REGIONDie Mittwochs-Kolumne

WIELOCH schreibt an (34)… die Planer der neuen Bahnstrecke Fulda - Frankfurt

Zur Person:In „Wieloch schreibt an“ richtet sich Jochen Wieloch (40) immer mittwochs in einem persönlichen Brief nicht nur an regionale Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur, sondern auch an Menschen des Alltags, die in den Tagen zuvor besonders aufgefallen sind und für positive oder negative Schlagzeilen gesorgt haben. Bei der Kolumne handelt es sich um eine Mischung aus Kommentar und Portraitierung, in der Jochen Wieloch mal sachlich, mal emotional lobt, kritisiert und bei Bedarf auch ordentlich Dampf ablässt. Der Petersberger kennt sich in den Medien Print, TV und Internet bestens aus und ist unter anderem als Spezialist für Unterhaltungs-elektronik gefragter Autor für zahlreiche Verlage, Magazine und Fachzeitschriften. Neben dem ZDF, 3sat und dem Bayerischen Rundfunk arbeitete der Germanist unter anderem auch für die Motor Presse in Stuttgart und auto-tv in München.

19.04.17 - Liebe Planer der neuen Bahnstrecke Fulda - Frankfurt,

Ihre Kollegen von der Suedlink-Stromtrasse haben im Gegensatz zu Ihnen noch einen Joker im Ärmel: Diese können - und müssen - die Kabel unter der Erde verbuddeln. Ihr Problem: Bei den Gleisen haben Sie fast keine Alternative. Die verschwinden vielleicht punktuell im Tunnel. Der Großteil der rund 100 Kilometer langen Verbindung muss jedoch oberirdisch verlegt werden. Das ist wie das Lösen eines 30.000-Teile-Puzzles in einer Studentenbude. Zwischen Büchern, Klamotten und schmutzigem Geschirr auf dem Boden fehlt schlichtweg der Platz. Ihre Herausforderung sind Städte, Dörfer, Flüsse, Wälder, Wiesen, Straßen und - in erster Linie - der Mensch. Was für ein Gefriemel, eine neue Bahnstrecke in unserem dicht besiedelten Land zu realisieren.

Um das Jahr 2025 herum soll der erste Spatenstich erfolgen – frühestens. Bis dahin gilt es noch die schwierigste Frage zu klären: Wo liegen die Gleise zwischen Fulda und Gelnhausen? Diverse Streckenkorridore stehen zur Diskussion – mindestens so viele Bürgerinitiativen wissen, warum genau ihr Standort absolut ungeeignet ist. Lärmschutz, Naturschutz, Bürgerproteste, geographische Beschaffenheiten – Sie als Planer müssen unzählige Faktoren berücksichtigen. Eine Gleichung mit zig Unbekannten.

Im Hintergrund stehen Sie im Schussfeuer der Politik. Lokalpolitiker, Landtags- und Bundestagsabgeordnete üben Druck aus. Jeder will das Beste für seine Region herausholen. Verständlich! Und jeder hat gute Argumente, bietet Ihnen möglicherweise einen Deal an. Wie auch immer Sie sich entscheiden: Verlierer gibt es garantiert. Aber irgendwo müssen die Gleise hin. Seit der Wiedervereinigung laufen die Planungen. Und bis der erste Zug hier fährt sind Ossis und Wessis aus unserer Denke endgültig verschwunden.

Liebe Projektleiter, Ihre größte Sorge liegt auf der Hand: Kommt es zu Klagen gegen das Schienenprojekt vor Gericht? Dann wäre kein Zeitplan mehr zu halten. Jahre würden verstreichen, ehe die Arbeiten beginnen könnten. Auszuschließen sind juristische Auseinandersetzungen nicht. Noch nie haben sich Bürgerinitiativen so rigoros und zielstrebig verhalten wie in diesen Tagen. Das zeigen aktuell die Gegner der Schredder-Anlage in Eichenzell. Kompromisse beim Gleisbau sind schwierig. Eine komplette Untertunnelung ist nicht bezahlbar. So wichtig der Ausbau der überlasteten Kinzigtalbahn auch ist: Mein Gefühl sagt mir, dass 2025 noch keine Bagger rollen. Verspätungen im Bahnverkehr haben schließlich Tradition.


Mit herzlichen Grüßen





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