08.12.12 - Fulda

Kommunen informieren sich über Windkraftnutzung: „Die energieeffiziente Kommune“

Etwa 50 kommunale Vertreter wollten aktuelle Informationen über das Trendthema Windenergie nicht verpassen. Im Rahmen der Seminarreihe „Die energieeffiziente Kommune" wurde der Themenkomplex im ÜWAG-Informationszentrum in der Frankfurter Straße von allen Seiten beleuchtet. Der Geschäftsführer des ÜWAG-Tochterunternehmens GKU Gesellschaft für kommunale Umwelttechnik, Dr. Jürgen Wiese, begrüßte alle Teilnehmer und führte in das Thema „Regenerative Energie im Landkreis Fulda" ein. Auch der Geschäftsführer der SynEnergie GmbH, Dr. Marc Oeffner, freute sich über das rege Interesse der Besucher: Windenergie sei ein kommunalpolitisches Thema, zu dem nicht gestritten, sondern konstruktiv Meinungen ausgetauscht werden sollten. Dies sei der Zweck der Veranstaltung. Ähnlich sah dies auch Landrat Bernd Woide, der aber verstehen konnte, dass das Thema emotional besetzt sei. Man müsse die Interessen von Landschafts- und Umweltschutz sowie ökonomische Vorteile für die Kommunen gegeneinander abwägen.

Foto: Experte Wolfgang Ruch stellte Möglichkeiten für Kommunen vor, Windparks in eigener Regie zu betreiben und damit die Wertschöpfung in der Gemeinde zu belassen.

Osthessen hat großes Windenergie-Potenzial 

Bruno Günkel vom Landkreis Fulda referierte zur Regionalplanung und zu den lokalen Suchräumen: Der Kreis sei bei der Windkraft auf einem guten Weg. Heute würden 9,1 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbarer Energien abgedeckt. Gleichzeitig sei großes Potenzial bei der Windkraftnutzung vorhanden, die entscheidende Frage sei aber: „Wie ermitteln wir geeignete Flächen?" Hier sei bereits eine Goldgräberstimmung ausgebrochen, in der jeder seine Claims abstecke. Günkel beruhigte aber die Rhöner Naturschützer: „Es ist so gut wie sicher, dass von Gersfeld über Ehrenberg und Hilders bis nach Tann keine Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen werden."

Energiepolitisch argumentierte Landtagsmitglied Peter Seyffardt (CDU): „Diejenigen Nationen sind erfolgreich, die ausreichend Energie zur Verfügung stellen können." Dies gelte auch auf Länderebene. Hessen als Bundesland sei ein massiver Stromimporteur, deswegen sei für das Land eine vermehrte Eigenstromproduktion von erheblicher Bedeutung.Wolfgang Ruch, Betreiber eines Windparks im Kreis Hersfeld-Rotenburg sowie Projektleiter bei der ÜWAG-Tochter SynEnergie, ging danach auf das Thema „Bürgerbeteiligung" ein. Wichtig sei besonders, dass für interkommunalen Dialog und Kommunikation mit dem Bürger gesorgt werde, erklärte er. Dies sei vor allem dann wichtig, wenn sich für Windenergie interessante Höhenzüge auf Gemeindegrenzen befänden oder Windkraftnutzung aufgrund landschaftlicher oder naturschutzrechtlicher Bedenken umstritten sei.

Zentrales Thema dabei sei immer die kommunale Wertschöpfung: „Wir sorgen auch dafür, dass 100 Prozent der Gewerbesteuererträge auch in der Kommune bleiben und hinterlassen dabei keine verbrannte Erde wie andere Investoren, die sich Flächen sichern und erst danach kommunizieren, was sie vorhaben."

„Windpark in eigener Regie betreiben"

Die Menschen vor Ort könnten die Windparks in eigener Regie betreiben. Es seien die ländlichen Gemeinden, die von der Energiewende profitieren könnten, wenn sie es richtig machten, so Ruch. „Kommunen können aber auch von externen Investoren über den Tisch gezogen werden." Hier fließe das Geld aus der Region ab. Ruch rechnete am Beispiel eines regionalen Windparks genau vor, mit welchen Kosten und Renditen die Gemeinden zu rechnen hätten. Er erklärte, dass im ÜWAG–Netzgebiet idealerweise ein Potenzial der regionalen Wertschöpfung von rund 35 Millionen Euro im Jahr durch Windkraft vorliege und stellte die Frage: „Wollen wir diesen Schatz der Rhön selbst heben oder andere ihn heben lassen?"

Dr. Jochen Karl vom Ingenieurbüro für Umweltplanung in Staufenberg klärte anschließend artenschutzrechtliche Fragen und präsentierte die Kosten für Genehmigungen und Analysen. „Fledermauskunde ist etwas für Spezialisten", so Karl. Ähnlich kompliziert seien die genehmigungsrechtlich erforderlichen Analysen für Windpark-Planer. Entgegen der landläufigen Meinung sei der Schwarzstorch wenig windkraftsensibel, so Karl: „Kraniche und Weißstörche können Windparks ohne Probleme umfliegen." Der Rotmilan sei aber bekanntermaßen das „Sorgenkind" und seine Schutzräume müssten geachtet werden.

Richtige Kommunikation entscheidend

Alle Experten waren sich einig: Ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Errichtung eines Windparks sei immer auch die lokale Akzeptanz durch die Bürger. Ein Schlüssel dazu sei eine offene Kommunikation, bei der eine fotorealistische Visualisierung helfen könne, so Jochen Mülder von Lenné 3D aus Hamburg. Die Vorteile solcher Bilder oder Simulationen sei ihre Genauigkeit und ihre Lebensnähe. Das Anzeigen vieler verschiedener Perspektiven des später zu realisierenden Windparks in der Landschaft sorge für schnelle Verständlichkeit für Projektierer oder Anwohner und könne Vorurteile abbauen.

Ähnlich wie Wolfgang Ruch mahnte auch Lars Rotzsche vom Bundesverband Windenergie die Vertreter der Kommunen, die Investoren genau unter die Lupe zu nehmen. Er berichtete von Beispielen, in denen Projektierer die Anlagen später an ausländische, institutionelle Investoren verkauft hätten. „Dann fließt die Wertschöpfung aus der Region ab", so seine Warnung. Abschließend wies Rechtsanwalt Dr. Fabio Longo darauf hin, dass Kommunen nur dann Wildwuchs der Windenergie auf ihrem Gebiet wirksam ausschließen können, wenn sie auch Positivflächen für die Nutzung der Windenergie ausweisen. Regionalpläne würden sowohl von den Windkraftgegnern als auch den Befürwortern beklagt. Ein kommunales Planungsrecht könne hier Rechtssicherheit schaffen.

Besondere Veranstaltungsreihe

Das Seminar am Freitag war bereits das dritte innerhalb der ÜWAG-Initiative „Die energieeffiziente Kommune", das sich in erster Linie als Informationsplattform der Kommunen in Sachen Energieeffizienz versteht und den Kontakt kommunaler Entscheider mit Energieexperten aus unterschiedlichen Fachgebieten vermitteln möchte. Aufgrund der sehr positiven Resonanz der vergangenen Veranstaltungen war die Seminarreihe in diesem Jahr ausgebaut worden. 2013 und 2014 seien bereits Veranstaltungen geplant.+++

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