05.10.13 - FULDA

Sie sind obdachlos, scheuen sich vor Arbeit, sind bildungsresistent, kriminell und haben einen dunkeln Teint – so oder so ähnlich lauten die Klischees bezüglich der Minderheit Sinti und Roma. Bis ins 21. Jahrhundert haben sich diese gängigen Vorurteile in den Köpfen vieler Menschen festgebrannt. Im Fuldaer Stadtschloss gastiert vom 04. bis zum 17. Oktober die Wanderausstellung „Hornhaut auf der Seele" in der Galerie vor den Spiegelsälen. In Kooperation mit Amnesty International, der Hochschule Fulda und dem Kino 35 organisierte der Veranstalter, "uno, eine Welt in Fulda e.V.", im Zuge der Ausstellung weitere Veranstaltungen. Sie sollen die geschichtlichen Hintergründe der Sinti und Roma und der mit einhergehenden Völkermorde greifbarer machen. Den Startschuss für die „besondere Ausstellung", die einerseits informieren – andererseits packend sein soll, gab am Freitagabend Oberbürgermeister Gerhard Möller: „Man muss die Bilder auf sich wirken lassen, wir erfahren ebenfalls was von Einzelschicksalen. Die Bilder machen betroffen und packen den Betrachter gleichzeitig." (ACHTUNG! Bilder durch Anklicken vergrößern!).

Adam Strauß vom Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Hessen, richtete ebenfalls einige Worte an die Zuhörer und bezog klare Stellung zu den Vorwürfen der Gesellschaft: „Das Nomadentum trifft bei uns definitiv nicht zu."

In einem 60-minütigen Vortrag vermittelte Dr. Udo Engbring-Romang wie es zur verschobenen Wahrnehmung gegenüber Roma und Sinti im Laufe der Geschichte kommen konnte. Der Begriff Zigeuner spiegele keine reellen Menschen wieder, vielmehr sei er ein mit Vorurteilen angereichertes Konstrukt, welches Autoren, Künstler und nicht zuletzt die Gesellschaft den Sinti und Roma aufgezwungen habe. Mit einer Reihe von Textnachweisen lieferte er zahlreiche Beweise, dass die Literatur vom 15. Bis zum 20. Jahrhundert die Minderheit falsch darstelle.

Anschuldigungen wie Vaterlandslosigkeit, Nomadentum, Betrügerei, Diebstahl und Heidentum mussten Sinti und Roma in zahlreicher deutscher Literatur über sich ergehen lassen. Kunstwerke zeigen die „Zigeuner" meist beim Taschendiebstahl und auch bekannte musikalische Werke bestätigen die falsche Wahrnehmung. Im Evangelischen Staatslexikon aus dem Jahre 1962 wurden Sinti und Roma als „Jäger und Sammler" bezeichnet, welche sich am Hab und Gut anderer bereichern. Auch der Bundesgerichtshof besaß im Jahre 1956 eine unkorrekte Rechtsauffassung.

Die Ausstellung in Fulda soll diese Vorurteile und Klischees abbauen, der Begriff „Zigeuner" ist nach wie vor allgegenwärtig und jeder Mensch weiß, was es mit dem Begriff „Herumzigeunern" auf sich hat. Die Wanderausstellung ist erstmalig in Fulda. Oberbürgermeister Möller begrüßte das Engagement der Kooperationspartner - dazu gehört auch die Stadt Fulda - und rief ebenfalls dazu auf, andere Veranstaltungen zum Thema im Zuge der Interkulturellen Woche 2013 zu besuchen.(km)+++

Oberbürgermeister Gerhard Möller freut sich ... Fotos: Konstantin Müller

Adam Strauß vom Verband Deutscher ...

Dr. Udo Engbring-Romang gab einen ...




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