Studenten der Universität Princeton zu Besuch an der Hochschule Fulda. - Foto: privat

FULDAUnterwegs in Sachen Flüchtlingsfragen

Studenten der Universität Princeton zu Besuch an der Hochschule Fulda

15.07.17 - Zwei Tage lang waren Studenten der Princeton Universität zu Besuch in Fulda. Die an der Ostküste der USA gelegene Princeton Universität gilt als Kaderschmiede der nordamerikanischen Elite. Im Rahmen ihres sechswöchigen Praktikums in Hessen informierten sich die vier Studenten an der Hochschule, bei Stadt und Landkreis sowie bei den Kirchen in der Region über die Flüchtlingspolitik Deutschlands. Im Zentrum ihres Interesses stand die Frage: Wie hat Deutschland es geschafft, mit der hohen Zahl an Flüchtlingen in den Jahren 2015/16 umzugehen?

Beim Nachspüren dieser leitenden Frage stießen die Studenten immer wieder auf das Ehrenamt. Die Studenten, die in Princeton Geschichte, Mathematik, Politikwissenschaften oder vergleichende Literaturwissenschaften studieren, konnten sich an der Hochschule Fulda bei der Dekanin des Fachbereichs Sozialwesen, Prof. Dr. Martina Ritter, über Projekte mit Flüchtlingen in der Sozialen Arbeit informieren.  So zum Beispiel Perspektiva und Welcome In, um nur die beiden bekanntesten zu nennen. In diesen Projekten treffen Studierende der Sozialen Arbeit, die hier ihr Praktikum ableisten, sowie Ehrenamtliche und Flüchtlinge aufeinander und lernen voneinander. Sie erhielten aber auch Einblick in das hochaktuelle Forschungsprojekt zur Flüchtlingsfrage im sozialen Raum „Zusammenleben und Integrieren“, einem Teilprojekt des Forschungsantrages, finanziell unterstützt durch die Förderinitiative „Innovative Hochschule“.

Auch Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar begrüßte die jungen Gäste an seiner Hochschule. Er freue sich über ihr Interesse an der Flüchtlingsfrage und dass sie den weiten Weg hierher gefunden hätten, um sich persönlich ein Bild von der Situation zu machen. Mit Hinweis auf die Vielzahl an Hochschulkontakten zu internationalen Partnereinrichtungen, forderte er die Studierenden auf, die Möglichkeiten zu Kontakt mit anderen Ländern und Kulturen zu nutzen. Die persönliche Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen trage immer auch zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei und könne damit auch ein wichtiger Beitrag zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander werden, so Khakzar.

Fuldas Bürgermeister Dag Wehner und der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt, stellten die Eckpunkte der Flüchtlingsversorgung und -integration in der Region Fulda vor. Während Schmitt betonte, dass der „Schlüssel für die Bewältigung der hohen Zuwanderung vor allem die starke dezentrale Organisation und die Bedeutung des Ehrenamtes in Deutschland waren“, hob Wehner hervor, dass auch der demografische Wandel und der damit verbundene Mangel an Fachkräften maßgeblich für die überwiegend positive Aufnahme der Flüchtlinge gewesen wäre und immernoch sei: „Fulda hat die niedrigste Arbeitslosenquote in Hessen. Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass es mittlerweile allein rund 1.000 unbesetzte Ausbildungsplätze in der Region gibt.“

Ein plastisches Bild von gelebter Flüchtlingshilfe konnten sich die Princeton-Studenten dann am Abend des ersten Besuchstages bei der Initiative „Welcome In“ in deren „Wohnzimmer“ gleich gegenüber dem Kreisjobcenter machen. Das Projekt, das ausschließlich von ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und Studierenden der Hochschule Fulda gründet wurde, erhielt wegen seines herausragenden Konzeptes der Begegnung von Bürgern und Flüchtlingen den Integrationspreis der Stadt Fulda. Zusätzlich wurde es jüngst als eines der 25 besten sozialen Projekte eines bundesweiten Wettbewerbs mit einem Preis von Kanzlerin Merkel ausgezeichnet. Jochen Schiersch, der geistige Vater des „Wohnzimmer-Konzepts“, forderte abschließend die amerikanischen Studenten auf, Wimpel mit dem Wohnzimmer-Logo mit nach Princeton zu nehmen, um so auch dort für die Verbreitung der Idee zu sorgen.

Zum Auftakt des zweiten Tages beschäftigten sich die Studenten mit dem Thema „Kirchen als gesellschaftliche Akteure – auch in der Flüchtlingsarbeit“. Hier durften sie gleichzeitig ein Stück gelebter Ökumene erfahren: Pfarrer Lars Peter Rilke, Leiter der Diakonie in Fulda, hatte einen Gesprächskreis zusammengerufen, der die wichtigsten Perspektiven in der Flüchtlingsarbeit der Kirchen wiedergab. Vertreterinnen von Caritas, Diakonie, Kreuzkirchengemeinde, ehrenamtliche Helferinnen und ein Flüchtling hatten sich eingefunden, um den Gästen von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen zu berichten. Und wieder wurde das ehrenamtliche Engagement als eine der wichtigsten Säulen der Flüchtlingsarbeit deutlich. Auch das schwierige Kapitel Kirchenasyl wurde thematisiert. Dabei wurde deutlich, vor welche Herausforderung Kirche und Gemeinde hierbei gestellt werden.

Den abschließenden Punkt des intensiven Besuchsprogramms bildete ein Besuch der Gedenkstätte Point Alpha. Auch hier trafen die Studenten aus den USA wieder auf Geschichten von – diesmal innerdeutscher - Flucht über die Grenze zwischen den beiden damaligen Machtblöcken während des Kalten Krieges. Zugleich machte dieser besondere Ort auch ein gemeinsames Kapitel amerikanischer und deutscher Geschichte für die Gäste erlebbar.

Von der hohen Motivation der Princeton-Studenten für die Beschäftigung mit der Flüchtlingsfrage zeugte auch, dass sie die Möglichkeiten der persönlichen Begegnung mit Flüchtlingen, die das Rahmenprogramm bot, rege nutzten. Darüber hinaus waren sie auch sichtlich angetan von der Stadt und der Hochschule Fulda. „ Diese zwei Tage werden wir sicher nicht so schnell vergessen. Über die vielfältigen Begegnungen mit den Menschen, die in der Bewältigung dieser großen Aufgabe ganz vorn stehen, werden wir auch viel Interessantes an unserer Universität berichten können.“ Vielleicht haben im nächsten Jahr wieder ein paar Princeton-Studenten die Gelegenheit, sich im Rahmen des Hessen-Princeton-Praktikumsprogramms von den Qualitäten der Stadt und der Hochschule Fulda zu überzeugen. +++

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