FULDAKeine Gegendemo

Gut gelaunt, kämpferisch und volksnah: Vizekanzler Gabriel (SPD) auf Uniplatz

14.09.17 - Den ganzen Tag musste man fürchten, Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriels Besuch in Fulda werde nass und "vom Winde verweht". Doch kaum hatten sich die ersten Gäste auf dem Uniplatz eingefunden, klarte es sichtlich auf. MdL Sabine Waschke und MdB Birgit Kömpel hielten mit dem SPD-Landratskandidaten Simon Schüler das Publikum bei Laune, denn Gabriel verspätete sich um knapp 20 Minuten. Er kam direkt von einem weiteren Wahlkampf-Termin aus Kassel.

Alle Fotos: Martin Engel

Von links: Simon Schüler, Sabine ...


Begrüßt wurde er von den rund tausend Besuchern mit einem "Happy Birthday"-Ständchen, denn gestern hatte der Genosse Geburtstag. Damit er seinen anstrengenden Job und den nicht minder harten Wahlkampf gut übersteht, hatte Birgit Kömpel ihm einen knallroten Bauhelm mitgebracht. Zunächst etwas verlegen, dann zunehmend präsenter managte der versierte Redner seinen Wahlkampfauftritt.


Seine Diktion war eher ein vertraulicher Plauderton als ministrable Attitüde. Wirklich schwierig sei nicht sein Amt als Außenminister und Vizekanzler, vertraute sich der 58-Jährige der Menge an. "Ich bin Mitglied bei Werder Bremen, und meine Frau ist Bayern-Fan - und sie schreckt auch nicht davor zurück, unsere Jüngsten einen Schnuller mit Bayern-Logo zu geben". Über einige Umwege kam das SPD-Zugpferd auf das Thema zu sprechen, das ihn nach eigener Aussage am meisten umtreibt. Das sei die Frage, ob unsere Kinder in Zukunft weiter genauso friedlich leben könnten, wie das seine Generation bis heute könne. In bester Entertainermanier fragte er eine junge Mutter im Publikum nach dem Namen ihres kleinen Sohnes auf dem Schoß. "Lasse, ich brauche dich jetzt für meine Rede. Aber ich spendier' dir dafür hinterher auch ein Eis", spannte er den unfreiwilligen Protagonisten für seine Zwecke ein.


"Unsere Großeltern und Eltern haben alle noch mindestens einen Krieg erlebt", wurde Gabriel ernst. Es gebe keine Garantie dafür, dass das unserer und Lasses Generation erspart bleibe. "Überall auf der Welt geht es derzeit um Aufrüstung, ob in den USA, Russland, China oder Indien, niemand spricht mehr über Abrüstung", mahnte der Außenminister und erinnerte an das Schlagwort vom Fulda-Gap und die damals greifbare Gefahr des Dritten Weltkriegs. Was dann durch langwierige Verhandlungen und Annäherung erreicht wurde, läge fast schon wieder in Trümmern, die nächste Rüstungsspirale drehe sich wieder. "Es ist gerade Deutschlands Aufgabe, für Abrüstung zu sorgen und wie jetzt in der Ost-Ukraine wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Wir brauchen die Russen." Denn wenn das Beispiel Nordkoreas Schule mache, werde Lasse in ganz gefährlichen Zeiten aufwachsen.

Andreas Goerke (Mitte)


"Dass Frau Merkel der von Trump geforderten Aufstockung des Rüstungsetats auf 70 Milliarden pro Jahr zugestimmt hat, entsetzt mich. Ich weiß auch nicht, warum sie das tut, es ist ein verhängnisvoller Weg", betonte Gabriel. Noch mehr Militär bringe nicht mehr Frieden und Sicherheit. In Europa werde für nationale Militärs zuviel doppelt ausgegeben, dabei sei einfach mehr Effizienz gefragt.


Aufgestockt werden müssten die Ausgaben für Entwicklungshilfe im Kampf gegen Hunger und Armut, um langfristig zu verhindern, dass sich weitere Menschen zur Flucht getrieben sähen - frei nach dem Motto der Bremer Stadtmusikanten 'Etwas Besseres als den Tod werden wir überall finden'. "Wir sollten unsere Bildungsausgaben verdoppeln", forderte Gabriel unter Beifall. Der Sanierungsstau an deutschen Schulen in einem der reichsten Länder der Erde sei eine Schande. "Warum kommen denn die Aktienkurse immer vor den Nachrichten der Tagesschau, sind die denn so wichtig? Besser wäre es, da die Zahlen der Schulabbrecher zu zeigen, die sind immer noch viel zu hoch", brachte es der 58-Jährige auf den Punkt.


Während sich der Himmel über Fulda zusehends verdunkelte, handelte Gabriel routiniert und eloquent die Themen Innere Sicherheit, Mindestlohn, Frauenquote und Mindestrente ab. Schließlich noch ein paar Sätze zum Wahlkämpfer Martin Schulz, der sich als einziger traue, die Flüchtlingfrage im Wahlkampf zu thematisieren. "Da haben wir doch alle zwei Seelen in der Brust: Wir wollen denen doch helfen, das ist doch klar, und wir machen uns natürlich auch Sorgen, ob wir das wirklich schaffen", brachte er seine Position auf den Punkt. Und zum Schluss folgte der Appell: "Bitte verhindern Sie mit uns, dass zum ersten Mal echte Nazis in den Deutschen Bundestag einziehen." Dass dabei die ersten dicken Tropfen fielen, fand der Sozialdemokrat symptomatisch.

O|N-Redaktionsleiter Hans-Hubertus Braune (rechts) im ...


Und weil es so wichtig ist, das zu halten, was man versprochen hat, stieg er vom Podium und strebte durch den Pulk davor schnurstracks auf den kleinen Lasse zu. Der bekam das versprochene Geld fürs Eis in die Hand gedrückt, dann war Sigmar Gabriel auch schon wieder auf dem Weg. (Carla Ihle-Becker)+++

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