26.11.12 - FULDA

Fachkräftemangel - was tun? - Hessencampus heute in Richard-Müller-Schule

"In meiner Branche kann man nicht wirklich vom Fachkräftemangel reden, schließlich wollen heutzutage viele Menschen etwas mit Medien machen", eröffnete Karen Fuhrmann vom Hessischen Rundfunk die Veranstaltung des Hessencampus zum Thema Fachkräftesicherung. Präsenter sei das Thema aber zum Beispiel in Speditionsunternehmen, die zur Zeit Probleme bei der Suche nach geeignetem Fachpersonal hätten. Mittels vier Impulsreferaten von Vertretern unter anderem aus der Bundesagentur für Arbeit oder der Handwerkskammer erfuhr man in der Richard-Müller-Schule etwas über die Ursachen und diverse Lösungsansätze zur aktuellen Krisensituation.

Nach der Einführung durch Hans-Peter Hochstätter vom hessischen Kultusministerium, machte Prof. Horst Weishaupt vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung mit seinem Referat den Anfang. Hauptaugenmerk lag auf der Fachkräftesicherung in Hessen. Er referierte über Ursachen des Fachkräftemangels - einer der Gründe sei der Rückgang der Geburtenzahl in Hessen, die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit seien definitiv vorbei, auch das habe den Mangel an Fachpersonal zur Folge. "Hessen ist von dramatischen Unterschieden in der Bevölkerungdichte betroffen", sagte Weishaupt. Ein weiteres Problem sei die hohe Misserfolgsrate an Hessens Hochschulen, ca. 35% der Abiturienten würden ein Studium beginnen, lediglich 20% aber einen Abschluss machen. Die Nachfrage nach Studienplätzen könne nicht gedeckt werden, hier werde ein großes Potential zur Ausbildung von Fachkräften verschenkt.

Weishaupts Lösungsansätze sehen wie folgt aus: Die Erwerbsquote, insbesondere die Frauen- und Migratenerwerbsquote müsse erhöht, die Erwerbsdauer verlängert und der Anteil vollzeitbeschäftigter Frauen sollte gesteigert werden. Nachqualifizierung sei ebenfalls ein wichtiges Thema: "Berufliche Schulen bieten günstige Voraussetzungen, um sich an den Qualifizierungsaufgaben zur Sicherung der Zahl der Fachkräfte zu beteiligen", äußerte sich Weishaupt. Unter anderem seien diese Schulen die Antwort auf die Frage, wer die Qualifizierungsaufgaben übernehme. 

Auch Sascha Schnur von der Agentur für Arbeit machte auf den allgegenwärtigen Bevölkerungsrückgang in der Gesellschaft aufmerksam. "In immer weniger Gebieten gibt es noch Bevölkerungszuwachs", lautete seine Aussage. Mithilfe eines Diagramms stellte er das bevölkerungsstarke Frankfurt dem zahlenmäßig stets abnehmenden Schwalm-Eder-Kreis gegenüber. Im Hinblick auf verschiedene Branchen erklärte Schnur, dass die Ursachen für den Fachkräfterückgang auf viele Faktoren zurückzuführen seien. So unterscheide sich der Stellenzuwachs in Elektroberufen von Nordhessen zum Rhein-Main Gebiet. Gründe könnten zum Beispiel große Arbeitgeber in der entsprechenden Branche sein.

Dr. Christa Larsen, Sophie Westenberger und Miriam Sophie Wiesen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur von der Goethe-Universität Frankfurt am Main stellten ihr gemeinsames Projekt vor, welches sich mit der Nachqualifizierung von Un- und Angelernten auseinandersetzt. Ziel ist es, diese Gruppe als wichtige Ressource auf dem Arbeitsmarkt einsetzen zu können. In der Theorie suchen Firmen gezielt nach neuen Auszubildenden und nach ausgebildeten Fachkräften, wenn dort aber nicht mehr genug zur Verfügung stehen, werden un- oder angelernte Arbeitskräfte interessant, so sei eine firmeninterne Nachqualifizierung von beidseitigem Interesse.

Andreas Haberl lieferte im Anschluss noch Informationen zur "Externenprüfung". So ist es für geringer Qualifizierte möglich einen Berufsabschluss außerhalb einer gesetzlichen Ausbildung zu erhalten. In Sonderfällen ist dies möglich und habe ebenfalls positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Viele Lösungsansätze konnten die Besucher der Veranstaltung mitnehmen und in den anschließenden Workshops weiter vertiefen. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Theorie Anwendung in der Praxis findet, um dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.(km)+++

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