BAD HERSFELDErgreifend - dramatisch - bombastisch

Festspielpremiere nach Maß: Furioser Stapellauf des Titanic-Musicals - VIDEO

16.07.17 - Mit einem furiosen Stapellauf startete das Musical Titanic am Freitagabend in der Bad Hersfelder Stiftsruine vor ausverkauften Rängen und im Regen. Letzteres jedoch tat der Inszenierung von Stefan Huber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Dramatik der Wetterverhältnisse passte stimmig zu der herannahenden Katastrophe des Ozeanriesen. Auch die Choreographie von Melissa King erlitt auf regennasser Bühne, dank eines routinierten Ensembles, keinen größeren Schaden.

Erfolgreich vom Stapel gelaufen ist ...Fotos: Erich Gutberlet

Der Untergang der Titanic ist wohl eine der künstlerisch am meisten verarbeiteten Katastrophen des 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt, weil sich in ihr die gesellschaftliche Dramatik der anbrechenden Moderne widerspiegelt. Auf die Verarbeitung der Katastrophe im Format des Musicals auf der Bad Hersfelder Festspielbühne durfte man also gespannt sein. Die Dimension der Bühne jedenfalls ist den Ausmaßen der Titanic ebenso angemessen wie der Spannweite der Einzelschicksale, die mit der Jungfernfahrt des größten und sichersten Passagierschiffs der Welt in die Katastrophe führten.

Die Inszenierung spielt mit den gesellschaftlichen Schichten der Fahrgäste sowie mit der Vielschichtigkeit der Handlungsstränge. Im Bühnenbild von Timo Dentler und Okarina Peter bilden sich diese Ebenen ebenso ab wie in der monochromen Kostümgestaltung (Susanne Hubrich).

Aber auch die musikalische und textliche Gestaltung spiegelt diese Vielschichtigkeit wider. Dabei bleiben die solistischen wie die chorischen Interpretationen der Sängerinnen und Sänger auf der Bühne stets transparent und verständlich, nicht zuletzt durch eine souveräne Ton- und Lichttechnik (Jörg Grünsfelder, Ulrich Schneider), vor allem aber durch ein grandios agierendes Orchester unter Leitung von Christoph Wohlleben. Mit sicherer Hand führte er das Orchester durch solistische wie chorische Passagen, erzeugte sensible Klangeffekte und bombastische Orchesterklänge. Dabei behielt er stets das Ganze der Inszenierung im Blick und bildete damit gewissermaßen den Gegenpart zur schicksalshaften Figur des Captain E.J. Smith der Titanic. Die Inszenierung eines Musicals mit einem live spielenden Orchester ist heute etwas Besonderes geworden. Hier liegt ein ganz besonderer Wert der Bad Hersfelder Musicals, den man nicht genug betonen kann.

Die Gesangsstimmen prägen die Charaktere in einem Musical sicherlich stärker als der darstellerische Ausdruck. In der Bad Hersfelder Titanic steht das eine jedoch nur unmerklich hinter dem anderen zurück. Zu nennen sind vor allem die sensible und ausdrucksstarke Stimmgestaltung von Merlin Fargel als Ausguck Frederick Fleet und David Arnsperger als Heizer Frederick Barrett, sowie die anpassungsfähigen Interpratationen von Mathias Schlung als 1. Klasse Steward Mr. Etches.

Nach knapp dreistündiger „Fahrt“ endete die Inszenierung einer Katastrophe in einem triumphalen Erfolg und unter dem stehenden Applaus des Premierenpublikums. (Klaus Scheuer) +++




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