Die beiden Urgesteine des Ehringshäuser Karnevals: Trudi Seipp und Karl-Heinz Beckmanns - Foto: Luisa Diegel

GEMÜNDEN / FELDASeipps & Beckmanns' Import

Im Vogelsberg wird original kölscher Karneval gefeiert

Der Terminkalender der Ehringshäu-ser Narren ist in diesem Jahr wieder prall gefüllt. Die Faschingsssaison 2017 ist bereits am 11.11.2016 mit der traditionellen Schlüsselübergabe beim Ortsvorsteher gestartet, am 12.2. folgt der Seniorenfasching weiter. Kinderfasching wird in Ehringshausen am 19.2. gefeiert, gefolgt von den beiden Sitzungen am 24.2. und 25.2. Der Abschluss und Höhepunkt der Karnevalszeit ist wie jedes Jahr der traditionelle Umzug "D´r Zoch kütt“ am Faschingsdienstag, mit anschließender Faschingsfeier im Sportheim.

13.01.17 - Schon seit über zwei Jahrzehnten ist der Karneval in Gemünden-Ehringshausen (Vogelsbergkreis) fester Bestandteil im Sportverein und auch weit über den Umkreis hinaus bekannt. Die Besonderheit bei diesem Verein: die Ehringshäuser feiern den Karneval nach Kölner Tradition. Heißt also: statt Prinzenpaar und Prinzengarde ein Dreigestirn (Prinz, Bauer und Jungfrau) mit Tanz- und Ehrengarde. Dies ist vor allem den beiden waschechten Kölnern zu verdanken, Trudi Seipp und Karl-Heinz Beckmanns. Sie brachten den Karneval 1993 in den Vogelsberg und prägten jahrelang als Prinz und Bauer das Dreigestirn.

Die beiden Urgesteine des Ehringshäuser Karnevals hat es in den 1980er Jahren von Köln in die Gemeinde Gemünden/Felda verschla-gen. Der Vater von Karl-Heinz hatte dort ein Wochenendhaus, weshalb er öfters zu Besuch kam. "Mit 18 Jahren bin ich dann irgendwie hier hängen geblieben, eigentlich wollte ich ja nur vier bis sechs Wochen bleiben. Und jetzt bin ich immer noch da“, sagt der ehemalige Bauer und lacht. Er war schon Jungfrau im Kölner Kinderdreigestirn. Trudi kam zwei Jahre später nach, nachdem ihre Mutter gestorben war: "Irgendwie fand ich das direkt toll hier“, schwärmt die gebürtige Kölnerin.

Der erste Auftritt des Dreigestirns ...Bild: privat

Beide lebten sich schnell in dem kleinen Dorf in Gemünden ein und waren auch im Sportverein aktiv. So kam es, dass im Jahre 1993 der Fasching das erste Mal in Ehringshausen stattfand. "Karl-Heinz kam auf die Idee, dass wir hier mal irgendwas machen müssten, damit der Sportverein ein bisschen Geld einnimmt“, sagt der ehemalige (weibliche) Prinz des Ehringshäuser Dreigestirns Trudi Seipp im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Deshalb wurde auch gleich der erste Kappenabend organisiert. Am Abend zuvor mussten noch schnell die Kostüme genäht werden, "mein Bauernkostüm war am Tag vor unserem Auftritt noch eine Gardine“, erzählt Karl-Heinz. Doch die Idee vom Fasching in Ehringshausen sei gleich gut angenommen worden. So wurde noch im selben Jahr das erste Mal der 11.11. gefeiert. Im Jahre 1994 gab es dann den ersten Umzug im Dorf, mit ganzen drei Zugnummern: das Rote Kreuz, die Feuerwehr und der Dreigestirnwagen. "Jedes Jahr wurde es aber mehr, sodass wir irgendwann bei über 30 Zugnummern waren“, so Trudi. Und das ist für ein kleines Dorf mit 700 Einwohnern schon beachtlich, "alle haben sich darum gerissen, zu uns zu kommen.“

1996 hatte die Tanzgarde ihren ersten Auftritt in Ehringshausen, ein Jahr später folgte das Kinder-Dreigestirn. Bis heute gibt es die beiden Gruppen im Karneval, man wächst als Ehringshäuser quasi dort hinein. Das finden auch Trudi und Karl-Heinz: "Es zieht einfach jeden mit, die Jugend ist damit groß geworden, sie leben diesen Karneval. Wenn bei uns ein kölsches Lied erklingt und die ganze Jugend es von Anfang bis Ende mitsingen kann, das macht einfach Spaß. Wer das einmal im Blut hat, kriegt das auch nicht mehr raus." Denn die Jugend hat irgendwo auch eine Aufgabe, wo sie sich engagieren kann. "Ich glaube, das haben wir ganz gut hingekriegt."

Seipp und Beckmanns prägten jahrelang das Dreigestirn in Ehringshausen. Im Jahr 2006 verabschiedete sich Karl-Heinz, vier Jahre später auch Trudi: "Als ich 60 geworden bin, habe ich gesagt, jetzt musst du auch mal aufhören." Doch auch nach ihrem Ausstieg wurde es weiterhin besetzt – der kölsche Flair sollte deswegen auf keinen Fall verloren gehen. Aus diesem Grund übernahmen Prinz Ingo Schmid, Bauer Philipp Heinz und Jungfrau Diane Beckmanns die Nachfolge und haben seit Jahren Spaß an ihrer Aufgabe als Aushängeschild des Ehringshäuser Karnevals.

Die ganze Karnevalsabteilung ist für den Sportverein Ehringshausen von besonderer Bedeutung. Das findet auch Vorstandsmitglied Uwe Diegel: "Sie repräsentiert unter anderem den Verein überregional und ist aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Viele Mitglieder identifizieren sich mit der Karnevalsabteilung“, berichtet Diegel auf Nachfrage von O|N. So auch Andrea Falk, Trainerin und selbst Tänzerin der Tanzgarde. Sie tanzt seit neun Jahren in der Garde des Sportvereins und trainiert diese seit 2012. "Mir macht das Tanzen sehr großen Spaß. Es ist ein tolles Feeling, dass es bei uns so ist wie beim kölschen Fasching. Zudem treffen wir uns alle aus dem Dorf an den ganzen Wochenenden und man kann sich austauschen und zusammen feiern und Spaß haben." Dem stimmt auch Gardetänzerin Mareike Musch zu, denn für sie "gehört der Fasching in Ehringshausen und das Tanzen schon seit Kindheitstagen dazu. Es ist Teil von unserem Dorfleben und für mich ist es selbstverständlich, dabei auch mitzuwirken."

Die Ehrengarde aus Ehringshausen

Die Tanzgarde bei ihrem Auftritt ...

Wenn das Dreigestirn, die Tanz- ...

Das sehen zum Glück viele so, denn ohne die vielen Engagierten in Ehringshausen wäre der Karneval in dieser Größenordnung so nicht zu bewältigen. Denn es ist klar, dass dieser nicht nur Spaß mit sich bringt, es muss auch ordentlich angepackt werden, wenn beispielsweise das Sportheim in Ehringshausen zur Narrhalla umgebaut wird oder am Aschermittwoch alles wieder abgebaut und aufgeräumt werden muss. Philipp Heinz zum Beispiel hilft trotz seines Amtes als Bauer immer mit: "Wer feiern will, muss auch anpacken. Fasching besteht eben nicht nur aus Spaß haben - es ist eine wichtige Einnahmequelle für den ganzen Verein, deshalb ist es auch von großer Bedeutung, den Gästen und befreundeten Vereinen ein schönes Ambiente und Rahmenprogramm zu bieten.“ Den Karneval in Ehringshausen möchte er auf keinen Fall missen, denn "der ganze Freundeskreis ist bei uns aktiv. Man wächst von klein auf dort hinein.“

Die Narren um Trudi Seipp und Karl-Heinz Beckmanns sind bereits schon am kommenden Samstag zum ersten Mal unterwegs. Da geht es nämlich auf die Fremdensitzung zum befreundeten Verein nach Alach in Thüringen, zu denen die Ehringshäuser schon seit Jahren eine gute und besondere Freundschaft pflegen. (Luisa Diegel) +++




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