Joern Hinkel (links), künstlerischer Leiter, springt als Schauspieler ein. - Fotos: Gudrun Schmidl

BAD HERSFELDHZ-Matinee mit Luther-Szenen

Festspiel-Intendant Dieter Wedel: "Wir werden mehr über Luther wissen".

12.06.17 - Die von der Hersfelder Zeitung am Sonntagvormittag präsentierte Matinee hat Tradition, dennoch war sie in diesem Jahr an Spannung kaum zu überbieten. Das Hauptaugenmerk galt dem von Dieter Wedel eigens für die Stiftsruine geschriebenen Bühnenstück „Martin Luther – Der Anschlag“ und das Publikum in der vollends ausverkauften Stiftsruine hatte die einmalige Gelegenheit, eine erste Wirtshausszene zu erleben, in der Luther seine Freunde zu einem Abschiedsessen eingeladen hat, das an das Heilige Abendmahl erinnert. Aus Angst vor dem Leben und den Frauen flüchtet er schon am Folgetag ins Kloster.

Maximillian Pulst als Luther (MItte), Christian ...

Das Stück kommt modern rüber, das bemerkte auch HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, der sich an ein Rock-Musical erinnert fühlte. „Luther ist modern. Er ist der Erfinder der Deutschen, hat ihnen ihre Identität durch die Sprache gegeben“, bekräftigt Wedel und ergänzt: „Vermutlich hat es einen Grund, warum es das große klassische Luther-Drama nicht gibt, warum beispielsweise Schiller zwar über Johanna von Orleans, Wallenstein oder Maria Stuart geschrieben hat, aber nicht über die bedeutendste Figur der Deutschen: Luther. Grund dafür könnte sein, dass Widersprüchlichkeit bekanntlich einen Charakter interessant macht, aber bei Luther sind die Widersprüche so gewaltig, so scheinbar unvereinbar, dass man den Eindruck hat, immer wieder verschiedenen Luthers zu begegnen“.

„Wir werden mehr über Luther wissen“, verspricht Wedel allen, die sich das nahezu ausverkaufte Bühnenstück anschauen, allerdings: „Bis jetzt gab es noch keine Durchlaufproben, keiner weiß, wie lange es dauert“. Zwei bestens platzierte, der Faszination des Spielortes gerecht werdenden Leinwände, werden beim Luther-Stück für Filmeinspielungen eingesetzt, auch Bilder von Kriegen, die im Namen Gottes geführt werden, sorgen großformatig für Entsetzen. Auch wenn es anfangs wie ein Rock-Musical anmutet, das Luther-Stück wird ernst. Zudem begleitet es eine große Brisanz. Wedel ist sich durchaus bewusst, dass es große Diskussionen auslösen wird und es auch zu Protesten kommen könnte. Aber er betont: „Das ist gut so – das ist Theater“.

„Die jährliche Matinee ist eine Referenz der Festspiele an das heimische Festspielpublikum“, machte HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm als „Mitgastgeber“ deutlich. Ein kurzweiliges, launiges, buntes Programm an, bei dem auch Darsteller anderer Produktionen aus der neuen Spielzeit Lust auf mehr machten, fand den Beifall des Publikums. Stimmgewaltig eröffnet wurde der rund eineinhalbstündige Appetitmacher auf Kultur mit „Guerra, guerra“ und der Titelmelodie aus der „Italienischen Nacht“, dargeboten von dem Hessischen Konzert- und Festspielchor unter der musikalischen Leitung von Ulrich Manfred Metzger. Das Konzept zu diesem szenischen Konzert, das am 01. und 02. August 2017 in voller Klangfülle aufgeführt wird, hat Regisseur Christian Schuller erarbeitet. „Die Festspiele stehen für Theater und Musiktheater“, betont Joern Hinkel als künstlerischer Leiter der Festspiele, dem bewusst ist, dass sich noch immer viele Hersfelder nach der Rückkehr der Oper sehen. Er macht Hoffnung: „Wir möchten gern Oper zeigen, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen – wir arbeiten dran“.

Autorin und Regisseurin Franziska Reichenbacher schürte die Neugier auf das Grimm-Märchen „Das tapfere Schneiderlein“ für die ganze Familie und Kinder ab 5 Jahre, das im Theaterzelt vor der Stiftsruine aufgeführt wird. Außerdem stellte sie das gesamte Ensemble vor und Sasha Bornemann sang in seiner Rolle als tapferes Schneiderlein „Zwibbels Lied“, begleitet von Julia Klomfaß, der Komponistin der märchenhaften Musik, auf der singenden Säge. Elisabeth Lanz und Christian Nickel spielten gewissermaßen aus dem Stehgreif die „Kerkerszene“ aus Arthur Millers Hexenjagd, die im vergangenen Jahr mit einer Auslastung von 90 Prozent Rekordzahlen erreicht hat und als „eine Art Neuinszenierung“ in das diesjährige Festspielprogramm aufgenommen wurde. „Der Thriller hat weiterhin an Aktualität gewonnen“, betont Wedel, der erst nach der Premiere von dem Luther-Stück mit der Probenarbeit vom Vorjahreserfolg beginnen wird. Mit dabei Elisabeth Lanz und Herfeldpreisträger Christian Nickel, die zudem in der Uraufführung „Martin Luther – Der Anschlag“ Hauptrollen als Katharina von Bora und Luther, der Reformator, übernommen haben.

HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff (links) ...

Markus Pfromm im Gespräch mit ...

Stefan Huber, einer der großen, bedeutenden Musical-Regisseure im deutschsprachigen Raum, hat bei den Bad Hersfelder Festspielen die Musicals „Anatevka“ und „Kiss me, Kate“ inszeniert. Mit dem Musical „Titanic“ stellt er sinnbildlich ein Schiff ins Kirchenschiff. Das Ensemble begeisterte mit einem Auszug aus dem „Opening“. „My fair Lady wollte er nicht“, erinnert sich Intendant Dieter Wedel an die Absage von Stefan Huber. Dieses Erfolgsmusical entwickelte sich 2016 mit einer Auslastung von 99 Prozent zu einem Riesen-Erfolg, sehr viele Kartenwünsche konnten nicht erfüllt werden. Die Begeisterung ist ungebrochen und so können sich alle, die leer ausgingen, in diesem Festspielsommer von „Eliza Doolittle“ bestens unterhalten lassen.

Wie schon im vergangenen Jahr wurden vorab Eintrittskarten im Wert von fünf Euro verkauft. Der Erlös daraus wird die Hersfelder Zeitung den Festspielen zur Verfügung stellen. (Gudrun Schmidl) +++

Christian Nickel und Elisabeth Lanz ...

Musical-Regisseur Stefan Huber (links) im Gespräch ...

Voll besetztes Haus. Für eine ...




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