In unmittelbarer Nähe zur A66 und B27 (links) bei Eichenzell will Weider Erdarbeiten die umstrittene Schredderanlage betreiben. - Fotos: Hendrik Urbin / Julius Böhm

EICHENZELL"Sportliche Aktion" im Schredder-Streit

Hilferuf der SPD-Fraktion: Politiker Michael Franz extra zur Sitzung eingeflogen

13.05.17 - Wir sind nicht in Berlin, im Deutschen Bundestag. Es geht nicht um politische Weichenstellungen über die Zukunft der Bundesrepublik in schwierigen Zeiten. Nein, wir sind in der beschaulichen Gemeinde Eichenzell im Kreis Fulda. Konkreter: in der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung. Die Dimension der großen Hauptstadt-Politik hat längst die Provinz erreicht, wenn ein ehrenamtlicher Politiker extra für eine Abstimmung aus München eingeflogen wird.

Zum Hintergrund: Die Kommunalpolitiker von CDU, SPD, BLE und CWE liegen seit Monaten im Clinch. In kontroversen, teils unsachlichen und unter der Gürtellinie geführten Diskussionen wird über die Umsiedlung des Erdbauunternehmens Weider samt umstrittener Schredder-Anlage vom Industriepark Rhön in das neue Industriegebiet "Im Oberfeld" (zwischen Kerzell, Löschenrod und Eichenzell) heftig gestritten.

So sieht der Schredder aus.

SPD-Gemeindevertreter Michael Franz ist extra ...

Alle Hebel werden aus vereinzelten Lagern in Bewegung gesetzt, um den Umzug in Nähe der Autobahn 66 zu verhindern. Die Argumentation: Lärm, Staub und Umweltgefahren für die Anwohner. "Alles nicht belegt, denn Gutachter bestätigen uns die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte", sagt Bürgermeister Dieter Kolb (parteilos) und wirbt für "sachliche und faire Diskussionen".

Dass die Abstimmung am Donnerstagabend über einen Planungsstopp für das Gebiet an der A66 knapp werden würde, davon ist jeder ausgegangen. Aber dass der Antragsteller SPD, so erfuhr O|N am Rande der Sitzung, am späten Nachmittag einen Hilferuf nach München zu Gemeindevertreter Michael Franz schickte, ist schon bemerkenswert. Der Physiotherapeut ist derzeit beruflich in der bayerischen Landeshauptstadt und bestätigte auf Nachfrage unserer Redaktion: "Ja, ich habe gegen 17 Uhr einen Anruf bekommen, dass ich unbedingt zur Sitzung kommen soll. Die Flugtickets waren schnell gebucht. Um 17:30 Uhr ist dann nach kurzer Diskuission in der Fraktion die endgültige Entscheidung gefallen - und los gings."

Also, ab ins Taxi zum Flughafen München (Boarding um 18:35 Uhr), von dort mit Lufthansa nach Frankfurt am Main und dann per Shuttle nach Eichenzell. "Das war schon sehr sportlich, vor allem die gut einstündige Taxi-Fahrt quer durch München." Es war ein Plan, der allerdings nicht ganz aufging, denn als Franz in der Main-Metropole gelandet war, hatten die Gemeindevertreter schon abgestimmt. "Ich habe mich direkt rumgedreht und bin wieder zurück zu meinem Seminar, allerdings mit dem Zug", berichtet Franz, der seine Pflicht als Gemeindevertreter erfüllt hat. Was dieser spontane Ausflug die Eichenzeller Sozialdemokraten gekostet hat, darüber hat O|N keine Informationen. Fakt ist aber: der Streit um die Standortverlagerung von Weider Erdarbeiten geht weiter. (Christian P. Stadtfeld) +++




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