REGIONDie MITTWOCHS-KOLUMNE

WIELOCH schreibt an (28)… unsere Taxifahrer, die Helden der Nacht

ZUR PERSONIn „Wieloch schreibt an“ richtet sich Jochen Wieloch (40) immer mittwochs in einem persönlichen Brief nicht nur an regionale Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur, sondern auch an Menschen des Alltags, die in den Tagen zuvor besonders aufgefallen sind und für positive oder negative Schlagzeilen gesorgt haben. Bei der Kolumne handelt es sich um eine Mischung aus Kommentar und Portraitierung, in der Jochen Wieloch mal sachlich, mal emotional lobt, kritisiert und bei Bedarf auch ordentlich Dampf ablässt. Der Petersberger kennt sich in den Medien Print, TV und Internet bestens aus und ist unter anderem als Spezialist für Unterhaltungs-elektronik gefragter Autor für zahlreiche Verlage, Magazine und Fachzeitschriften. Neben dem ZDF, 3sat und dem Bayerischen Rundfunk arbeitete der Germanist unter anderem auch für die Motor Presse in Stuttgart und auto-tv in München.

08.03.17 - Liebe Taxifahrer,

nach dem Überfall auf einen Ihrer Kollegen am vergangenen Wochenende in Fulda ist es mir wieder bewusst geworden: Spätestens mit Einbruch der Dunkelheit möchte ich mit Ihnen nicht tauschen. Viele von Ihnen haben nachts kein gutes Gefühl. Die Angst fährt ständig mit. Zwischen 1985 und 2015 wurden 85 Taxifahrerinnen und Taxifahrer in Deutschland ermordet. Die Statistik weist zudem 10.260 Überfälle und Tätlichkeiten aus. In den USA galt Ihr Job schon vor 20 Jahren als doppelt so gefährlich wie der Beruf des Polizisten. Aber Sie sind ohne Schlagstock und Handschellen unterwegs.

 Wenn das Tageslicht geht, beginnt für Sie die heikle Phase. Nachts sind Sie auf sich alleine gestellt. Sie werden an entlegene Orte gerufen, chauffieren Betrunkene und Pöbler, die nicht zahlen wollen. Und eben auch jene schwarzen Schafe, die es auf Ihre Einnahmen oder mehr abgesehen haben. Messerattacken wegen läppischer 30 Euro sind keine Seltenheit. Ich stelle mir das extrem unheimlich vor: dunkle Landstraße, kein Auto weit und breit, und im Fond finstre Gestalten, die kein Wort reden. Schlimme Bilder aus „Aktenzeichen XY… ungelöst“ tauchen da automatisch vor Augen auf. Geldtransporter sind fast uneinnehmbare Festungen. Sie, liebe Taxifahrer, haben in Ihren fahrbaren Geldschränken gegen Angreifer keine Chance.

 In Bremen sind die Taxen deshalb seit kurzem mit Kameras ausgestattet. Alle 15 Sekunden entsteht von den Fahrgästen ein Foto, das 48 Stunden lang archiviert wird. Andere Bundesländer haben noch nicht nachgezogen. Filmaufnahmen sind aus Datenschutzgründen verboten. Für mich ist das der blanke Hohn. Passagieren mit reinem Gewissen tut die Überwachung an Bord nicht weh. Kriminelle werden abgeschreckt. Ziel erreicht, Sicherheit erhöht, was gibt es da zu diskutieren?

Liebe Taxifahrer, für Touristen und Gäste sind Sie häufig die ersten Kontaktpersonen, die Repräsentanten und das Begrüßungskomitee einer Stadt. Ich liebe es, bei Ihnen am Flughafen einzusteigen. Oft vermitteln Sie ungefiltert den Charme und das Lebensgefühl einer ganzen Region. Münchner Herzlichkeit.

Hamburger Weltoffenheit. Berliner Multikulti – hier iss nen Taxi imma noch ne Droschke. In den USA haben sich Ihre Kollegen, die schon mehrfach überfallen wurden, für eine radikale und hoffentlich nicht ganz ernst gemeinte Reform stark gemacht. Idee: Die Passagiere fahren selbst, Sie sitzen hinten auf dem Rücksitz mit geladener Pistole und kassieren nur noch ab. Sollte es jemals dazu kommen, gehe ich lieber zu Fuß.


Mit herzlichen Grüßen


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