Schulamtsleiter Stephan Schmitt hat gerade alle Hände voll zu tun. - Foto: Suria Reiche

REGIONDreistufiges Maßnahmepaket

Wie man im Schulamt den Lehrermangel in der Region bekämpft

16.02.17 - In Hessen steigt der Bedarf nach Lehrkräften – insbesondere im Grundschul- und Förderschulbereich. Der Grund dafür liegt laut einer Pressemitteilung des Hessischen Kultusministeriums in der in den vergangenen 18 Monaten erheblich angestiegenen Schülerzahl. "Ja, die Schülerzahl ist etwas angestiegen. Für den Stadt- und Landkreis Fulda kann ich jedoch nicht von einem enormen Anstieg sprechen", sagt der Leiter des Staatlichen Schulamts für den Stadt- und Landkreis Fulda Stephan Schmitt. Über die Maßnahmen, die das Land Hessen angeordnet hat, um dem Lehrkräftemangel Herr zu werden, ist er dennoch froh.

Auch wenn er nicht ganz so krass ist wie sonst wo: Auch in der Region macht sich der angestiegene Lehrkräftebedarf vor allem an Grund- und Förderschulen bemerkbar. "Hätte man einem Abiturienten vor vier Jahren gesagt, er soll Grundschullehramt studieren, hätte er entgegnet, dass er doch nicht für die Arbeitslosigkeit studieren will", sagt Schmitt. Was er damit meint, ist, dass es Zeiten gab, in denen die Schülerzahlen an Grundschulen zurückgegangen sind und somit weniger Lehrkräfte gebraucht wurden. Das habe sich aber heute wieder stabilisiert - und es fehlt an Lehrern und Lehrerinnen. Was den Mangel an Förderschullehrern angeht, sieht Schmitt das "Problem" in der Inklusion. "Klar, die fordert mehr Lehrer. Dazu kommt aber auch, dass es für das Förderschullehramt einen relativ hohen Numerus Clausus gibt."

Die im Hessischen Kultusministerium für die Lehrkräfteversorgung zuständigen Fachbeamten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hessischen Lehrkräfteakademie haben deswegen an einem Konzept zur Sicherung des Lehrkräftebedarfs gearbeitet. Neben der bereits seit mehreren Monaten verstärkten Werbung für die Einstellung in den hessischen Schuldienst sieht das nun vorliegende Konzept ein Paket von drei Schwerpunkt-Maßnahmen vor. An erster Stelle steht hier die Reaktivierung von Pensionären. Hessenweit wurden bereits in der dritten Januarwoche rund 1.600 ehemalige Lehrerinnen und Lehrer und 580 Lehrkräfte, die in den kommenden Monaten regulär in den Ruhestand treten, angeschrieben mit der Bitte, über eine zeitlich befristete Rückkehr beziehungsweise eine Verlängerung ihrer Dienstzeit nachzudenken. "Wir konzentrieren uns dabei auf diejenigen Lehrerinnen und Lehrer, die maximal bis zu zwei Jahren im Ruhestand oder zurzeit noch aktiv im Dienst sind“, sagte der Hessische Kultusminister Professor Dr. Alexander Lorz dazu.

Glück hatten da die Pensionäre im Stadt- und Landkreis Fulda: "Diese Maßnahme haben wir eigentlich kaum genutzt", so Schmitt, "Dass uns Lehrer im Ruhestand aushelfen, gab es jedoch schon vorher. Aber das sind nur einige Wenige." In der Region griff viel mehr die dritte Maßnahme des Hessischen Kultusministeriums: Examinierten Gymnasial-, Haupt- und Realschullehrkräften, die bislang noch kein Angebot zur Einstellung erhalten haben, wird eine Beschäftigungsmöglichkeit an Grund- oder Förderschulen eröffnet. "Dafür müssen sie eine Nachqualifizierung absolvieren und ein zweites Staatsexamen erlangen. So haben sie dann quasi zwei Lehrämter, in denen sie arbeiten können", beschreibt Schmitt die Maßnahme, über die er sehr froh ist, "Bereits jetzt haben wir schon viele von diesen Nachqualifizierern im Unterricht."

"Mit diesem Angebot geben wir jungen Lehrerinnen und Lehrern die Chance auf eine unbefristete Beschäftigung." Mit einer zusätzlichen Qualifizierung in Grundschul –oder Förderschulpädagogik sollen sie fit gemacht werden für den Einsatz an diesen Schulformen. "Selbstverständlich soll ihnen nach einer Übergangszeit, für die sie sich zum Einsatz an einer Grund- oder Förderschule verpflichtet haben, auch die Möglichkeit zur Beschäftigung an der ursprünglich von ihnen gewählten Schulform gegeben werden." Allerdings verpflichten sie sich laut Schmitt für fünf Jahre, in dem Bereich zu arbeiten, in dem sie sich weitergebildet haben. Und: "Ein ausgebildeter Gymnasiallehrer wird wie ein Grundschullehrer bezahlt, wenn er in diesem Bereich arbeiten." Und das ist weniger. Dennoch würde die Maßnahme gut angenommen werden: "Bevor man gar nichts verdient ..."

Und schließlich ist das Hessische Kultusministerium bereits mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und den hessischen Universitäten, die Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, darüber im Gespräch, die Ausbildungskapazitäten auszuweiten. Denn es ist keinesfalls so, dass es zu wenig Bewerberinnen und Bewerber gibt. Allerdings entspricht die Zahl der Studienplätze aktuell nicht dem gewachsenen Lehrkräftebedarf. Doch auch hier gilt: Vor fünf bis sieben Jahren war der deutlich höhere Lehrkräftebedarf nicht absehbar, da man von weiterhin sinkenden Schülerzahlen ausging.

"Mit den nun geplanten Maßnahmen sind wir davon überzeugt, dass wir den Lehrerbedarf an Grund- und Förderschulen werden decken können. Denn um die Dimension klarzumachen: Die voraussehbare Lücke liegt zwischen 200 und 300 Stellen. Das entspricht weniger als einem Prozent des gesamten Stellenumfangs im Grundschulbereich. Die Grundunterrichtsversorgung ist in ganz Hessen heute wie auch im kommenden Schuljahr sichergestellt. Geplante Unterrichtausfälle, wie sie in den 1990er-Jahren in Hessen gang und gäbe gewesen sind, wird es in Hessen nicht geben“, betonte Kultusminister Lorz.

Die Lehrerversorgung zu planen sei jedoch schwierig, sagt Schmitt. "Momentan könnte man zum Beispiel keinem empfehlen, Gymnasiallehramt zu studieren, denn momentan qualifizieren wir diese Lehrer ja um. In vier oder fünf Jahren, wenn die Studierenden ihr Staatsexamen in der Tasche haben, sieht das aber vielleicht wieder ganz anders aus. Deswegen kann ich kann nur jedem empfehlen, das zu studieren, woran er Spaß hat. Vorhersagen kann man sowieso nichts." (pm/sur) +++


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