27.11.11 - Bad Hersfeld

Problem" rechenschwaches Kind" - ..wenn Mathe für Kinder ein Drama wird

Bei einem Elternabend in der Wilhelm-Neuhaus-Schule in Bad-Hersfeld stand das Thema "Rechenschwäche" im Mittelpunkt. „Rechnen in der Grundschule ist doch ein Kinderspiel!“ Bloß: Für manche Kinder ist es jedoch eine Fülle von schier unlösbaren Aufgabenstellungen. Rund sechs Prozent der deutschen Grundschüler scheitern an den, nach Schätzungen von Fachleuten, grundlegenden Anforderungen der Mathematik.

Anders als bei der Legasthenie, der Lese Rechtschreibschwäche, die als Teilleistungsschwäche Akzeptanz findet, stoßen Kinder mit Rechenschwäche auf großes Unverständnis. Dabei handelt es sich bei Kindern mit dieser Schwäche oft um intelligente Schüler mit vielseitigen Interessen. Durchaus aufgeweckte Kinder verwechseln die Grundrechenarten wie Addition und Subtraktion, missachten die Stellenwerte, schreiben Ziffern seitenverkehrt. Multiplikationsaufgaben werden oft nur durch reines „Auswendiglernen“ gelernt – aber vom Kind nicht verstanden oder erfasst – und „Geteilt-Aufgaben“ stellen diese Kinder vor unüberwindbare Probleme.

Da hilft kein Pauken, der Rechenschwäche oder Dyskalkulie, wie der Fachbegriff lautet, muss grundlegend abgeholfen werden. Das Kasseler Zentrum für mathematisches Lernen nimmt sich der gezielten Förderung rechenschwacher Kinder an, führt Lehrer-Fortbildungen an Schulen durch oder begleitet Elternabende an Schulen. Erst durch eine Therapie seien Schüler und Schülerinnen in der Lage Mathematik wirklich zu begreifen und nicht durch bloßes Auswendiglernen Eltern und Lehrer zu täuschen. „Es handelt sich vielmehr um Lernprozesse, in denen Einsichten der Mathematik nur schrittweise gewonnen werden“, erläuterte Rainer Richters, Leiter des Kasseler Zentrums für mathematisches Lernen. „Schulkinder mit einer Rechenschwäche haben das Problem, dass sich ihnen die innere Logik für mathematisches Denken nur sehr schwer auftun will!“

Was fehlt einem Kind, das in der 4. Klasse nur mit Fingern und Eselsbrücken rechnen kann, das ständig Zählmaterial zu Hilfe nimmt und seine Eltern und Lehrer zur Verzweiflung bringt. „Rechnen ist doch kinderleicht, streng dich an, du musst mehr üben“, hören viele Kinder tagaus, tagein, in einem ständigen Teufelskreis zwischen Schule und Elternhaus. Doch wer 9 + 7 nicht zusammenzählen kann, muss weder dumm und schon gar nicht faul sein!

Dyskalkulie, was ist das?

Wenn der Einstieg in die Welt der Zahlen nicht gelungen ist und die Kinder versuchen Unbegriffenes auswendig zu lernen, dann ist mit Pauken nicht viel gewonnen. Wenn immer wieder grundlegende Dinge unverstanden bleiben, ist zu vermuten, dass diese Kinder unter einer Rechenschwäche leiden und unbedingt einer gezielten Förderung bedürfen. Leider besteht auch heute noch die Gefahr, dass ein solches Kind als Versager auf diesem Gebiet abgestempelt wird. „Dyskalkulie ist eine Lernstörung im mathematischen Bereich, die sich auf Schwierigkeiten bei der Entwicklung des Mengen- und Zahlbegriffs zurückführen lassen“, erläuterte Richters. „Eine Rechenschwäche macht sich häufig schon im ersten Schuljahr bemerkbar. Oft gelingt es den Kindern anfänglich, ohne jedes Verständnis des mathematischen Inhalts, durch Kompensationsstrategien, durch Auswendiglernen, richtige Ergebnisse zu erreichen. Diese Kinder rechnen in der vierten oder fünften Klasse noch heimlich mit den Fingern. Intensives Üben zu Hause bringt da keinen Erfolg.“

Die Ursachen für eine Rechenschwäche sind vielfältig. Eine Förderdiagnostik gibt Aufschluss, ob eine gezielte Therapie erforderlich ist oder ob dem Kind mit Nachhilfe gedient ist. Nähere Informationen erhalten Interessierte, Lehrer und betroffene Eltern unter der Telefonnummer: 0561/ 31 60 560 oder auch im Internet unter http://www.Rechenschwaeche-Kassel.de. +++

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