Kabarettist Florian Schroeder - Fotos: Andrea Euler

SCHLÜCHTERNAusverkauftes KUKI-Zelt

Politisch unkorrektes Kabarettprogramm von Florian Schroeder begeisterte

08.09.17 - Richtig böse? Ja, das kann Florian Schroeder sein. Das hatte er angekündigt bei seiner Werbung für das neue Programm. Und er stellte das unter Beweis: Mit „Ausnahmezustand“ begeisterte er die Gäste im ausverkauften KUKI-Zelt am vergangenen Samstag Abend. Es war die Vorpremiere der neuen Show, und somit durften sich die Besucher als Regisseure fühlen: Mehr als drei Stunden brachte der Kabarettist und Parodist seine aktuelle Bewertung von Politik, Sozialstaat und Gesellschaft auf die Bühne, brachte die Gäste zum Lachen – und dazu, dass ihnen dann und wann auch das Lachen im Halse stecken blieb. „Ihr werdet Gags hören, die werden nie wieder andere hören“, kündigte der Kabarettist an, dessen verbales Feuerwerk von einer multimedialen Show mit pointierten Einspielungen illustriert wurde. Ganz ohne Parodie ging auch das aktuelle Programm nicht über die Bühne: Markus Lanz, Günther Jauch, Joachim Löw und Marcel Reich-Ranicki – da waren kaum die Worte notwendig, allein Ton und Gestik machten in Sekunden klar, wer da gerade persifliert wurde. Zur erkennbaren Begeisterung der Gäste übrigens, von denen viele schon vor zwei Jahren dem Auftritt von Schroeder in Schlüchtern gefolgt waren.

Für den Kabarettisten war die Begeisterung keine Überraschung: „Kabarett ist Leidenschaft. Das Schöne am Kabarett ist: Man ist sich so einig, man ist auf der richtigen Seite.“ Getreu dem Motto: „Man ist schlau, links und hat recht“, wie es sich für ein Kabarett-Publikum Schroederscher Prägung gehört, wussten die Anwesenden: „Wir sind die Guten. Wir stehen auf der Seite der Schwachen, der Chancenlosen – der SPD.“ Und dann ging es los, das mal ironische, mal sarkastische, mal hintergründige Sezieren der aktuellen (politischen) Situation im Lande kurz vor der Wahl. Und wer da nicht alles sein Fettweg bekam: Martin Schulz wurde zum „sympathischen Sozialkundelehrer.“ Für Alexander Dobrindt, dessen Profession die des Diplomsoziologe ist, fand Schroeder harsche Worte: „Welch eine Beleidigung für dieses schöne Fach.“ Die Linke gilt ihm als „der Pfahl ims Fleisch der SPD.“ Und Angela Merkel? Die überstrahlt alle als „die Helene Fischer der Politik.“ Das Entziehen der Akkreditierung bei etlichen Journalisten, die über den G20 Gipfel berichten wollten? „Ich glaube, das war ein Zeichen an Erdogan: Lass Deniz Yücel frei. Wenn er nach Deutschland kommt, geht es ihm auch nicht besser als in der Türkei.“ Überhaupt Erdogan: Dass er beim G20 Gipfel nicht zum Konzert in die Elbphilharmonie kam: „Wenn das Konzert beginnt, muss der Türsteher draußen bleiben.“ Aber auch der schwarze Block bekam sein Fett weg: „Autos abfackeln? Wie 1985 ist das denn? Wenn du heute die Leute provozieren willst, musst Du ihnen die Landlust aus dem Briefkasten klauen und die abfackeln...“

Schroeder braucht nicht viel, um klar zu machen, wen er da gerade auf´s Korn nimmt. Eine Handgeste – die berühmte Raute – und zwei in recht hohem Ton in typischer Manier hintereinander gequietschte Töne: Das Publikum ist begeistert. Angela Merkel, nicht einmal namentlich erwähnt, hat Zugang zurs Bühnenshow gefunden. Und auch andere Bundespolitiker bleiben nicht verschont: Da spottet Schroeder über Katrin Göring-Eckhardt als „die Margot Käßmann für Arme.“ Angela Merkel dagegen ist „der Fels des Guten in einer Welt des Bösen.“ Denn: „Der Irrsinn ist männlich.“ Wie an Donald Trump perfekt zu erkennen ist: „Der ist kein Rassist. Der ist noch nicht mal in der Lage, eine rassistische Ideologie zu vertreten. Er ist Unternehmer: Hire and Fire.“ Quintessenz der akribischen Betrachtung: „Wir sind in der Hand eines Vierjährigen, gefangen im Körper eines 70jährigen.“ Mark Zuckerbergs Einschmeichelaktionen in China: „Das ist der Ratzinger des Internet-Zeitalters.“ Und auch der jüngst beschlossene Einsatz von Staatstrojanern durfte nicht unerwähnt bleiben: „Ich wette, Erich Mielke liegt mit einer Prachtlatte im Grab.“ Das Internet per se sei nicht schlecht und auch nicht böse – aber „wenn du offline ein Arschloch bist, dann bist du´s auch online.“
Der Weg zum Bioladen: Natürlich im SUV. „Wird schon, mal kucken, kann sein“: Die Relativitätstheorie des Mannes. Das Umsortieren der Spülmaschine durch die Frau: „Die ultimative Degradierung des Mannes“, der heute „Bart tragen muss, aber bitte ohne Haare.“ Die „Doppelspitze“ aus Alice Weidel und Alexander Gauland bei der AfD: „Was ist denn das für ein links-grün-versiffter Kack?“

Dass er mit politischer Korrektheit nichts am Hut hat – für Florian Schroeder völlig klar: „Die will im Sinne der Gleichheit alle Unterschiede abschaffen. Das ist Gesinnungsstalinismus, der uns alle zu unmündigen Opfern macht.“ Bei Schroeder ist das – zur großen Begeisterung der Gäste - nicht gelungen. (pm) +++


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