Die Ausstellung ist bis 2. Juli täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. - Fotos: Marion Eckert

BISCHOFSHEIM"Maria und die Künstler"

Neue Ausstellung im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg

08.05.17 - Aus der sakralen Kunst ist Maria nicht wegzudenken. Wenn Jesus am Kreuz stirbt, trauert die Gottesmutter zu seinen Füßen. Wenn Bilder seine Empfängnis oder Geburt darstellen, ist sie erst recht dabei. Darstellungen von Maria tauchten schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus Tod auf. Immer wieder haben sie sich verändert, dem Kunstgeschmack und Zeitgeist entsprechend entstanden immer neue Darstellungsformen bis hin zur Abstraktion. In der neuesten Ausstellung im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg geht es um das Thema "Die Gottesmutter Maria und die Künstler". 

Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld mit einer Vielzahl von privaten Leihgaben, die die große Bandbreite der marianischen Kunst und Volksfrömmigkeit, aber auch Auswüchse im Devotionalienbereich widerspiegeln.

Auch wenn im Bruder-Franz-Haus keine Werke von den berühmten Mariendarstellungen von Michelangelo, Raffael, Tizian, Dürer, Rubens oder Rembrandt - sie alle haben Maria gemalt und gezeichnet – zu sehen sind, gibt die Ausstellung einen Einblick in die Vielfältigkeit der Darstellungen der Gottesmutter. Unzählige große bekannte und unbekannte Künstler haben sich immer wieder von ihrem Wesen, ihrer Schönheit, den biblischen und apokryphen Schriften inspirieren lassen. Maria als die liebende Mutter mit dem Jesuskind auf dem Schoß.

Süßliche Bilder, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts in Wohn- und Schlafzimmer Einzug hielten, erinnern an Großmutters Wohnung. Zu sehen sind eine Vielzahl an Marienskulpturen, unter anderem aus verschiedenen Wallfahrtsorten wie Fatima und Lourdes. Überhaupt ist die Lourdes-Grotte mit der Gottesmutter und Bernadette eine vielfach nachgearbeitete Szenerie. Zu den modernen Darstellungen zählt der Bibelzyklus von Peter Klier aus Mellrichstadt, der die Themen Maria Himmelfahrt, Schutzmantelmadonna heute und Maria Verkündigung als Aquarellmischtechnik darstellt.

An das Adventslied "Maria durch ein Dornwald ging" erinnert eine Skulptur der schwangeren Maria unter einem Dornenzweig, der Rosenblüten trägt. Diese Marienskulptur am Fenster mit Blick auf den nahen Wald am Kreuzberg lädt zum Verweilen und Staunen über die frei ausschreitende Gottesmutter ein, die ihren Blick beinahe wissend zum Himmel schickt. Marienstatuen, an denen der Zahn der Zeit sichtlich nagte, ein aufklappbarer Marienaltar für das häusliche Gebet, die Heilige Familie auf einer Art kleinem Vortragskreuz, eine alte Schrift zum "Haussegen zu Jesu, Maria und Joseph" und einige Ikonen säumen die Fensterbretter im Bruder Franz Haus. Die Ikonen zeigen klassische Mariendarstellungen, wie sie die Orthodoxe Kirche kennt. Ein Bild erinnerte an die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth und das Magnificat, den Lobpreis Mariens, der anlässlich der Begegnung dieser beiden von Gott gesegneten Frauen entstand. 

Natürlich darf auch das Geschehen um Christi Geburt mit den Hirten auf den Feldern und schließlich die Flucht nach Ägypten mit der Gottesmutter und dem Jesuskind auf dem Esel nicht fehlen. In einer Glasvitrine sind Sammelstücke zu sehen, die zum Teil aus Wallfahrtsorten stammen und deutlich machen, was an Devotionalien alles gekauft werden kann. Plastikflaschen in Madonnenform mit Wasser aus Lourdes, eine Fatima-Madonna mit Glitzermantel sollen hier als Beispiele genügen. Eine Medaillensammlung ist in der Vitrine ebenfalls zu bestaunen, darunter auch die "wunderbare Medaille", die an die Marienerscheinung von 1830 in Paris erinnert.

Fast schon ein Gegenpol zu all den lieblichen Mariendarstellungen ist die "Madonna im Stacheldraht". Sie regt zum Nachdenken an. Warum ist die Gottesmutter so von rostigem Stacheldraht umgeben? Denn trotz dieser offenkundigen Bedrängnis strahlt sie Ruhe aus. Die Gottesmutter, die mit Ruhe und Gewissheit die Menschen durch alle Gefahren liebevoll begleitet und die selbst viel Schmerzhaftes erfahren musste. So könnten die Dornen des Drahtes symbolisch für all das stehen, was Menschen Tag für Tag von allen Seiten ertragen müssen, Krieg, Gewalt, Hass, Streit, Misstrauen, Aggression, Ablehnung, Isolation, Krankheit, Depression – und mittendrin die Gottesmutter, die versteht, die begleitet und die Zuversicht vermittelt: "Alles wird gut. Hab Vertrauen."

Organisiert wurde die Ausstellung durch Ilka Seichter vom Diözesanbüro Bad Neustadt im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kirche trifft Kunst" und dem Kreiskulturreferent Hanns Friedrich, der solch eine Ausstellung vor zwei Jahren in Bad Königshofen initiiert hatte. Die Ausstellung ist bis 2. Juli täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Schon am ersten Ausstellungswochenende kamen viele Besucher, die einen Besuch am Kreuzberg im Marienmonat Mai mit dem Besuch der Ausstellung verknüpften. (Marion Eckert) +++


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