schwierigkeiten bewusst, diesem zurückgekehrten Großraubwild eine artangepaßte Hege in einer touristisch vermarkteten und von Straßen durchzogenen Landschaft zukommen zu lassen. Er bat um eine erhöhte Aufmerksamkeit in den Revieren und um eine zeitnahe Meldung aller Sichtungen und Risse. Informatioen seien auch im Internet unter: www.Luchshegering-Vogelsberg.de zu erhalten. „10 Jahre Tag der Jagd zeigen bei insgesamt über 3.000 Besuchern, dass diese Veranstaltung im Hohen Vogelsberg breites Interesse gefunden hat und zu einem festen Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit der Jäger geworden ist“, hatte Hegering-Vorsitzender Dr. Dietmar von dem Borne zu Beginn in der Ständerhalle des Museums betont. Stadtrat Hans-Otto Hühnergarth wies in seinem Grußwort auf die Bedeutung der Jagd hin. Sie sei eine der ältesten und traditionsreichsten Tätigkeiten der Menschen überhaupt handele. „Die Jagd ist Bestandteil unserer Kultur nicht nur in der Literatur und Musik, sie hat unsere Kulturlandschaft zu allen Zeiten mitgeprägt und auch das Artenspektrum mit beeinflusst“. Auftakt zum Tag der Jagd war vormittags der Gottesdienst in der evangelischen Kirche mit Pfarrer Manfred Hofmann. Die Haubergbläser unter der Leitung von Hornmeister Lothar Müller begleiteten den Gottesdienst musikalisch; ebenso umrahmten sie die Veranstaltung im Museum mit Jagdsignalen und Jägermärschen. Auch die Chorgemeinschaft Ulrichstein unter Leitung von Werner Betz wirkte mit. Für Kinder bot das Betreuungsteam Spiele, Geschichten und ein Naturquiz an und leistete so einen Beitrag zum praktizierten Natur- und Umweltschutz. „Nur was sie in ihrer Jugend kennen gelernt haben, werden sie auch als Erwachsene schätzen und schützen helfen,“ würdigte Peter Kraus die Arbeit mit den Kindern. Zum Abschluss des Tages entzündeten Mitglieder der Hegegemeinschaft vor dem Museum ein so genanntes „Streckenfeuer“, ein Ritual, das üblicherweise nicht nur der Beleuchtung sondern vielmehr der Würdigung des erlegten Wildes dient. Dazu präsentierten die Haubergbläser einige Jagdsignale wie beispielsweise "Sau tot", "Jagd vorbei" oder "Halali". Kulinarisch passend gab es aus der Küche des Bistros ein Wildgulasch. (gr) +++








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