Schließt spätestens zum 31. Dezember 2017 seine Pforten: der Hort für Schulkinder im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. - Fotos: Stefanie Harth

BAD HERSFELDMütter fühlen sich im Stich gelassen

Hort für Schulkinder in Hohe Luft soll geschlossen werden

18.05.17 - Die Eltern der 22 Kinder, die derzeit den Hort für Schulkinder im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft besuchen, sind verunsichert, verärgert und enttäuscht. Der Grund: Die Einrichtung, deren Träger die Evangelische Auferstehungsgemeinde ist, wird spätestens zum 31. Dezember dieses Jahres seine Pforten schließen.

Die Tage, an denen die Stätte ein sogenannter integrativer Hort war, der zusätzlich mit acht Erziehungshilfeplätzen aufwartete, sind bereits gezählt. Wie Kreissprecher Dirk Herrmann gegenüber OSTHESSEN|NEWS bestätigt, kündigte der Landkreis Hersfeld-Rotenburg zum 31. Dezember 2016 mit einer Übergangsfrist von drei Monaten den Vertrag. Seit dem 1. April werden Kinder mit besonderem erzieherischen Bedarf in der neugeschaffenen Tagesgruppe in der Nachtigallenstraße betreut.

Dabei handelt es sich um ein teilstationäres Angebot der Jugendhilfe; Träger ist der Zweckverband für Diakonie in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg. Es sei eine intensivere pädagogische Betreuung vonnöten gewesen, erläutert Dirk Herrmann. „Das konnte die Einrichtung in der Hohen Luft nicht mehr leisten.“ Ein Teil des hiesigen Fachpersonals sei mit in die neue Tagesgruppe gewechselt.

Seit einem guten Jahr verfolgen die besorgten Eltern die Entwicklung rund um den Hort für Schulkinder mit Argusaugen. Silvia Selimi, Melanie Haude, Nicole Hamberger-Wolf, Doreen Kneeland und Mila Rösch hegten bereits zu dieser Zeit die Befürchtung, dass sich auch die Evangelische Auferstehungsgemeinde als Träger zurückziehen könnte – „quasi das Aus für die Einrichtung“. Der Unmut der Mütter richtet sich gegen Carsten Röhr, Pfarrer der Auferstehungsgemeinde. „Er hätte uns regelmäßig über den aktuellen Stand in Kenntnis setzen müssen“, sagt Silvia Selimi. „Stattdessen hat er uns – wenn überhaupt – nur häppchenweise informiert und uns quasi auflaufen lassen.“

Melanie Haude ergänzt: „Dass der Schulkinder-Hort (Anm. d. Red.: das Areal befindet sich in städtischem Besitz) spätestens Ende dieses Jahres definitiv schließen wird, haben wir im März in einem Gespräch mit Bürgermeister Thomas Fehling und einem städtischen Verwaltungsmitarbeiter erfahren.“ Die Stadt wolle das Gebäude in Kindergarten und Krippe umfunktionieren, um mehr Plätze zu schaffen und damit den Rechtsanspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung zu erfüllen.

„Spätestens da war uns klar, dass auch die Kirche der Einrichtung den Rücken kehrt – und die hüllt sich in Schweigen“, moniert Doreen Kneeland. Das sieht Pfarrer Carsten Röhr anders: „Alle Informationen, die ich hatte, habe ich an die Eltern weitergegeben“, beteuert er. „Wir waren nicht die handelnden Akteure dieses Prozesses.“ Die Kirchengemeinde hätte sich sehr für das Fortbestehen des Hortes eingesetzt. Immerhin liefere die Stätte seit knapp 20 Jahren eine überaus gute Arbeit ab.

Dass eine Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte nun nicht mehr möglich sei, liege nicht in den Händen der Kirchengemeinde. „Durch den Rückzug des Landkreises sind Mehrkosten entstanden, die wir nicht stemmen können“, erklärt Pfarrer Röhr, um zu betonen, dass die Entscheidungshoheit über den Hort die Stadt als Auftragsgeber innehätte.

„Eine Schließung bedeutet für uns alleinerziehende und berufstätige Mütter eine Katastrophe“, meint Silvia Selimi. „Die Betreuung unserer Kinder, die nach der Schule bis 17.30 Uhr und in den Ferien von 8 bis 17.30 Uhr gewährleistet wird, ist einfach spitze.“ Ein solch umfassendes Angebot sei einzigartig. Und: „Unsere Kinder gehen so gerne dorthin. Das ist wie eine kleine Familie.“

Nachgehakt bei Horst Gerlich, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Generationen der Stadt Bad Hersfeld: „Wir lassen die Eltern nicht im Regen stehen“, unterstreicht er. „Derzeit werden Lösungsmöglichkeiten erarbeitet, die bis vor den Sommerferien spruchreif sind und den Eltern angeboten werden. Wir setzen alles daran, um zu helfen.“

Die Bedenken der Eltern? „Uns würde es in der Seele wehtun, wenn die jetzt bestehenden beiden Gruppen auseinandergerissen werden“, sagt Nicole Hamberger-Wolf. „Zum Teil sind sie es ja schon, da die Erziehungshilfekinder in eine neue Einrichtung umgezogen und jetzt nur noch unter sich sind“, fügt Mila Rösch, Mutter eines autistischen Kindes, hinzu. „Von gelebter Integration und Interaktion ist keine Rede mehr.“ Zudem wünschen sich Silvia Selimi, Melanie Haude, Nicole Hamberger-Wolf, Doreen Kneeland und Mila Rösch, dass das allumfassende Betreuungsangebot – insbesondere in der Ferienzeit – erhalten bleibt. „Welcher Arbeitnehmer verfügt schon über zwölf Wochen Urlaub im Jahr?!“, merkt eine sichtlich frustrierte Silvia Selimi an. (Stefanie Harth) +++




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