05.05.12 - FULDA

„Zerstörte sakrale Denkmale in Nordböhmen 1949 – 1989“ im Bonifatiushaus

Mit Einführungen von Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke (Diözese Fulda), Generalvikar P. Stanislav Pøibyl (Diözese Leitmeritz/Litomìøice) und Alois Hofmann (Ackermann-Gemeinde Diözesanverband Fulda) wurde 3. Mai 2012 im Bonifatiushaus Fulda die tschechisch-deutsche Fotoausstellung „Zerstörte sakrale Denkmale in Nordböhmen 1949 – 1989“ eröffnet, die nach großen Erfolgen in der Tschechischen Republik nun erstmals in Deutschland zu sehen ist.

Nach Begrüßungen durch den Direktor des Bonifatiushauses Gunter Geiger und durch Michael Gösel, den Vorsitzenden des Freundeskreises Fulda-Leitmeritz/Litomìøice, der zum 10-jährigen Bestehen des Städtepartnerschaftsvereins die Ausstellung in Fulda organisiert, wurde im Grünen Saal des Fuldaer Bonifatiushauses in mehreren Grußworten die besondere Bedeutung der Fotoausstellung gewürdigt. So sprachen Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller, Kreisbeigeordneter Joachim Janshen, die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf und Siegbert Ortmann, der Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen Hessen, ihre Freude über das Zustandekommen der Ausstellung in Fulda aus, nachdem diese ausgehend von Prag in verschiedenen Städten Tschechiens mit großer Akzeptanz und politischer Diskussion in der Bevölkerung gezeigt wurde.

Der stellvertretende Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland Dr. Milan Coupek - eigens zur Eröffnung aus Berlin nach Fulda gekommen - sprach in seiner Rede die großen historischen Belastungen im Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen im 20. Jahrhundert an, die in vielen Bereichen z. B. auch mit der Partnerschaft zwischen Fulda und Leitmeritz, die sich auf der Negativgeschichte der Vertreibung der Deutschen aus Nordböhmen aufbaut, eine positive Wendung genommen hätten. Generalvikar Professor Gerhard Stanke erinnerte daran, dass mit der Zerstörung von 575 Sakralbauten, darunter auch Synagogen, durch den kommunistischen Totalitarismus in Nordböhmen die Überzeugung verbunden war, dass der Glaube an Gott der kommunistischen Ideologie im Weg stehe und damit ausgelöscht werde müsse. Er zitierte den Prager Kardinal Dominik Duka, den Schirmherrn der Ausstellung, der diese als eine Form der Wiederbelebung des Gedächtnisses und des Versuchs der Heilung von geschlagenen Wunden ansieht.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die nordböhmische Region bis 1945 überwiegend von Deutschen bewohnt war, die die Kulturlandschaft geschaffen hatten und das Schicksal der Vertreibung erleiden mussten, sagte der Fuldaer Generalvikar im Hauptvortrag der Vernissage: „Wir dürfen dankbar erleben, wie die Freiheit im Zusammenhang mit der Achtung vor den Menschenrechten dazu geführt hat, dass Völker sich versöhnen, dass die Wunden der Vergangenheit nicht mehr Gefühle der Ablehnung, der Abneigung oder gar der Feindschaft hervorrufen, sondern Ansporn sind, nach Wegen eines neuen Miteinander, einer guten Nachbarschaft zu suchen. Die Städtepartnerschaft zwischen Fulda und Leitmeritz ist ein Zeichen des neuen Denkens und des neuen Aufbruchs. Der Freundeskreis Fulda - Leitmeritz/Litomĕøice pflegt und vertieft die Kontakte und die Freundschaft. Auch auf kirchlicher Ebene beginnt die Verbundenheit zwischen beiden Diözesen, d. h. zwischen Pfarreien und Gruppen, zu wachsen. So ist die Erinnerung an die Vergangenheit auch eine Herausforderung an uns für die Gegenwart und Zukunft.“

Alois Hofmann vom Diözesanvorstand der Ackermann-Gemeinde in der Diözese Fulda gab einen historischen Abriss der Geschichte des Bistums Leitmeritz in Nordböhmen von 1945 bis 1989 und konnte auf Grund eigener persönlicher Erfahrungen und Freundschaften an Hand von konkreten Beispielen aufzeigen, wie sich die Unterdrückung des Christentums in der Zeit der kommunistischen Tschechoslowakei im alltäglichen Leben auswirkte. Dabei habe man allerdings schon in den Jahrzehnten vor der großen politischen Wende 1989 die Erfahrung gemacht, dass die tschechischen Christen – verfolgte Amtsträger wie Laien – immer von ihrem Selbstverständnis her die Blickrichtung auf die Aussöhnung mit den früheren deutschen Bewohnern ihres Landes gerichtet hätten. Alois Hofmann würdigte in diesem Zusammenhang auch die Verdienste des anwesenden früheren Fuldaer Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Hamberger, der die ausgestreckte Hand schon frühzeitig ergriffen habe und zusammen mit dem damaligen Leitmeritzer Bischof Dr. Josef Koukl zum Wegbereiter der Partnerschaft zwischen Fulda und Leitmeritz geworden sei.

Generalvikar Stanislav Pøibyl überbrachte die Grüße des Leitmeritzer Bischofs Jan Baxant, der im vergangnen Jahr die Ausstellung bei der ersten Präsentation im Prager Klementinum eröffnet hatte. In seiner Ansprache zeichnete der Leitmeritzer Generalvikar ein Bild seiner Diözese, das wegen der Entvölkerung nach dem 2. Weltkrieg und der anschließenden über Jahrzehnte andauernden Entchristlichung sehr schwierig, aber durchaus auch voller Hoffnung sei. Zerstörung der Sakralbauten sei einher gegangenen mit der Zerstörung christlicher Werte, eine materiell arme Kirche hoffe jetzt auf ein gutes Ende der Restitutionsdebatte in der tschechischen Politik, um viele offene Wunden angehen zu können. Partnerschaften mit Christen aus Nachbarländern, und gerade mit solchen aus Deutschland, bedeuteten große Hilfen.

Das Programm der Einführungsveranstaltung im Bonifatiushaus, über die auch Radio Prag berichten wird, wurde musikalisch umrahmt von einer Instrumentalgruppe um Johanna Stadelmann (Musikschule Fulda), die überwiegend Musik von Klezmermeistern zu Gehör brachte. Die Ausstellung „Zerstörte sakrale Denkmale in Nordböhmen 1949 – 1989“ wird bis zum 10. Juni im Bonifatiushaus Fulda bei freiem Eintritt zu sehen sein, bevor sie u. a. auch in Wiesbaden und München gezeigt werden wird. (ah) +++