Die Schlafboxen entstehen Fotos: Hans-Hubertus Braune

15.11.15 - BAD HERSFELD

Aus ehem. Herkules-Markt wird Notunterkunft

"Teamarbeit im allerbesten Sinne" - Umbau läuft auf Hochtouren

Der Umbau des ehemaligen Herkules-Marktes in Bad Hersfeld zu einer Notunterkunft für mehrere hunderte Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten läuft auf Hochtouren. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird in Kürze vom Land Hessen den Auftrag erhalten, Notunterkünfte für bis zu 1.000 Flüchtlinge bereit zu stellen. Dafür laufen die Vorbereitungen. Neben dem ehemaligen Herkules-Markt in Bad Hersfeld soll der alte Toom-Markt in Bebra angemietet werden.

"Wenn man sieht, was sich hier in den vergangenen Stunden bereits getan hat - das ist professionelles Ehrenamt", sagte Landrat Dr. Michael Koch bei einem Rundgang am Sonntagnachmittag in Bad Hersfeld. Seit dem frühen Samstagmorgen sind die Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Kreisgebiet, des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes sowie der DLRG und die Johanniter vor Ort. Allein in der Frühschicht am Sonntag waren es rund 140 Ehrenamtliche. Die Feuerwehren aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg werden nach und nach in einem Dienstplan (jeweils 8 bis 16 Uhr und 16 bis 22 Uhr) eingeteilt.

im ehemaligen Herkules-Markt in Bad ...

Landrat Dr. Michael Koch (links) ...

"Unser Ziel ist es, dass wir die Notunterkunft bis Mittwoch soweit fertig haben", sagte Koch. Wann die ersten Menschen kommen, ist noch unklar. Der Landrat rechnet in den kommenden Tagen mit der Zuweisung und dem entsprechenden Anruf aus Wiesbaden. Der ehemalige Herkules-Markt bietet nahezu optimale Möglichkeiten der Unterbringung auf Zeit. Auf beiden Etagen des ehemaligen Edeka werden Schlafboxen für jeweils bis zu sechs Menschen gebaut. Die einzelnen Boxen sind jeweils mit Sperrholzplatten abgetrennt. Die Eingänge in den jeweiligen Gängen sind versetzt, jede Box erhält einen Vorhang und eine einzelne Beleuchtung inklusive Steckdosen. Wieviele Menschen genau in Bad Hersfeld eine Notunterkunft finden, steht noch nicht fest. Es ist unklar, ob mehr Familien oder mehr einzelne Personen kommen. Familien sollen jeweils zusammen im Familienverbund untergebracht werden. Die Schlafboxen werden mit Feldbetten ausgestattet - bei Bedarf können später auch Doppelstockbetten aufgebaut werden. Im Untergeschoss werden die sanitären Anlagen - sie bestehen neben den bereits im Markt befindlichen Anlagen aus einzelnen Modulen.

Auch die Verpflegung - diese wird zunächst vom Deutschen Roten Kreuz übernommen und soll später an einen Caterer aus dem Kreisgebiet vergeben werden. Durch die Aufteilung des Marktes in zwei riesigen Ladenflächen und mehreren kleineren Flächen bietet sich die Möglichkeit, eine Spielecke für Kinder einzurichten. Auch für alleinreisende Frauen soll es einen Extrabereich geben. Ein Rückzugsort für Gebete ist ebenso vorgesehen. Dazu ein Sanitätsbereich mit Behandlungsräumen, Isolierbereich, Registration und Aufenthaltsräume. Ein privates Sicherheitsunternehmen ist engagiert. Die Polizei ist von Beginn an involviert. Nach dem Umbau und einer Eingewöhnungsphase soll der Betrieb der Notunterkunft an einen externen Betreiber übergeben werden - auf Dauer von mehreren Wochen oder Monaten ist dies ehrenamtlich nicht leistbar.

Bei einem Pressegespräch lobten die Führungskräfte das perfekte Miteinander der einzelnen Hilfsorganisationen, die Hand in Hand arbeiten. "Das ist Teamarbeit im allerbesten Sinne", sagte Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar. "Es herrscht ein gutes Klima, alle sind motiviert, es läuft hervorragend", ergänzt Thorsten Wennemuth, Leiter Informationen & Kommunikation. Eine wertvolle Hilfe ist natürlich auch das THW mit dem Baufachberater Axel Braun. Er ist bereits bei einigen Aufbauarbeiten von Unterkünften in Nord- und Osthessen aktiv und bringt seine Erfahrungen mit ein.

Die Technische und die örtliche Einsatzleitung ist im ehemaligen Bürotrakt des Marktes untergebracht. "Aus meiner Zeit bei der Berufsfeuerwehr kenne ich bereits einige technische Einsatzleitungen und deren Arbeit. Das läuft hier sehr gut. Ich bin stolz auf die professionelle Einsatzleitung hier vor Ort, das sind alles Leute, die ausgebildet sind und hier Hand in Hand zusammenarbeiten", sagte Dittmar weiter.

Die Motivation der Ehrenamtlichen, die unter Hochdruck die Wohnboxen bauen und die vielen weiteren Arbeiten leisten, sei beeindruckend. Kein Bohrer stehe still, die Maschinen seien ununterbrochen im Einsatz. Das DRK kümmert sich derweil um die Verpflegung. Bei der konzeptionellen Planung der Notunterkunft habe das Architekturbüro Dietz mit großem Engagement geholfen, berichtete Dittmar weiter.

Bis die Notunterkunft ihrer Bestimmung übergeben werden kann, ist noch viel Arbeitskraft nötig - doch die Ehrenamtlichen der Hilfsorganisationen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg beweisen einmal mehr wie wertvoll und unersätzlich ihr Engagement ist. (Hans-Hubertus Braune) +++

Axel Braun vom THW Ortsverband ...




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