22.03.13 - HÜNFELD

Dammersbacher Bürger wehren sich: Widerstand gegen Zubau mit Windkraft

Die Dammersbacher Ortsgemeinschaft will das laufende Auslegungsverfahren des Teilflächenregionalplans Energie intensiv nutzen, ihre Argumente gegen den Umfang der Vorrangflächen für Windkraftenergie vorzutragen. Im Rahmen einer Bürgerversammlung im bis zum letzten Platz gefüllten Dammersbacher Bürgerhaus wurde dazu eine Bürgerinitiative gegründet und Ortsvorsteher Siegfried Bug zu deren Sprecher gewählt. Er wird unterstützt durch die stellvertretenden Sprecher Andrea Bug und Leo Kalb, die Eheleute Christa und Alfred Gensler, die sich um Finanzen und Protokolle kümmern, sowie Uwe Walter.Bug betonte, dass die Bürgerinitiative sich nicht grundsätzlich gegen die Windkraftnutzung wende, vielmehr sei es Ziel der Bürgerinitiative, Widerstand gegen den Entwurf im Teilregionalplan Windenergie zu leisten, damit der Umfang der Anlagen die Wohnqualität und möglicherweise auch die Gesundheit der Dammersbacher nicht beeinträchtigen werden.

Die Pläne sehen entgegen der ersten Entwürfe Vorrangflächen für Windkraft über die gesamte Rotlöwenkuppe und Roßkuppe vor. Die Anlagen, die dadurch möglich würden, weisen eine Höhe von 200 und mehr Metern auf und stehen alle auf einem Höhenzug oberhalb der Dorflage in südlicher und westlicher Richtung. Dammersbach werde damit im gesamten Verlauf der Sonne den ganzen Tag von Schlagschatten getroffen, sagte Bug. Außerdem bereiten den Dammersbacher Bürgern Berichte über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch niederfrequente Schallbelastungen und die Beeinträchtigung wertvoller ökologischer Bereiche große Sorgen.Allein im Bereich der Rotlöwenkuppe sehe der Entwurf auf Dammersbacher Seite 318 Hektar und im Bereich der Roßkuppe 101 Hektar Vorrangfläche vor. Dies biete Platz für rund 20 gigantische Windräder von mehr als 200 Metern Höhe. Mit diesen Flächen solle Dammersbach rund 16 Prozent der gesamten Vorrangflächen im Landkreis Fulda stemmen. Vorgabe des Landes sei es, insgesamt zwei Prozent der Gebietsfläche Hessens für die Windkraftnutzung zur Verfügung zu stellen, erläuterte der Ortsvorsteher.Wichtig aus Sicht von Bug ist es, die gegenwärtige Auslegung dieser Pläne seit dem 15. März bis 14. Mai intensiv zu nutzen, um Argumente vorzutragen, damit die regionale Planungsgemeinschaft dies im weiteren Verfahren zur Kenntnis nimmt.

Die Bürgerinitiative habe dazu bereits Gespräche geführt mit Kommunalpolitikern und dem CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Walter Arnold, der bei einem Ortstermin sehr beeindruckt gewesen sei von den Folgen der Pläne des Regierungspräsidiums. „Wir müssen die Zeit jetzt ganz intensiv nutzen", sagte Siegfried Bug. „Da werden Nachbarn gefordert sein, einander zu helfen, diese Stellungnahmen schriftlich, handschriftlich oder per E-Mail an den Regierungspräsidenten zu richten." Alle Dammersbacher seien aufgerufen, ihren jeweiligen Sachverstand im Bereich Naturschutz, Wasserschutz, Forst und möglicher gesundheitlicher Folgen einzubringen und dies in den Stellungnahmen deutlich zu formulieren.

Dem pflichtete auch Stadtverordnetenvorsteher Stefan Schwenk bei, der hervorhob, dass die Stadtverordnetenversammlung sich in dieser Frage eindeutig und einstimmig positioniert habe. Neben den gewichtigen Argumenten des Naturschutzes sei es Anliegen der Stadtverordnetenversammlung gewesen, in die Diskussion auch den Schutz der Menschen einzufordern. Statt der bisherigen Richtlinien, einen Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen bebauter Ortslage und solchen Anlagen vorzusehen, der in einigen Bereichen bereits unterschritten werden solle, fordere die Stadtverordnetenversammlung einen Abstand von bis zu 3.000 Metern. Dieser dürfe, so die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Stellungnahme gegenüber dem RP, nur dann unterschritten werden, wenn im Einzellfall nachgewiesen werde, dass gesundheitliche Folgen ausgeschlossen werden könnten.

Die Stadtverordnetenversammlung habe ihr Unverständnis darüber geäußert, dass entgegen der Abstimmung mit der oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium im vergangenen Jahr die Roßkuppe nun in den Entwurf des Teilregionalplans wieder aufgenommen worden sei, und habe gefordert, diese Flächen zu streichen. Die Beschlusslage der Stadtverordneten beziehe sich auch auf die Situation in Michelsrombach, wo die gleichen Maßstäbe, insbesondere in Bezug auf den Schutz der Menschen, und die Abstandsflächen anzulegen seien.

Schwenk plädierte dafür, die Interessen von Dammersbach und Michelsrombach nicht gegeneinander auszuspielen. Hier müssten die gleichen Maßstäbe zum Schutz der Menschen angelegt werden. Schwenk versicherte den Dammersbachern, dass sie Bürgermeister, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung in dieser Frage auf ihrer Seite hätten.Im Rahmen der Versammlung haben sich spontan bereits mehr als 150 Dammersbacher Bürger, aber auch Besucher benachbarter Stadtteile bereit erklärt, durch ihre Unterschrift die Bürgerinitiative zu unterstützen. Als nächsten Schritt plant die Bürgerinitiative nicht nur das Sammeln von Argumenten und Widersprüchen gegen die ausgelegten Pläne des Regierungspräsidiums, sondern auch die Erstellung einer Bildmontage, um die tatsächliche Situation Dammersbachs zu visualisieren, sollten die Pläne der regionalen Planungsgemeinschaft Wirklichkeit werden.+++

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