07.07.11 - Lauterbach

Investition in Bildung: Humboldt-Gymnasium für 11 Mio Euro modernisiert

Das Bild des altehrwürdigen Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums hat sich in den vergangenen beiden Jahren sehr gewandelt. Insgesamt werden in etwa drei Jahren rund elf Millionen Euro investiert, um die Schule an einem Standort in der Bahnhofstraße zu konzentrieren. Viele Jahre war das Gymnasium auf zwei Standorte verteilt, was für Schüler und Lehrkräfte eine besondere Belastung bedeutete, der Schwerpunkt lag dabei im eigentlichen Gymnasium in der Bahnhofstraße, ein Teil der Schülerinnen und Schüler wurde in der Schule „An der Wascherde“ unterrichtet (Sekundarstufe 1 Klassen 5 bis 8). In den Pausen waren die Lehrkräfte nur unterwegs, es blieb wenig Zeit für Gespräche, „man war ewig auf der Flucht“, erinnert sich Schulleiterin Gitta Holloch.

Die ehemalige Schulturnhalle ist schon durch einen modernen Neubau ersetzt, der alte Toilettentrakt wurde abgerissen und an dessen Stelle wird ebenfalls neu gebaut. Die Schule ist seit einigen Tagen zwar durch die großen Sommerferien weitestgehend verwaist, doch die Bauarbeiten gehen natürlich auch während der unterrichtsfreien Zeit zügig weiter. Der Um- und Neubau hat Platz für 21 weitere Klassenräume geschaffen, die bereits im vergangenen Jahr bezogen wurden. Zudem soll die Passivhausbauweise für den Neubau den gestiegenen Anforderungen im Umweltschutz Rechnung tragen, die Gebäude werden mit Holzhackschnitzeln beheizt. Von dort aus werden auch die Gebäude des Landratsamtes in der Bahnhofstrasse und im Goldhelg mit versorgt.

Wir sprachen über die umfangreichsten Baumaßnahmen der letzten Jahrzehnte mit Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Gitta Holloch, und Bautechniker Manfred Kuhlmann (Lauterbach), der mit dem Architektenbüro Lachmann (Schlitz) den Neu- und Umbau betreut. Zuständiger Schulträger für das Lauterbacher Gymnasium ist wie für die anderen Schulen im Kreisgebiet der Vogelsbergkreis, das zuständige Schulamt für die Landkreise Vogelsberg und Gießen sitzt in Gießen.

Das Lauterbacher Gymnasium hat in jüngster Zeit auch einige bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht. Dazu zählen Professor Dr. Peter Grünberg, Nobelpreisträger für Physik aus dem Jahr 2007 (Abi-Jahrgang 1959) und der Präsident der Landeskirche in Hessen und Nassau und ehemalige Lauterbacher Dekan Dr. Volker Jung (Abi-Jahrgang 1979). Auch der rheinland-pfälzische Finanzminister Dr. Carsten Kühl (SPD) dürfte einer der ehemaligen Schüler sein, die richtig Karriere gemacht haben. Diese Namensnennung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit weiterer sehr namhafter Persönlichkeiten, die in Lauterbach ihr Abitur abgelegt haben.

Die Zusammenführung des Gymnasiums an einem Standort wurde vom Kreisausschuss des Vogelsbergkreises am 1. März 2007 beschlossen. So weit gehen dann auch die Planungen zurück. Der erste Bauabschnitt für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude umfasste den Abriss der alten Schulturnhalle und den Bau der dringend benötigten 21 Klassenräume mit Cafeteria, Mediothek und EDV-Bereich. Auch gibt es in der Schule jetzt die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler mit warmen Essen versorgt werden können. Vom Goldhelg her entstand ein neuer Haupteingang neben dem bisherigen von der Bahnhofstraße aus. Der zweite jetzt noch kommende Abschnitt umfasst den Bau einer neuen Aula anstelle des alten Toilettentraktes. Die Schule ist durch den Einbau eines Aufzuges und weiterer Infrastruktur auch für behinderte Menschen nutzbar.

Der erste Bauabschnitt des Lauterbacher Gymnasiums schlägt mit Baukosten in Höhe von 6,3 Millionen Euro zu Buche, mit den Folgemassnahmen von 2010 bis 2012 werden es rund elf Millionen Euro sein. Die Mittel kommen u. a. aus dem „Gesetz zur Umsetzung von Zukunftsinvestitionen der Kommunen und Länder“ (Zukunftsinvestitionsgesetz), den Umbau und Neubau finanzieren also Land Hessen und der Bund. Die heimische Wirtschaft hat durch die Umgestaltung auch wesentlich profitiert, denn 90 Prozent der Arbeiten erledigen Vogelsberger Firmen.

Was nach der Beendigung dieser umfangreichen Baumaßnahmen immer noch fehlt (das betrifft auch die anderen Lauterbacher Schulen), sind die bisher unzureichenden Möglichkeiten für den Sportunterricht. Die Möglichkeiten in der Großsporthalle seien sehr begrenzt, berichtet uns die Schulleiterin Holloch und hat dabei schon eine Lösungsidee. Sie schlägt vor, dass der Kreis den leerstehenden ehemaligen Supermarkt in der Lauterstrasse kauft und dort für die Schulen und Vereine eine Drei-Felder-Sporthalle baut. Der Schulträger sei diesem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen, freut sie sich.

Da der bisherige Zeitrahmen gut eingehalten wurde, hofft die Leiterin der A.v.H-Schule, dass die neuen Gebäude im Jahre 2012 alle in Betrieb genommen werden können, spätestens Ende Frühjahr 2012 soll der Bau der neuen Aula beendet sein. Diese Aula, die jetzt noch im Rohbau steht, umfasst 480 qm und soll für 270 Sitzplätze Raum bieten. Hier sollen vor allem die Musikensembles der Schule, deren Instrumente, Theater-AG, das „darstellende Spiel“ der Oberstufe, Leseförderprojekte sowie Vorträge jeglicher Art ein neues Zuhause finden, außerdem könne der Kreis den Raum auch für andere Nutzungen vermieten.

Die Nutzfläche der Alexander-von-Humboldt-Schule wird sich nach dem Umbau mit 7780 qm fast verdoppelt haben. Der Platz wird auch dringend benötigt, da die Schule mit demnächst über 1000 Schülerinnen und Schülern die höchste Zahl ihrer Geschichte überhaupt erreicht haben wird; für sie stehen rund 75 Lehrkräfte zur Verfügung. Die Schule bietet neben dem normalen Unterricht nachmittags bis 15.30 Uhr eine Mittagsbetreuung mit Arbeitsgemeinschaften und Hausaufgabenkontrolle an. Verwaltung und Schulleitung sind nach wie vor in dem ehemaligen Gebäude der Landeszentralbank gegenüber der Hauptstelle der Sparkasse Oberhessen in der Bahnhofstrasse untergebracht. Wert gelegt wurde beim Um- und Neubau auch, dass sowohl die bestehende Bausubstanz als auch Mobiliar aus dem früheren Schulbetrieb mit übernommen und integriert wurden.

Erfreut zeigt sich die Direktorin darüber, dass wegen des attraktiven Angebotes des Gymnasiums viele Schüler von der Gesamtschule und der Realschule in die Oberstufe der A.-v.-H-Schule wechselten Dies dokumentiert ihrer Ansicht nach, dass das Lauterbacher Gymnasium mit seinem Angebot wohl auf dem richtigen Wege ist. Der Einzugsbereich der A.-v.-H-Schule ist weitestgehend mit dem Altkreis Lauterbach ohne Schotten gleichzusetzen und reicht von Ulrichstein bis Schlitz.

Froh ist man auch, dass die Farbkonzepte der alten Schule (Altbau stammt aus dem Jahre 1902, die Verwaltung aus 1910 und die Klassentrakte aus den 50er Jahren) in dem Neu- und Umbau wieder aufgegriffen wurden. Der naturwissenschaftliche Bereich hat durch die Baumaßnahmen eine wesentliche Verbesserung erfahren, auch die Arbeiten in dem vergrößerten und renovierten Lehrerzimmer wurden bereits 2010 abgeschlossen, denn durch die Aufgabe des zweiten Schulstandortes kamen auch mehr Lehrkräfte am Haupt-Standort zusammen. Die Schulleiterin ist übrigens eine Verfechterin des sogenannten G-8-Abiturs, das es in Zukunft auch hier geben wird, „denn die deutschen Akademiker seien nach dem Studium im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bei Berufsantritt zu alt und damit nicht konkurrenzfähig“. +++ (awh)

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