FULDA"Notleidenden zu helfen ist die Motivation"

Malteser Medizin für Menschen behandelt Patienten ohne Krankenversicherung

15.04.17 - „Wir verstecken uns hinter Gesetzen, Vorschriften und Bestimmungen. Wir sollten uns alle empören, wie mit sozial benachteiligten Menschen in unserer Gesellschaft umgegangen wird“, hat Medizinprofessor Gerhard Trabert einmal betont. Traberts Mainzer Verein „Ambulanz ohne Grenzen“ hilft Menschen, die keine Krankenversicherung haben. Auch in Osthessen gibt es sie – Mediziner wie Gerhard Trabert. Beim Monatstreffen der Europa-Union haben Zahnarzt Dr. Dr. Uwe Uffelmann und seine Frau Karin, Gründungsmitglieder der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM), die Anlaufstelle für Patienten ohne Versicherungsschutz im Fuldaer Herz-Jesu-Krankenhaus vorgestellt.

Von links: Dr. Dr. Uwe ...

Bundesweit gibt es rund 140.000 Menschen davon, obwohl in Deutschland seit dem 1. April 2007 die Versicherungspflicht in der gesetzlichen und seit Januar 2009 in der privaten Krankenkasse gilt. Zu den Betroffenen zählen vor allem EU-Staatsbürger aus osteuropäischen Ländern, Wohnungslose, Haftentlassene und immer mehr kleine Selbstständige, die die hohen Versicherungsbeiträge nicht mehr aufbringen können.

Hier werden Menschen, die ohne Krankenversicherung über die Runden kommen wollen, kostenlos behandelt. „Das Team mit vier Ärzten, einem Zahnarzt und sechs Krankenschwestern leistet Notfallversorgung bei plötzlicher Erkrankung und Verletzung, betreut während einer Schwangerschaft und führt die Erstuntersuchung durch bei Wahrung der Anonymität“, berichtete Projektleiterin Karin Uffelmann.

MMM habe Kooperationen mit dem Klinikum Fulda, dem Herz-Jesu-Krankenhaus und niedergelassenen Fachärzten in den Landkreisen Fulda, Hünfeld, Bad Hersfeld und dem Main-Kinzig-Kreis. Im vergangenen Jahr seien 48 Männer, 43 Frauen und zwei Kinder behandelt worden. Der Anteil der deutschen Staatsbürger mache inzwischen die Hälfte der Patienten aus. „Diese Menschen leiden häufig an verschleppten Krankheiten und haben starke Schmerzen. Bevor sie sich überhaupt behandeln lassen, sind sie von Angst getrieben.“ Karin Uffelmann nannte das Beispiel einer jungen Frau, die eine schmerzende Schwellung am Kopf hatte. Sie befürchtete einen Tumor. „Glücklicherweise war es nur eine eitrige Speicheldrüse, die mit Antibiotika schnell behandelt wurde.“ Die Projektleiterin ist immer auch als Bittstellerin der Patienten unterwegs, wenn sie mit einem Arzt verhandelt, ob dieser eine Operation gratis übernimmt.

Das Löschenroder Ehepaar Uffelmann betonte: „Notleidenden Menschen zu helfen, ist unsere Motivation. Uns interessiert nur, ob der Patient krank ist. Dann behandeln wir ihn. Belehrend sind wir nicht unterwegs.“ Besonders betroffen sei der Personenkreis der Ich-AGs. „Diese Menschen sind gewollt keine Selbständige. Sie sparen bei sich selbst am ehesten. Doch die Krankheit wartet nicht“, sagte Dr. Uwe Uffelmann. Solche Patienten habe jeder Arzt in seiner Praxis. „Natürlich ist es wünschenswert, wenn sie sagen, ich habe kein Geld, um die Behandlung zu bezahlen als hinterher zu behaupten, sie seien privatversichert.“

Im Jahre 2013 wurde MMM in Fulda gegründet. Schirmherr ist Bischof Heinz Josef Algermissen. Die Behandlung ist für die Patienten kostenlos. Dem Gründungsteam gehören neben den Uffelmanns die Allgemeinmediziner Dr. Rudolph Grunert, Dr. Erika und Walter Sippel und die examinierten Krankenschwestern Regina Ulrich und Karin Wagner an. Sprechstunde ist vierzehntägig jeweils dienstags zwischen 14 und 18 Uhr in den Räumen des Herz-Jesu-Krankenhauses. Um die entstehenden Kosten von jährlich rund 20 000 Euro für Medikamente oder Operationen zu begleichen, sind die Malteser auf Spenden angewiesen (Spendenkonto: Sparkasse Fulda, Kontonummer: 88888, Bankleitzahl: 53050180, Stichwort: Malteser Migranten Medizin). +++




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