v.l.n.r.: Prof. Dr. Anja Kroke, Mitglied im Wissenschaftlichen Präsidium der DGE, Prof. Dr. Lotte Holm, Soziologin an der Universität Kopenhagen, Prof. Dr. Thomas N. Friemel von der Universität Bremen, Dorle, Grünewald-Funk, Public Health, Ernährung, Berlin, Prof. Dr. Jana Rückert-John, ebenfalls Mitglied in der Wissenschaftlichen Leitung und der Präsident der DGE, Prof. Dr. Helmut Heseker Fotos: Helena Lemp

02.03.16 - FULDA

"Der Mensch ist, was er isst"

Ernährungsverhalten und weniger Speisesalz: DGE bietet vielfältiges Programm

Eine Premiere für Fulda: Vom 02. bis zum 04. März tagt der 53. Wissenschaftliche Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit einem vielfältigen Programm in der Hochschule. Unter dem Motto „Der Mensch ist, was er isst“ (Ludwig Feuerbach, 1850) haben Interessierte die Möglichkeit, sich bei rund 650 Teilnehmern in 64 Vorträgen und 109 Posterbeiträgen über die Forschungsergebnisse zahlreicher junger, aber auch etablierter Ernährungswissenschaftler sowie angrenzender Disziplinen zu informieren.

Erste Einblicke boten am heutigen Mittwoch Prof. Dr. Anja Kroke, Mitglied im Wissenschaftlichen Präsidium der DGE, Prof. Dr. Jana Rückert-John, Mitglied in der Wissenschaftlichen Leitung, Prof. Dr. Lotte Holm, Soziologin an der Universität Kopenhagen und Prof. Dr. Thomas N. Friemel von der Universität Bremen und der Präsident der DGE, Prof. Dr. Helmut Heseker. „Mit dem Kongressschwerpunkt wollen wir die interdisziplinäre Ernährungsforschung stärken und damit zu effektiven Lösungen für Gesundheitsprobleme der Bevölkerung beitragen“, erklärt Kroke.

Essen bedeute mehr, als den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Soziale, politische, ökonomische, psychologische und kulturelle Aspekte spielten dabei ebenfalls eine tragende Rolle. Prof. Rückert-John empfiehlt deshalb einen weiten Blick, denn soziale Beziehungen wie Inklusion und Kommunikation, aber auch Ausgrenzungen seien davon betroffen.

Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Sozialwissenschaften erläutert Prof. Holm in ihrem Programm „Eating is a practice: The need of social science within nutrition“ Anhand von Beispielen für multidisziplinäre Forschung zeigt die Professorin auf, wie Sozialwissenschaften dazu beitragen, zentrale Fragen und Probleme im Ernährungs- und Gesundheitsbereich zu adressieren.

Neben dem eignen Essverhalten ist vor allem die Reduzierung von Speisesalz ein wichtiges Anliegen. „Die ernährungsbedingten Krankheiten wie Adipositas, Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einige Krebskrankheiten nehmen weltweit zu“, so Kroke. Die Mehrheit der Bevölkerung esse zu viel Salz. Bei etwa 70 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer liege die Zufuhr über dem Orientierungswert von bis zu sechs Gramm pro Tag. Auch deswegen setzt sich DGE in ihrer aktuellen wissenschaftlichen Stellungnahme „Speisesalzzufuhr in Deutschland, gesundheitliche Folgen und resultierende Handlungsempfehlung“ mit der Notwendigkeit der Speisesalzsenkung auseinander.

„Wir haben wenig Einfluss darauf, wie salzhaltig manche Lebensmittel sind. Zunächst wäre es wünschenswert das Salz im Brot zu reduzieren, weil Brot viel verzerrt wird. Als nächstes dann Wurst und Käse, soweit dies möglich ist. Wir wollen nicht, dass es durch Geschmacksverstärker ersetzt wird“, ergänzt Kroke. Das Salz soll schrittweise reduziert werden, sodass es kaum wahrnehmbar ist. Wichtig sei es, öffentlich darüber zu kommunizieren, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik. Laut Kroke würde die sich noch distanzieren. Deshalb der Appell an die Medien: „ Die Presse muss uns helfen, die Menschen zu sensibilisieren“, fordert der Präsident der DGE, Prof. Dr. Helmut Heseker.

Drei Herausforderungen begleiten dabei die Ernährungs- und Gesundheitskommunikation: Reaktanz, Stigmatisierung und Trittbrettfahrer. Zum Beispiel könnten Empfehlungen als Kritik am eigenen Ver-halten aufgefasst werden, was dazu führen könnte, dass man vielleicht keine Lust an eine Veränderung habe und dem gezielt entgegenwirke. Darüber hinaus könnten sich vor allem Personen mit Übergewicht schnell stigmatisiert fühlen. An konkreten Beispielen erläutert der Kommunikations- und Medienwis-senschaftler die Herausforderungen, erklärt, warum Kampagnen in der Vergangenheit nicht funktioniert haben und wie Stolpersteine vermieden werden (Helena Lemp) +++




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