Das 100. Orgelkonzert in der Bibliothek der russisch-orthodoxen Kirche spielte Pfarrer Fjodor Hölldolber vor vollem Haus - Marion Eckert

RHÖNOrgelkonzert begeistert Zuhörer

Pfarrer Fjdor Hölldobler gibt hundertstes Jubiläumskonzert

08.08.17 - Pfarrer Fjodor Hölldobler hat bereits sein hundertstes Orgelkonzert in der kleinen und sehr gemütlichen Bibliothek der russisch-orthodoxen Kirche gegeben. Zum Jubiläumskonzert kamen so viele Besucher wie noch nie. Hölldobler freute sich sehr über die vielen Stammgäste aus Bischofsheim und Umgebung und auch die neuen Zuhörer.

„Hundert scheint eine magische Zahl zu sein. Wir machen etwas gemütliches daraus, ein Familienfest“, sagte er und begrüßte vor allem seine Schwester und seinen Bruder mit Familie. Das Besondere an einem Orgelkonzert mit Pfarrer Hölldobler ist nicht nur sein begnadetes Können sondern auch die wunderbaren lebendigen Erklärungen zu den Komponisten, ihrer Zeit und ihren Werken. Es begeistert sein Publikum immer wieder aufs Neue, mit welcher Hingabe und Herzblut „Väterchen Fjodor“ es schafft die Orgelkonzerte lehrreich und genussvoll zu gestalten. Sein immenses Hintergrundwissen über die Komponisten, der vergangenen Jahrhunderte und seine Freude daran lang verschollene Orgelmanuskripte auszugraben und den Zuhörern zugänglich zu machen, ist seine besondere Gabe.

Den Auftakt des Jubiläumskonzertes machte er mit der Prelude zum Te Deum von Marc-Antoine Charpentier (1634-1704). Der Komponist war Organist und Chorleister beim berühmten Sonnenkönig, Ludwig XIV in Versailles, zwar habe er keine feste Anstellung, wohl aber Aufträge bekommen. Bekannt wurde seine Melodie aus dem Te Deum allerdings erst 1953, als Eurovisionmelodie, anlässlich der Krönung von Englands Königin Elisabeth II. „Die Melodie schlug ein wie eine Bombe. Es ist ein mitreißendes Vorspiel, mit zwei schönen Seitensätzen, die auflockern und entspannen“, erklärte Hölldobler und so begann sein 100. Orgelkonzert mit der Eurovisionsmelodie und netten Zugaben wie Glockenspiel und Kuckuck.

Weiter ging es mit Johann Sebastian Bach (1685-1750) und dem Stück „Dorische Toccata“. Laut Hölldobler ist es das „feierlichste Stück“ das es von Bach überhaupt gibt mit „wunderbaren Girlanden“ und „Echostellen“, die den besonderen Charme ausmachen.

Als ein wenig „kitschig“ bezeichnet er das „Largo“ aus dem „Xerxes“ von Georg-Friedrich Händel (1685-1759), das schon bei unzähligen Hochzeiten und Beerdigungen mit unterschiedlichen Texten unterlegt worden sei. „Die Melodie ist wunderschön, das Stück kennt jeder“. Die dahinter stehende Geschichte finde sich im Alten Testament im Buch Esther.

Das Konzert beendete Hölldobler mit einem „Glanzstück“ der „Hommage an Charles Widor“ von Maurice Wergel (1944-84). Er habe es schon oft in Konzerten gespielt, unter anderen auf der Abteiorgel in Münsterschwarzach. Es sei ein packendes Stück, typisch französisch mit zwei großen Themen im spätromanischen französischen Kathedralstil mit Hochbarocker Fuge. Auch im Straßburger Münster habe er diese Stück schon gespielt. „Keine Domorgel ist sicher vor mir“, schmunzelte Hölldobler.

Herzliche Glückwünsche „dem Meister auf ...Marion Eckert


„Christus siegt, Christus regiert und Christus herrscht“, ist das Herzstück dieser Hommage. Was nach einem Orgelkonzert nie fehlen darf, ist der „Nachklang“, der im Gemeindesaal bei Wein, Gesang und guten Essen stattfand. Dr. Wolfgang Schneider, treuer Zuhörer und Mundschenk seit dem ersten Orgelkonzert dankte im Namen der Orgelkonzertgemeinde mit einem Gedicht dem „Meister auf der Orgelbank, der mit Musik, auch mit Gesang, mit Händen und wohl auch mit Füßen uns diesen Abend tat versüßen.“Und weiter heißt es in dem Gedicht: „Und wenn auch der Kuckuck dann noch singt, dann öffnen sich nicht nur die Herzen.“ Altbürgermeister Armin Lommel, ebenfalls ein Stammgast bei Hölldoblers Orgelkonzerten überreichte ihm ein Geschenk der Orgelzuhörergemeinde, das für ihn persönlich bestimmt sei und „das er nicht in die Kirche stecken kann“.

Ein treuer Besucher der Orgelkonzerte ist Edgar Röder aus Wüstensachsen, der eine Laudatio auf Hölldoblers Wirken hielt. Er bezeichnete Pfarrer Hölldobler als „lebendes Lexikon“. „Es ist immer wieder schön zu hören und auch zu sehen, mit welchem Wissen, gepaart mit einem kleinen Schlack im Nacken, er eigentlich schwer verdauliches, musikalisches Kulturgut interessant zu erzählen versteht.“

Am 4. Mai 2009 fand das erste Orgelkonzert statt, am 3. Juni 2013 war es das fünfzigste Mal. Röder warf einen Blick in die Zukunft: Am 4. Oktober 2021 werde es das hundertfünfzigste Mal, am 1. Dezember 2025 das zweihundertste und wenn Gott wolle am 4. Februar 2030 das zweihundertfünfzigste Orgelkonzert sein. Dann werde Väterchen Fjodor 85 Jahre alt sein. „Gott gebe Dir die Kraft dazu.“ Die Bibliothekskonzerte finden an jedem ersten Montag im Monat um 19:00 Uhr statt. Jeder interessierte ist in dem Kreis herzlich willkommen. (Marion Eckert) +++


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