Nach der Friedensmesse heute das obligatorische Gruppenbild vor der Stadtpfarrkirche - Fotos (84): Martin Engel

FULDA22. Friedensmesse der Karnevalisten

Ein Stadtpfarrer mit Humor und eine Kirche voller Narren | 92 BILDER

13.02.17 - "An Foaset und so ist es Sitte, steigt mancher Mensch mal in die Bütte." Was Stadtpfarrer Stefan Buß da am Sonntag während seiner Predigt in der Stadtpfarrkirche sagte, blieb auch ihm selbst nicht erspart. Die Friedensmesse für die Fuldaer Karnevalisten gehört mittlerweile zur festen Tradition. Sie geht auf das Jahr 1991 zurück, in dem während des Golfkrieges und wegen dieser militärischen Auseinandersetz-ung alle närrischen Veranstaltungen einschließlich des Rosenmontagszuges abgesagt wurden. Damals entstand die Idee, als Alternative jährlich eine Friedensmesse abzuhalten – mit Predigt in Reimform.

Wenn die Reihen der Fuldaer Stadtpfarrkirche von Clowns, kleinen Eskimos und Tollitäten in Fastnachtskostümen besetzt sind, deren Orden bei jeder Bewegung ein leises Klimpern von sich geben, dann findet sie wieder statt: Die Friedensmesse für Karnevalisten. Eine Veranstaltung, bei der selbst Stadtpfarrer Buß sein Birett (trad. Kopfbedeckung) gegen ein Hirschgeweih tauscht. Aber nur, um damit den Prinzen auf sie Schippe zu nehmen, dessen Hauptquartier in diesem Jahr in direkter Nachbarschaft zur Stadtpfarrkirche liegt. 

Prinz Dirk Novus Hotelicus LXXVI. von Fulda ist im normalen Leben Geschäftsführer des Hotels "Platzhirsch" Unterm Heilig Kreuz. Der erste Hirsch am Platz, das betonte Stadtpfarrer Buß während seiner Predigt, ist aber die Stadtpfarrkirche. "Man ruft es da und hört es hier: Der wahre Platzhirsch, der ist hier", so seine Worte. Dass die Predigt während der Friedensmesse für Karnevalisten in Reimform gehalten wird und nicht ganz so ernst ausfällt wie sonst, ist für Buß eine Selbstverständlichkeit: "Aber ganz leicht fällt es mir, der kein Insider in der Fastnacht ist, nicht", gestand dieser vor seiner Predigt im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

"Es hat mich schon Mühe gekostet. Ich hab die Predigt immer mal wieder liegen lassen, sie wieder in die Hand genommen und immer ein Notizbuch einstecken gehabt, um spontane Ideen aufzuschreiben." Die Mühe hat sich gelohnt. Stadtpfarrer Buß wurde am Sonntag mit Zwischenjubel und langem Applaus belohnt. Kein Wunder: Seine Ausführungen über die aktuelle politische Situation, die Kirche und die Fuldaer Foaset brachte er mit viel Humor und locker leicht herüber. So als würde er nie etwas anderes tun.

Bevor Stadtpfarrer Buß allerdings auf die Kanzel stieg und die Jugendlichen, die sich auf deren Treppenstufen niedergelassen hatten, mit einem Augenzwinkern zum Aufstehen bewegte, marschierten die Fuldaer Karnevalsvereine, die Messdiener und die aktuelle Prinzenmannschaft unter Prinz Dirk Novus Hotelicus LXXVI. von Fulda in die Stadtpfarrkirche ein. "Schön, dass ihr euch habt aufgemacht und bis zur Kirche es habt gebracht", begrüßte sie Buß und kündigte gleich zu Beginn an, dass auch bei seinem Foaset-Gottesdienst die Predigt nicht fehlen würde.

"Die Predigt wird nicht ausgelassen, ich werde sie in Reime fassen." In der von Gewalt und Terror geprägten heutigen Zeit, bat er um Frieden und entzündete gemeinsam mit Vertretern der Vereine die Friedenskerze, die die Narren von nun an durch ihre Hochzeit begleiten soll. Danach bot die Florengäßner Brunnenzeche ein Liedstück dar. Und dann war Buß`großer Moment gekommen: Von der neuen Kanzel aus, die am Sonntag eingeweiht werden sollte, sprach er seine Predigt herab und verteilte die ein oder andere Schippe in Richtung der Prinzenmannschaft (Suria Reiche).  +++ 


Nachfolgend die "Fastnachts-Predigt 2017" IM WORTLAUT: 

 
An Foaset und so ist es Sitte, steigt mancher Mensch mal in die Bütte. Für die Fulder Foaset ist's seit Jahren Brauch, ich wurd gefragt: tun Sie’s im Friedensgottesdienst wohl auch? Ich bin bereit und steig hinauf, dann nimmt die gereimte Predigt ihren Lauf.
 
Verehrte Pfarrgemeindeglieder, Liebe Schwestern, liebe Brüder, dazu vor allem ihr Karnevalisten und alle Gäste, ich grüß euch alle auf das Beste. Ich begrüß besonders die Alten, die öfters mal die Hände falten, die Jugend grüß ich drum nicht minder, dazu natürlich alle Kinder. Ich grüß euch alle und ruf es laut in den Kirchraum rein, Grüß Gott und Fölsch Foll hinein. Schön, dass ihr euch habt aufgemacht und bis zur Kirche es habt gebracht.
 
Ihr könnt nun eure Hände falten, ich werd’ die Faschingspredigt halten. Ihr wisst, dass wir beim Faschingstreiben stets klar bei unsrer Ordnung bleiben. Und wär’ die ganze Stadt pikiert, hier wird das Bibelwort traktiert, die Predigt wird nicht ausgelassen – nur dass wir sie in Reime fassen, denn solches ist nach meiner Sicht am heut’gen Tage einfach Pflicht.
 
Liebe Schwestern und Brüder, nun ist es wieder mal soweit, es begann die fünfte Jahreszeit. Gegrüßte sei noch einmal besonders Prinz Dirk vom Hotel nebenan, Wo ich immer genau hinsehen kann. Dem Nachbarn sag ich herzlich willkommen, Schön dass wir mal auf diese Weise zusammen kommen. Eins lieber Prinz Dirk kann ich mir heute nicht verkneifen. Deshalb muss sich jetzt die Initiative ergreifen. Du hast ein schönes Hotel am Platze hier. Doch der erste Hirsch am Platz, ist die Stadtpfarrkirche hier. Man ruft es da und hört es hier: Der wahre Platzhirsch, der ist hier.

So ein Geweih zu tragen, ist ja sehr nett. Doch bleib ich da lieber bei meinem Birett. Ja unser Prinz hat das sehr wohl erkannt, deshalb hat er die Stadtpfarrkirche auch auf seinen Orden gebrannt. Drum lass ich stets läuten auch alle Glocken, um den einen oder anderen Hotelgast auch hierher zu locken. Als närrisch erweist sich auch die Innenstadtpfarrei, deshalb sind wir diesmal auch beim ROMO dabei.

Mit einer Fußgruppe wollen wir an den Start, wir werden beweisen, dass Frohsinn ist auch unsere Art. Selbst ich werde in einem Kostüm mit den anderen mitgehen, ich lass es mir von der Brunnenliesel in Bronnzell schnell nähen. Die Carmen ruft ihren Witthold und sagt komm doch mal rüber, zieh dir das Kostüm einfach mal schnell drüber. Es sitzt und sieht auch aus ganz klasse, das müsste auch dem Stadtpfarrer passe. Mit flinker Nähnadel kommt sie dann herbei, nur eins, zwei Stiche und der Stadtpfarrer ist am Rosenmontag mit seinem Kostüm dabei. Aber mehr darf ich heute nicht verraten, das ist meine Pflicht, sonst rentiert es sich ja den Zug anzuschauen nicht.
 
In der Seelsorge versuchen wir hier in der Innenstadt manch neuen Weg zu gehen, die Traditionellen fangen manchmal an den Bischof anzuflehen. Wie kannst du das zulassen und schaust dabei zu, bei denen Ihren Ideen hat man gar keine Ruh. Ich sag da nur: Falsch sind die, das ist wohl klar, die sagen: Alles bleibt so, wie es war. Unser Leitbild ist dabei Papst Franziskus, er fordert uns auf :Geht auf die Strassen und Plätze, da ist es wo man präsent sein muss.

So ist uns wichtig auch unser offenes Portal, es steht weit offen, man kann reinkommen, jeder hat die freie Wahl. Wir fragen nicht, was bist du was hast du, wo kommst du her, es kommt nicht auf Titel und Konfession oder Religion an, der Mensch zählt mehr. Wir sind auch unterwegs in den Gasstätten und Kneipen, und lassen uns dabei von sozialen Gedanken leiten. Als erwachsene Sternsinger haben wir die Botschaft vom Stern gesungen, vom Esperanto zum Platzhirsch, ins Eck, selbst im Krokodil ist es erklungen. Wir riskieren es uns dabei zu blamieren, doch wir wollen auch für Kinder in Not kassieren.
 
Wir sind da in der Stadt, auf den Plätzen und in der Ökumene, Citypastoral heißt unsere neue Domäne. Falsch sind die, das ist wohl klar, die sagen: Alles bleibt so wie es war. Wer an Gott glaubt, der hat es heute schwer, die sich um Gott nicht kümmern, werden immer mehr. Doch mag es sein, das war schon immer so, denn auch in alter Zeit war'n viele Leute froh, wenn sie von Gott nichts merkten und nichts spürten und keine Forderungen Gottes sie berührten. Manche treiben es sogar bis auf die Spitze und erklären diskutierend voller Hitze: Es wär ja ganz schön, spräche Gott zu unsern Ohren, doch Gott hat wohl den Anschluss zur Realität verloren! So spotten sie und erklären ganz offen: was Gott angeht, da gibt's nichts zu hoffen.
 
Er schweigt und hat überhaupt nichts zu sagen, die Religionen sind eh nur üble Plagen. Ein Überbleibsel von grausigen Zeiten, verrückten als noch Priester die Menschen unterdrückten, als noch keiner vernünftig zu denken wagte und den Menschen die Dummheit behagte. So wird dem guten Gott Finsteres in die Schuhe geschoben. Man will keinen Herrn und Gott mehr dort droben. Mit der Welt machen wir es selber schon richtig unser Profit und der Fortschritt, das ist uns wichtig. Und doch, es will keiner den letzten Draht zu Gott zerschneiden, er denkt: wenn doch einer droben, wär' ich nicht zu beneiden, wenn ich's mir mit der höchsten Macht gleich ganz verderbe. Ich glaub zwar nichts, doch um des Höchsten Gunst ich werbe.
 
Und außerdem ist es doch auch ganz feierlich, mal eins auf Religion zu machen, so salbungsvolle Worte, Kunst und Musik, ja das rührt an, sind schöne Sachen. Ein wenig Religion ist doch ganz nett, erhebt die Seele, auch wenn ich sonst in Gottes Reihen allzu gerne fehle. 'Ne schöne Taufe und die Trauung in der Kirche ganz in weiss, das liebliche Orgelspiel und hinterher schmeißen wir kräftig mit Reis. Ostern und Pfingsten sind mir wirklich so lieb und ganz viel wert, mal auf die Ski und in die Berge, da sind kirchliche Feiertage nicht verkehrt. Ich seh mir auch so manche alte Kirche an und spende durchaus auch, so dann und wann.

So denkt wohl mancher, sagt es jedoch nicht allzu laut, damit er sich den Weg nach oben nicht verbaut. Eins will ich euch aber sagen, wer so denkt du dabei noch lacht, der hat die Rechnung ohne den Wirt, ohne den lieben Gott, gemacht. Es braucht eine Richtung und Orientierung im Leben, ja vieles ist gelegen an Gottes Segen. Man braucht ihn nicht nur, wenn man mal alt, es gibt viele Situationen im Alltag da braucht man einfach einen Halt.
Gott sieht jeden auf dieser Welt. Er ist auch nicht scharf auf euer Geld. Er hat nichts davon, wenn man sich plagt und quält, deshalb sind wir von ihm noch längst nicht erwählt. Statt uns selber lauter Stress anzutun, solltet wir lieber am Sonntag mal ruh'n, zu uns selbst und zu unserem Nächsten finden.

Denn die allerschlimmsten Sünden sind nicht irgendwelche dumme Taten, die uns einmal schlecht geraten. Sind auch nicht die süßen Sachen, die so manch Vergnügen machen. Gott ist nicht der Feind des Lebens. Gott engt nicht ein, quält nicht vergebens! Nur eines kann Gott nie vertragen, wenn Menschen andre Menschen plagen. Da hört bei Gott sich alles auf, da nimmt die Wut bei ihm den Lauf. Denn jeder Mensch liegt Gott am Herzen. Das Leid der Menschen macht ihm Schmerzen. Er fühlt mit Griechen, Syrern und allen, die jetzt arm und ohne Hoffnung, Gott erbarm! Er fühlt mit allen, die auf Freiheit brennen und nichts als Willkür und Einschränkung kennen."
 
Er ist bei denen, die auf der Flucht und neue Heimat suchen, verschließt eure Ohren und Herzen nicht, hört auch ihr rufen. Mit Jesus hat Gott alles fürs Recht getan, die Sünder und Elenden nimmt er an. Wer sich selbst für gerecht hält und unfehlbar tut, ist innen oft faulig, verkleidet sich gut. Die Sünder wissen, den Arzt brauchen wir, die Gnade tut gut, Gottes Liebe ist hier. Gottes Recht ist die Liebe, sie fließe hervor, Gottes Gerechtigkeit öffnet das Himmelstor. Der Sünder hat zwar schlechte Karten, er kann keine Belohnung erwarten, doch Gott sind alle Sünder recht. Wer auf Jesus vertraut ist nie zu schlecht. Viele sagen heute: So geht’s nicht, wir brauchen im Leben, in Kirche, Gesellschaft eine neue Sicht.
 
Mit neuen Augen müsst ihr sehen, was unten ist, nach oben drehen. Wer meint, sein Stammplatz wäre oben, den sollte man mal nach unten loben. Was fest ist, dass muss flüssig werden, sonst wird nichts neu auf diesen Erden. Es ist nicht alles hinzunehmen, sondern sich auch ruhig mal aufzulehnen, der Vorschrift Flügel auch zu stutzen, zu fragen: Kanns den Menschen nutzen? Nur euren Augen sollt ihr trauen, um stets genauer hinzuschauen, ob nicht, was als Verbot so gilt, ist eigentlich ein Vorfahrtsschild. Falsch sind die, das ist wohl klar, die sagen: alles bleibt so wie es war. Heute aber wollen wir fröhlich singen und die Botschaft des Friedens zu allen bringen. Wir rufen alle ob Groß oder klein, nun Halleluja und Föllsch Foll hinein. Amen. +++




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