Pegida-Kundgebung am Dresdner Hauptbahnhof im April 2016 - Foto: picture alliance / dpa

16.02.17 - FULDA

OSTHESSEN|NEWS fragt nach...

Interview (2) - Warum der Islam laut AfD nicht zu Deutschland gehört

Über Martin HohmannMartin Hohmann war bis 2004 Mitglied der CDU. Nach seiner als antisemitisch kritisierten Rede vom 3. Oktober 2003 zum Tag der deutschen Einheit wurde er im Juni 2004 aus der Partei ausgeschlossen. Zuvor war er von 1984 bis 1998 Bürgermeister der Gemeinde Neuhof und ab 1998 Abgeordneter im Bundestag. Nach der Kommunalwahl 2016 zog er für die AfD in den Fuldaer Kreistag ein und gehört der Partei seit dem Frühjahr vergangenen Jahres an.

 "Der Islam gehört zu Deutschland", findet Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Björn Höcke (AfD) sieht das anders. Nazi, Rassist, Volksverhetzer - das wirft man ihm vor. Sind seine Ansichten Konsens in der AfD? OSTHESSEN|NEWS hat im Rahmen einer dreiteiligen Interview-Serie Martin Hohmann, Vorsitzender der AfD im Kreis Fulda, zu seiner Meinung gefragt.


Ich würde gern auf Amerika zu sprechen kommen. Donald Trump hat per Dekret ein Einreiseverbot für Muslime aus bestimmten Ländern durchgesetzt. Die Justiz hat es wieder aufgehoben. Nachweislich sterben in Amerika aber mehr Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen als durch islamistische Anschläge. Herr Hohmann, wie gefährlich ist der Islam dann eigentlich?

Fakt ist ja, nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Terroristen der letzten Zeit waren Muslime. Da ist eine reale Gefahr da. Die können wir nicht von der Hand weisen. Und diese Gefahr hat auch etwas mit der Religion des Islam zu tun.

Das ist ja wiederum eine Pauschalisierung.

Ich werde das gleich differenzieren. Es gibt natürlich ganz unterschiedliche muslimische Anschauungen und Arten, den Glauben zu leben. In Südostasien ist das anders, als zum Beispiel in Saudi-Arabien. Aber in dem einen Koran, der für alle Muslime gültige heilige Schrift ist, gibt es mehrfach die Aufforderung, Andersgläubige zu töten. Ich sage Ihnen, die muslimische Zuwanderung, so wie sie bei uns gehandhabt worden ist, unter Ausblendung der Fragen: Woher kommt der? Welchem Islam gehört er an? Das ist eine Gefahr. Wer hat denn in Köln die Frauen begrapscht und vergewaltigt? Wer hat denn in Berlin den Lkw in den Weihnachtsmarkt gesteuert? Das waren Muslime. Sie haben ein fundamental anderes Welt- und Menschenbild. Sie haben aus dem Koran die religiöse Pflicht, Ungläubige – dazu gehören wir – und Abtrünnige zu töten. Meiner Meinung nach ist der koranische Islam inkompatibel mit dem Grundgesetz. Wenn der Islam eine Partei wäre, müsste man sie verbieten, wegen dieser Gewalt- und Tötungsaufrufe. Für meine Begriffe ist der Islam eine Eroberungsideologie, eingekleidet in eine Religion. Wobei nicht jeder Moslem deswegen unter Verdacht steht. Aber der Koran selbst, ist eindeutig.

Martin Hohmann (AfD) Foto: Julius Böhm

Wenn Sie den Koran ansprechen, muss man dann nicht auch schauen, in welcher Zeit er entstanden ist? Ich habe hier ein paar Bibelstellen: „Wenn der Vorwurf aber zutrifft, wenn sich keine Beweise für die Unberührtheit des Mädchens beibringen lassen, soll man das Mädchen hinausführen und vor die Tür ihres Vaterhauses bringen. Dann sollen die Männer ihrer Stadt sie steinigen und sie soll sterben.“ Oder auch: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben“ (3. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 13). Oder ebenfalls aus dem dritten Buch Mose: „Wer seinem Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben.“

Diese überaus strengen Regeln können wir heute kaum mehr verstehen. Sie sind für meine Begriffe gegeben worden, damit das Volk Israel auf dem Weg der von Gott gegebenen Gebote und des Monotheismus bleibt. Sie finden dort auch die Stelle, "Wenn ein Mann Frauenkleider trägt, ist das dem Herrn ein Gräuel." Diese mosaischen Gesetze werden ja heute auch in Israel zurecht nicht mehr angewendet. Aus dem Judentum kam das Christentum. Christus sagte, "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." Das ist für mich ein Satz mit einer grundlegenden Humanität. Damit wird für das Christentum, die strikte Befolgung der alttestamentarischen Regeln außer Kraft gesetzt. Christus hat als wichtigste Botschaft mitgebracht: Wir sollen verzeihen, immer wieder. Dieses Verzeihen ist konstitutiv für das Christentum. Das gibt es im Koran so nicht.

Ich gehe davon aus, dass viele Christen in Deutschland die Bibel gar nicht gelesen haben. Aber genauso gehe ich davon aus, dass auch die Mehrzahl der Muslime hierzulande nicht viel mit dem Koran anfangen kann.

Das wird wohl so sein. Nicht umsonst wird von einem „Verdunsten des christlichen Glaubens“ gesprochen, sowohl von Glaubenswissen als auch von Glaubenspraxis. Da gebe ich Ihnen Recht. Allerdings, bei einer kleinen Gruppe jüngerer Muslime gibt es eine gefährliche Hinwendung zum strengen Ur-Islam.

Müsste man dann nicht differenzieren? Es gibt ja in vielen Religionen Brutalitäten, die auf die Zeit zurückzuführen sind, in der sie entstanden sind. Wenn Sie sagen, dass diese aus der Bibel heute nicht mehr angewendet werden, muss man auch sagen, dass die Scharia nicht in jedem muslimischen Land angewendet wird.

Das trifft zu. Es gibt diese Breite im Islam. Ich frage mich aber, welche Richtung sich am Ende durchsetzen wird. Ich fürchte, es werden ähnlich wie bei den großen Revolutionen die Radikalen sein. Gibt uns jemand die Garantie, dass sich die strenge Richtung nicht durchgesetzt? Sollen wir dieses Risiko „ausprobieren“? Nein. - Von dieser Warnung möchte ich Muslime, die seit Jahrzehnten friedlich und angepasst bei uns leben, ausdrücklich ausnehmen.

Viele der Flüchtlinge interessiert ja nicht, ob die Bomben in Syrien von den Russen, dem IS oder sonst wem geworfen werden. Sie sind ja um ihr Leben geflohen. Würden Sie sagen, diese Menschen dürfte man jetzt nicht reinlassen, nur weil sie Muslime sind und wieder zurückschicken?

Ich sehe das ähnlich wie die Polen und Tschechien. Wenn wir syrische Flüchtlinge aufnehmen, sollten wir besonders vorsichtig sein. Und das deshalb, weil es bei uns einen Spezialweg zum Daueraufenthalt gibt - das misslungene Asylrecht. Wenn wir Flüchtlinge, die sich hier dann auf Asyl berufen, nicht mehr rauskriegen, müssen wir erst recht vorsichtig sein. Man muss sehen, wie man diese Menschen schützen kann. Man hätte die Lager, die es in Syrien gab, nicht auflösen dürfen. Das werfe ich der deutschen Politik und Angela Merkel vor, dass sie nicht erkannt hat, dass es viel besser ist, diese Menschen in der Nähe ihres Heimatlandes angemessen zu versorgen. Dort war und ist mit viel weniger Geld viel mehr zu erreichen.

Trotzdem. Wenn jemand mit seiner Familie vor Krieg flieht und an der Tür klopft, sollte man ihn nicht auch dann aufnehmen, wenn er Moslem ist?

Natürlich. Durchaus. Ja. Wenn er einer unmittelbaren Gefahr ausgesetzt ist, bin ich dafür. Nur ich warne vor unserer Politik, weil wir offensichtlich keine praktikable Lösung haben, wie wir die Leute wieder zurückbekommen, wenn die Gefahr vorbei ist. So gibt es in Deutschland zur Zeit rund 500.000 ausreisepflichtige, abgelehnte Asylbewerber. Ihnen gegenüber versagt unser Rechtsstaat. Von den zusätzlichen Milliardenkosten ganz zu schweigen.

Das heißt man bräuchte ein Einwanderungsgesetz, dass das festlegt und dann könnte man alle aufnehmen?

Dann könnte man viel großzügiger sein. Nur, wenn ich die Gesamtlage sehe, dass die deutsche Politik bisher unfähig ist, dieses Problem zu lösen, sage ich: Um Himmels Willen holt nicht noch mehr Leute rein. Grenznahe Lager in oder bei den Konfliktgebieten sind vorzuziehen. Übrigens hat auch Angela Merkel neuerdings Auffanglager befürwortet, während Bernd Lucke dafür vor drei Jahren noch als naziverdächtig beschimpft wurde.

Sie sagen ja, bei Muslimen müsste man vorsichtig sein. Was sagen Sie dann dazu, dass am Flughafen Washington ein Fünfjähriger mit Handschellen abgeführt wurde, nur weil er Moslem ist?

Das Rechtssystem in den USA hat manche seltsame Blüte. Das ist bei uns Gott sei Dank anders.

Das gekippte Einreiseverbot galt ja hauptsächlich für Länder, die die USA destabilisiert haben.

Nach dem ersten Weltkrieg haben Frankreich und Großbritannien durch Grenzziehungen im mittleren Osten, die sich nicht an den dortigen Volkstumsgrenzen orientiert haben, den ersten Teil dazu beigetragen, dass diese Länder unter dem Geburtsfehler der Instabilität litten. Zweitens. Das Denken der Amerikaner, wir marschieren dort ein und bringen die Demokratie, ist Wunschdenken, das viel mehr Leid und Schaden verursacht hat, als wenn man dort im Einzelfall die Diktatoren an der Macht gelassen hätte. Zumal der Kriegsgrund im Falle des Irak, von den USA geradezu „herbeigelogen“ wurde. Die angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden. Die Systemwechsel, die die USA dort vollziehen wollten, waren überaus schädlich. Insofern müssten die USA auch viel mehr Verantwortung tragen und mehr Flüchtlinge aufnehmen.

Blickt man zurück, muss man ja feststellen, dass die meisten Anschläge in muslimischen Ländern verübt wurden, nicht aber in christlichen.

Das hängt einerseits mit der dem Islam innewohnenden Gewaltbereitschaft zusammen. Andererseits gibt es die Sunniten und es gibt die Schiiten. Sie sprechen sich teilweise gegenseitig ab, rechtgläubige Muslime zu sein. Das ist der Grundkonflikt im Islam. Dem wäre nur dann beizukommen, wenn das Verzeihen und Vergeben ein Teil des muslimischen Glaubens werden könnte.

Im Mittelalter gab es auch gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken, wie den 30-Jährigen Krieg. Auch die Inquisition hat Andersdenkende auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Islam wiederum ist 600 Jahre jünger als das Christentum. Könnte man sagen, dass er diese Gewalt, ähnlich wie das Christentum auch in Zukunft überwindet?

Ich sehe dafür keinen Ansatz. Wo könnte in der islamischen Lehre der Ansatz sein? Christus sagte: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist". Die „weltliche Obrigkeit“ und das “Reich Gottes“ können also im Christentum grundsätzlich getrennt sein, aber trotzdem koexistieren. Das gibt es im Islam nicht. Dort herrscht der Grundsatz „Din wa Daula“. Das läuft darauf hinaus, weltliche Macht und religiöse Führung nach dem Vorbild des Propheten Mohammed möglichst eng zu verbinden. Aktuelles Beispiel ist Erdogan in der Türkei. Das Wunschdenken nach einem aufgeklärten, gewaltfreien und frauenfreundlichen „Euroislam“ ist mit dem Koran und der Scharia nicht zu vereinen. Wir dürfen nicht dem Irrtum verfallen, die Muslime würden uns zuliebe den Koran umschreiben.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.


Was Herr Hohmann wohl zur rechten Hetze in seiner Partei zu sagen hat? Das lesen Sie im dritten und abschließenden Teil unseres Interviews. (Toni Spangenberg) +++




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