07.05.13 - GERSFELD

Junge Gymnasiasten pauken ohne Ende: Eltern demonstrieren gegen G8

"Wir wollen G9, Kinder sollen sich freuen!", tönte es am Montagmittag vor Gersfelds Stadthalle. Hier begann gegen 14 Uhr eine Kreistags-Sitzung des Landkreises Fulda. Eines der aktuell diskutierten Themen ist die Einführung des G9-Abiturs für die 5. und 6. Klassen. Obwohl sich das G8-System in der Bildungspolitik nicht durchsetzen konnte und abgeschafft wurde, lässt es die aktuelle Rechtslage nicht zu, Schüler der Klassen 5 und 6 in das alte Schulsystem zu integrieren. Lediglich der sogenannte "Schulversuch" gestattet es den Schülern an Gymnasien der Stadt Fulda das "schnelle Abitur" zu umgehen. Das Nachsehen hätten nun die Schulen in den ländlicheren Gegenden, erklärten die Demonstranten. Betroffen sind unter anderem: Die Ulstertalschule in Hilders, die Lichtbergschule in Eiterfeld, das Wigbertgymnasium in Hünfeld, die Rhönschule in Gersfeld und die Wernher-von-Braun Schule in Neuhof.

Zu gegebenem Anlass versammelten sich ca. 70 Eltern und Schüler unter der Leitung von Martina Gilbert, Kreiselternbeiratsvorsitzende, um für die Gleichberechtigung im Schulsystem zu demonstrieren. Mit ihren selbst-bemalten Plakaten und selbst-gedichteten Parolen fingen die Eltern gemeinsam mit ihren betroffenen Kindern die eintreffenden Kommunalpolitiker ab. "Wir möchten einfach mal mehr Freizeit haben, Kumpels von mir aus Fulda müssen viel weniger Hausaufgaben machen", sagte der Sechstklässler Robert Lasslop von der Ulstertalschule. Auf Nachfrage bei den demonstrierenden Schülern äußerten sie sich alle negativ gegenüber des "straffen" Abiturs. Ob nun 12 oder 13 Jahre Schule, dass sei erstmal weniger wichtig. Die Kinder möchten ihre Freizeit genießen und nicht vom Schulstoff überfordert werden.

Die Linke stellte am 15. April einen Resolutionsantrag, G9 auch für die 5. und 6. Klassen des Landkreises Fulda einzuführen. Dort heißt es:"...das sogenannte G8 Abitur hat sich als bildungspolitischer Irrtum erwiesen. [...] Eine fehlgeschlagene Bildungspolitik darf nicht weiter auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden."

"Gleiches Recht für alle!", "G8 macht unsere Kinder krank!" oder  "Demokratie! 90% wollen G9" heißt es auf den Plakaten der Demonstranten. Trotz Unmut und Fassungslosigkeit der Eltern forderte Martina Gilbert einen friedlichen Ablauf der Demonstration und so blieb es auch. Politiker standen Rede und Antwort und gingen auf die Fragen und Forderungen der G9-Befürworter ein. Die hessenweite Petition mit der Forderung, den jungen Schülern den Wechsel der Schulform zu gestatten zählt bereits 30.000 Unterschriften, das reiche allerdings noch nicht. Die fünfache Mutter Martina Gilbert erhofft sich in Zukunft noch mehr Menschen, um auf den Missstand in der Bildungspolitik des Landkreises aufmerksam machen zu können.

Von den Ergebnissen der Kreistagssitzung berichtet osthessen-news in einem weiteren Beitrag im Laufe des Dienstag. (km) +++

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