Die Aids-Hilfe bekam Aufmerksamkeit durch ihr "Dildo-Spiel", bei dem Fragen zu HIV und Drogen geklärt wurden. - Fotos: Erich Gutberlet

FULDAExperten in eigener Sache

9. "Tag der Selbsthilfe" ...für mehr gesellschaftliche Akzeptanz und Aufklärung

10.09.17 - Beim 9. Selbsthilfetag in Fulda hatten insgesamt 32 Selbsthilfegruppen die Möglichkeit, sich mit Passanten auszutauschen und aufzuklären. Christine Kircher, die Leiterin des Selbsthilfebüros Osthessen und die Leiter und Leiterinnen der Selbsthilfegruppen, wollen mit dieser Veranstaltung Vorurteile gegenüber Selbsthilfegruppen abbauen und sie für Menschen mit belastenden Lebensumständen interessant machen. Fünf stunden lang konnte die Informationsveranstaltung auf dem Universitätsplatz besucht werden.

Rechts: Gudrun Neldner - Gründerin ...

 In Selbsthilfegruppen schließen sich Menschen zusammen, die ähnliche Probleme zu bewältigen haben. Unter Gleichgesinnten muss man sich nicht erklären und trifft oftmals auf mehr Verständnis: durch die gesammelte Erfahrung ist man quasi „Experte in eigener Sache.“ Kirchner führt beispielhaft die Gruppe für Menschen mit dem „Restless-Legs-Syndrom“ auf: „Nur wer die Krankheit selber erlebt hat, weiß was es für psychosoziale Auswirkungen haben kann. Außenstehende können versuchen zu verstehen aber sie haben es nie am eigenen Körper erfahren.“

Beim Austausch steht die gegenseitige Motivation und Unterstützung im Vordergrund, die neue Wege aufzeigt, um ein zufriedeneres Leben zu führen. Neben den Selbsthilfegruppen für Betroffene, spielen auch Treffen für Angehörige eine wichtige Rolle. Es können in diesem Rahmen Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden.

links: Sepi Panca Sakti - ...

v.links: Christine Kircher (Leiterin des ...

Die 32 verschiedenen Stände, die die Idee von „Hilfe zur Selbsthilfe“ populärer machen wollten, waren thematisch breit aufgestellt. Von Hilfe bei Alkohol und Drogenproblemen über Krebserkrankungen und HIV bis hin zu familienrechtlichen Angelegenheiten, war vieles dabei:

Gudrun Neldner beispielsweise, ist selber Gründerin einer Selbsthilfegruppe. Als man bei ihr im Alter von 44 Jahren die „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung“ (ADHS) diagnostizierte, fand sie in Fulda und Umgebung keine Unterstützung, da oft angenommen wird, dass nur Kinder unter der ADHS leiden würden. Das sah sie als Anreiz selber ein Angebot zu schaffen. Bei der Veranstaltung möchte sie nun mehr über das Krankheitsbild aufklären.

Neu im Programm ist die Gruppe „Gesundheitshilfe und Zuwanderung“, die im Oktober 2016 ins Leben gerufen wurde. Die Leiterin Septi Panca Sakti studiert an der Hochschule Fulda Gesundheitsförderung im Master. In ihrer Selbsthilfegruppe geht sie auf Traumata, Depressionen und Angst der Betroffenen ein. „Wenn man einen Ast bricht geht das viel leichter als einen Baumstamm,“ sagt Sakti, der Zusammenhalt in der Gruppe wichtig ist. Außerdem merkt sie an, dass gerade durch sprachliche Verständigungsprobleme oft eine Über- oder Unterbehandlung der zugewanderten Patienten erfolgt. An dieser Stelle schlüpft sie auch mal in die Vermittlerrolle.

Neben dem Informationsangebot wurde für eine angenehme Atmosphäre gesorgt. Um mit guter Stimmung den verregneten Tag etwas sonniger werden zu lassen, wurde die Veranstaltung von Anita Burck und der Trommlergruppe der Einrichtung „Carisma“ von der Caritas begleitet. In einer Quiz-Rallye wurde mit Fragen wie: „Welche Körperflüssigkeit überträgt HIV?“ oder „Wo bewahre ich den Organspendeausweis auf?“, das Wissen der Besucher auf die Probe gestellt. Auch an die Kinder wurde gedacht, die in einem bunten Zirkuszelt ihren Spaß haben konnten.

Mit der neunten Veranstaltung zum Thema Selbsthilfe, wurde in Fulda ein Zeichen gesetzt. Es ist Zeit, dass Gruppen dieser Art in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Christine Kircher sieht in diesem Kontext bereits eine positive Entwicklung. Niemand sollte sich dafür schämen müssen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Den Schritt zu wagen, sich Hilfe zu suchen, erfordert Mut und Stärke und ist ein bedeutender Meilenstein im Leben der betroffenen Personen. Wer diesen Schritt gegangen ist, hat Respekt von Seiten der Gesellschaft verdient. (Fenja Sürken) +++


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