Ein ganz unbekanntes Stück Kultur brachte der Tanzende Derwisch mit auf das Fest. - Fotos: Traudi Schlitt

ALSFELDFreundschaft und Wertschätzung

Tolles internationales Freundschaftsfest von „Demokratie leben“

14.05.17 - Die Sonne strahlte, die Menschen kamen in Scharen, die Stimmung war ausnehmend gut – kurz: Das Internationale Freundschaftsfest des Vogelsbergkreis im Alsfelder Klostergarten war ein großer Erfolg, über den sich natürlich besonders die Mitwirkenden der Projektgruppen des Bundesprojektes „Demokratie leben“ der Stadt Alsfeld und des Vogelsbergkreises freuten. Gestartet war es am Samstagnachmittag mit viel Rhythmus und jeder Menge Freude: Die Trommelgruppe „Bambeto“ eröffnete die Veranstaltung. Sie vereint Kinder und Jugendliche jeden Alters und richtet sich auch an Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund. So bestach bereits dieses Ensemble durch seine bunte Mischung. Mit ihrer Musik und richtig guten Tanzeinlagen sorgten die Jugendlichen für Begeisterung unter den schon von Anfang an sehr zahlreich anwesenden Gästen und Vertretern der Politik. Den Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak und Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule konnte Moderator Norbert Kelbassa zu einem Grußwort im Klostergarten begrüßen. 

Landestypische Spezialitäten als Grund, über ...

„Mehr fühlen und weniger reden“ ...

Aufgeschlossen und zahlreich zeigte sich ...


„Freundschaft ist eine innere Haltung“, so Dr. Mischak, der dazu aufrief, verschiedene Kulturen als Bereicherung und nicht als Belastung zu sehen. „Es geht darum Brücken zu bauen. Dafür müssen wir nicht nur übereinander und miteinander reden, sondern auch gemeinsam feiern.“ Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule zeigte sich sehr erfreut, dass die Ausweitung des Demokratiefestes, beispielsweise durch die Beteiligung der Türkisch-Islamischen Gemeinde, ein breiteres Angebot biete als frühere Feste und mehr Menschen anspreche. „Wer in Alsfeld lebt, ist Alsfelder und Vogelsberger“, stellte der Rathauschef mit Blick auf die vielen Gäste mit Migrationshintergrund fest, die sich ganz selbstverständlich unter die viele Gruppen Einheimischer und Gäste aus dem weiteren Landkreis mischten.

Für richtig gute Stimmung sorgten ...

Zu sehen, zu sprechen und zu genießen gab es reichlich Internationales in diesen drei Stunden im Klostergarten. Die Türkisch-Islamische Gemeinde hatte ein sagenhaftes Büffet mitgebracht, ebenso die Kuchenbäckerinnen des Internationalen Frauencafés. Landestypische Spezialitäten gab es auch am Stand der Volkshochschule des Kreises. Die Dozentinnen und Dozenten stellten ihre Herkunftsländer kulinarisch vor und bereicherten das Fest um eine wachsende Landkarte mit Informationen darüber. Während die Mitarbeiterinnen des Kreises mit dem KAFF-Mobil für viel Spaß bei den Kindern sorgten, bot das weitere Programm auch zwei Moscheeführungen an. So konnten die Gäste auch diesen Teil Alsfelds entdecken – eingestimmt hatte sie da vielleicht schon der Auftritt des Tanzenden Derwisch, für den kurzfristig die Volkmarstraße gesperrt wurde. Ganz in ein weißes Gewand verhüllt, versank der Derwisch durch seine langsamen, einer bestimmten Symbolik folgenden Drehungen in eine Art Trance, eine Abkehr von der Welt hin zu einer Annäherung an Allah. Ein Ritus, der vielen Gästen fremd war und in einzelnen Gesprächen nach den beiden Darbietungen erläutert wurde. Die Musik, die zwischendurch immer wieder zum Tanzen einlud, spielte die Band „Melodie“ in dem offenen Zelt im Klostergarten. Dort fand in der letzten Stunde des Festes auch der Aufritt von Ali Can, dem „Asylbewerber des Vertrauens“ dar.

Dr. Jens Mischak, Erster Kreisbeigeordneter, ...

Norbert Kelbassa navigierte die Gäste ...

Über ihre Herkunftsländer sprachen die ...

Selbst vor mehr als zwei Jahrzehnten mit seinen Eltern als Flüchtling nach Deutschland gekommen, wurde der Student gerade seit 2015 immer wieder angesprochen und nach seiner Einschätzung zu den wachsenden Flüchtlingszahlen und den Möglichkeiten der Integration befragt. Selbst nahm er – besonders durch die großen Pegida-Bewegungen im Osten Deutschlands – wachsende Fremdenfeindlichkeit und Rassismus wahr. Seine so unterhaltsame wie beeindruckenden Präsentation stellte er unter das Motto „Manchmal reden wir zu viel und fühlen zu wenig.“ Mit dieser Idee machte er sich schließlich auf in den Osten, mischte sich mit einem Schokoladenosterhasen unter die rechten Pegida-Anhänger und suchte und fand den „kleinsten gemeinsamen Nenner“. Ali Can beschloss die Ängste und Bedenken der Menschen ernst zu nehmen, die sich gegen die Aufnahme von zu vielen Geflüchteten stellten und gründete die „Hotline für besorgte Bürger“. Hier kann jeder Mann und jede Frau anrufen und mit ihm über diese Ängste sprechen, ohne gleich als Rassist abgestempelt zu werden, denn, so die Philosophie dahinter: „Rassismus sollte man bekämpfen, Rassisten dagegen nicht.“ Mit ihnen, ganz gleich ob man ihnen in der Familie, im Bekanntenkreis oder wo auch immer begegne, solle man den Dialog suchen, das Gespräch, den kleinsten gemeinsamen Nenner, um eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern und damit den Extremen in die Hände zu spielen.

Viel zu tun hatten die ...

Viel Spaß hatte Bürgermeister Stephan ...

Es durfte getanzt werden!

Leichter gesagt als getan – das weiß auch Ali Can, der seinen „Migrationsvordergrund“, also sein südländisch-arabisches Aussehen mit auf die Pediga-Demonstrationen nahm und es selbst dort schaffte, Distanz abzubauen. Für das Gespräch mit besorgten oder rechtstendierenden Bürgern präsentierte er einen Fünf-Punkte-Plan: Nur zuhören – Wertschätzung zeigen - Schülerrolle einnehmen und Fragen stellten - eigene Anekdoten beifügen - connecten mit dem gemeinsamen Nenner. Offenbar gelingt Can das sehr gut – auch in Alsfeld wurde er daher nicht müde, die Bedeutung von Wertschätzung und Dialog zu betonen. „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns." Mit diesem Zitat des persischen Mystikers Dschalâl-ed-dîn Rumî war Ali Can in seinen Vortrag gestartet. Am Samstagnachmittag mochte der Alsfelder Klostergarten ein solcher Ort gewesen sein. Und ansonsten gilt es diese Orte zu suchen. Immer wieder und unermüdlich. Neben dem Genuss eines wunderbaren Nachmittages war dies vielleicht die wichtigste Botschaft des Internationalen Freundschaftsfestes.+++


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