SCHLÜCHTERNInfoabend zur Tafelarbeit

Wichtige Arbeit der Steinauer Tafel: 30 Tonnen Lebensmittel monatlich an 700 Haushalte

12.02.17 - „Die Steinauer/Schlüchterner Tafel ist heute fast ein mittelständiges Unternehmen. Sie sammelt sechs Tage pro Woche im Bergwinkel bei rund 40 Geschäften Ware ein. Sogar an Heiligabend und Silvester“, betonte Walter Pickert, Mitbegründer und Vorstandsmitglied, beim Monatstreffen der Europa Union Schlüchtern-Gelnhausen. Rund 30 000 Kilogramm Lebensmittel würden monatlich am Standort Steinau verarbeitet und Warenkörbe an über700 Haushalte im Bergwinkel ausgegeben. „Eine Tafel muss die gleichen lebensmittelrechtlichen Standards erfüllen wie ein Supermarkt“, hob das für Warenwirtschaft zuständige Vorstandsmitglied hervor. Dies betreffe die Abholung mit Kühlfahrzeugen, die Lagerung in Kühlanlagen und die Hygienebestimmungen. „Das überprüfen staatliche Lebensmittelkontrolleure.“

Der Tafelbetrieb sei teuer. Die jährlichen Kosten lägen bei über 65 000 Euro. „Kostendeckung ohne Spenden und Unterstützung der Kommunen ist nicht möglich“, berichtete Pickert. Diese Unterstützung werde der Tafel in Steinau, Schlüchtern und Sinntal auch gewährt. „Die Stadt Bad Soden-Salmünster verweigert dies, obwohl ein Viertel der Menschen, die bei uns Hilfe suchen, Bürger der Kurstadt sind“, kritisierte der Ehrenamtler. „Dies sind 250 Bedürftige, davon mehr als 50 Kinder. Armut zu leugnen, heißt nichts anderes als die Augen vor Fakten zu verschließen.“ (Anmerkung der Redaktion: Das Stadtparlament hat sich inzwischen einstimmig für eine dauerhafte Unterstützung der Tafelarbeit ausgesprochen).

Das Vorstandsmitglied erläuterte ausführlich, wie die Tafelidee in den USA entstand und nach Deutschland kam. „Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Den tat der Amerikaner John Arnold van Hengel, der 1975 die Organisation Second Harvest gründete.“ Unter dem Motto „Lebensmittel verwerten statt vernichten“ gebe es heute in der Bundesrepublik über 900 Tafeln. Allein 55 In Hessen, wo 120 000 Menschen auf die Hilfe angewiesen seien. „Dies zeigt flächendeckend, wie erschreckend sich Armut in unserem Land ausbreitet.“

Bei der Steinauer/Schlüchterner Tafel hätten sich die Gründer für die Rechtsform eines selbständigen Vereins entschieden. „Unser Vorstand trifft Entscheidungen autonom und muss sehen, wie der Verein finanziell über die Runden kommt. Diese Form ist zuweilen anstrengender als unter der Trägerschaft von Diakonie oder Caritas im warmen Nest zu sitzen, erlaubt aber auch großen unternehmerischen Spielraum.“

Jeder der einmal wöchentlich einen Warenkorb für vier Euro in einer der Ausgabestellen in Steinau, Sterbritz, Schlüchtern oder Bad Soden erhalte, müsse seine Bedürftigkeit alle sechs Monate nachweisen. „Die Tafelnutzer sind für uns Kunden. Die Tafel ist keine Almosenstation.“ Jeder müsse die Ware persönlich in seinem Wohnort abholen. „Die Schamgrenze ist hoch. Manche würden die Körbe lieber an einem anderen Abholort bekommen. Schämen müssten sich aber die, die im reichen Deutschland die Armut zulassen.“

In diesem Jahr „feiert“ die Steinauer/Schlüchterner Tafel ihr zehnjähriges Bestehen. Walter Pickert warb bei der Europa Union daher um weitere aktive Unterstützung der Tafelarbeit. „Jeder gibt, was er kann. Viel wenig gibt ein Viel.“ (kel) +++


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