BAD HERSFELDZwei weitere Zusatzvorstellungen

Festspielfieber steigt - Probenbeginn von Wedels "Luther-Stück"

04.05.17 - Das große klassische Luther-Drama gibt es nicht. Schiller beispielsweise schrieb zwar über Johanna von Orleans, Wallenstein oder Maria Stuart, aber nicht über die bedeutendste Figur der Deutschen: Luther. Intendant, Regisseur und Autor Dieter Wedel sinniert, dass sich dieser Luther womöglich der Deutung des Theaters entzieht, hat aber dennoch den Mut aufgebracht, sich an Luther heranzuwagen. Für die Bad Hersfelder Festspiele hat er „Martin Luther – Der Anschlag“ geschrieben mit voller Unterstützung seines engsten Mitarbeiters und Stellvertreters Joern Hinkel. „Er erträgt alle meine Attacken und das Geschimpfe und hat in diesem Jahr zudem auf eine eigene Inszenierung verzichtet, um nur „Luther“ zur Verfügung zu stehen“.

Foto: Harald Ernst

Erol Sander (links) und Claude ...Fotos: Gudrun Schmidl

Christian Schmidt

Vier Monate standen den beiden für dieses Werk zur Verfügung, allerdings unter Verwendung der Luther-Dramen von John Osborne und John von Düffel sowie Motiven und Texten von August Strindberg, Stefan Zweig und G.B. Shaw. Wedels „väterlicher Freund“, Ideen- und Ratgeber, der Dramaturg Hans-Joachim Rückhäberle, war ebenfalls eine wichtige Stütze. Er verstarb tragischer Weise völlig unerwartet am 10. April 2017. „Martin Luther – Der Anschlag“ ist seine letzte Arbeit, die müssen wir anständig machen“, versichert Dieter Wedel in Trauer um den Verstorbenen.

Elisabeth Lanz

Das Medieninteresse war riesig

In der ehemaligen Abfüllhalle hinter der Stadthalle, ab heute die „Festspiel-Factory“ genannt, die in den kommenden Wochen als Probenbühne dient, fand heute unter den Augen der rund 50 regionalen und überregionalen Pressevertreter die erste Lese-Probe des insgesamt 31-köpfigen, hochkarätigen, aber noch unvollständigen Ensembles statt, zu dem vier Luther-Darsteller gehören. Die Vierfachbesetzung ist übrigens eine Idee von Hans-Joachim Rückhäberle, um die Widersprüchlichkeit des Reformators überzeugend zu vermitteln. Burgschauspieler Paulus Manker wird als der „Wutbürger“ Luther und gleichzeitig auch Luthers Vater besetzt und übernimmt laut Dieter Wedel „so etwas wie die Hauptrolle“. Christian Nickel, der Träger des Großen Hersfeldpreises 2016 für seine Hauptrolle in Wedels Hexenjagd, spielt Luther, den Reformator, konnte aber wegen anderer Verpflichtungen noch nicht vor Ort sein. Den überheblichen, jungen Luther hat Dieter Wedel mit Maximilian Pulst, einen der interessantesten deutschen Nachwuchsschauspieler, besetzt. Den „vierten, den zweifelnden Luther“ spielt eine Frau. Janina Stopper hat als Mary Warren bereits in Hexenjagd das Festspielpublikum überzeugt.

Robert Joseph Bartl

Genau wie Bürgermeister Thomas Fehling bekräftigt Dieter Wedel die Liebe der Hersfelder zu den Festspielen, die tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bad Hersfelder Festspiele ist ein Schauspiel bereits im Februar und damit schon vier Monate vor Eröffnung so gut wie ausverkauft. Deshalb wurden bereits im Februar Zusatztermine geplant. Das Interesse an dem „Luther-Stück“ ist weiterhin so enorm, dass weitere Zusatzvorstellungen von Martin Luther – Der Anschlag“ angeboten werden am Freitag, 04. August, 15 Uhr, und Freitag, 18. August, 15 Uhr. Der Beginn des Vorverkaufs für diese beiden Termine wird noch bekannt gegeben. Für Dieter Wedel ein großer Vertrauensvorschuss.

Erol Sander, Claude Oliver Rudolph und Elisabeth Lanz sind weitere drei der großen und großartigen Schauspieler, die ab heute mit Regisseur Dieter Wedel für die Uraufführung von „Martin Luther – Der Anschlag“ proben. Das Festspielfieber, die Vorfreude und die Spannung steigen bei den Kreativen, aber auch in der Bevölkerung. Erol Sander, dem die Fernsehzuschauer beim Aufklären der Morde in Istanbul gern folgen, spielt einen „sehr schönen“ Papst Leo X., Claude Oliver Rudolph, Deutschlands Filmbösewicht Nr. 1 (Bild am Sonntag) und gleichzeitig einer der größten Charakterdarsteller des Landes (Der Spiegel), steht als Tetzel auf der Festspielbühne. Bereits Festspielerfahrung hat die beliebte Fernsehschauspielerin Elisabeth Lanz, die im letzten und auch im diesen Jahr die Elizabeth Proctor in Wedels „Hexenjagd“ verkörpert und im Luther-Stück Katharina von Bora mimt. Für viele Mitwirkende wird die Spielzeit eine riesengroße Strapaze, vor allem für die, die Rollen in „Martin Luther – Der Anschlag“ und gleichzeitig in der „Hexenjagd“ besetzen und mehrfach zwei Mal am Tag auf der Bühne stehen müssen, bekräftigt Dieter Wedel.

Hans Diehl

Bühnenbild und Kostümentwürfe wurden vorgestellt

Dieter Wedel weiß: „Einfach Luthers Leben nachzuerzählen, würde kaum ausreichen, um herauszufinden, wer das eigentlich war. Theateraufführungen zeigen ja nie das wirkliche Leben, höchstens exemplarisches Leben, also das Beispielhafte an einer Person und ihrer Geschichte. Aber ist dieser Luther womöglich beispiellos“? Er fügt weiter an: „Bei Luther sind die Widersprüche so gewaltig, so scheinbar unvereinbar, dass man den Eindruck hat, immer wieder verschiedenen Luthers zu begegnen“. Da ist ein Mann, geplagt von großen Ängsten vor dem Ende der Welt und seinem nahen Tod und mit – elegant formuliert – Verdauungsproblemen. Gleichzeitig fordert er die Kirche heraus, legt sich mit dem Papst und seinen Kardinälen und dem mächtigen Handelshaus Fugger an, deren lukrative Geschäfte er mit seinen Angriffen auf den Ablasshandel störte, an.

Wedel verweist auf Luther als intoleranten Wut-Bürger, heute würde man ihn eher als Fundamentalisten bezeichnen, den kraftvollen, überaus sprachbegabten Übersetzer, den unflätigen Pöbler, der stur und selbstgefällig mit Konkurrenten und verräterisch und feige mit den Bauern umgeht. Dazu ist Luther bekannt als widerlicher Antisemit und Islam-Hasser, was für Wedel auch im Hinblick auf die zerstörerischen Glaubenskriege weltweit eine weitere Motivation war, dieses Stück zu schreiben. „Der Anschlag“ bezieht sich auf den Anschlag der 95 Thesen, aber auch auf den Anschlag gegen den Koran, gegen Mohammed, gegen die Juden. Wie erklärt sich die Faszination der Figur Luther? Die Antwort darauf gibt es bei der Uraufführung am 23. Juni 2017 um 21.00 Uhr. „Es wird kein mittelalterliches Spektakel geben“, bremst Dieter Wedel eventuelle falsche Vorstellungen. Wie schon im vergangenen Jahr in „Hexenjagd“ arbeitet Dieter Wedel wieder mit großen Video-Wänden in der Stiftsruine. „Die Filmeinspielung hilft, den Fluss der Geschichte aufrecht zu erhalten und Zeitsprünge und Perspektivwechsel zu ermöglichen“. Tickets unter: Telefon 06621 640200 oder ticket-service@bad-hersfelder-festspiele.de. Weitere Informationen unter www.bad-hersfelder-festspiele.de (Gudrun Schmidl) +++

Fotos: Harald Ernst


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