23.12.13 - FULDA

Vatikan-Fragebogen

Moral- und Pastoraltheologen antworten gemeinsam

Es sorgte für Aufsehen, als der Vatikan Ende Oktober an alle Bischöfe einen Fragebogen zu Ehe, Sexualität und Familie verschickte mit der Bitte, auch Pfarrgemeinden, Verbände und kirchliche Gruppen sollten sich äußern. Seither diskutieren Gläubige und Kirchenleute weltweit darüber, was die Ehe bedeutet und wie man den Glauben in Familien leben kann. Strittige Themen wie Empfängnisverhütung, der Umgang mit Homosexuellen oder wiederverheirateten Geschiedenen werden dabei nicht ausgespart.

Auf Initiative der Fuldaer Professoren Rupert Scheule (Moraltheologie) und Richard Hartmann (Pastoraltheologie) beantworteten auch Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Moraltheologen sowie der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen den Fragebogen. Dazu schaltete die Theologische Fakultät Fulda vom 23.11. bis 09.12.2013 ein sogenanntes Wiki frei, das den Wissenschaftlern eine gemeinsame, simultane Textproduktion im Internet erlaubte. Am Ende trugen 18 renommierte Fachvertreter die gemeinsamen Antworten mit. Diese gingen kurz vor Weihnachten der Deutschen Bischofskonferenz zu.

»Wir freuen uns, dass die neuartige Form der online-Zusammenarbeit geklappt hat«, so Rupert Scheule. Noch bedeutsamer sei aber, dass bei dem Projekt die Vertreter ganz unterschiedlicher theologischer Strömungen zusammenfanden. »Allen war klar, welchen Neuigkeitswert dieses umfassende Dialogangebot aus Rom hat. Da sind Kolleginnen und Kollegen, die sonst nicht viel miteinander zu tun haben wollen, über ihren Schatten gesprungen und haben gemeinsam nachgedacht«.

In der Zwischenzeit signalisierten schon etliche Bischöfe ihre Zustimmung zu der Aktion, eine Übersetzung ins Italienische liegt vor, eine ins Englische ist in Arbeit. Die Fachleute aus Moral- und Pastoraltheologie diagnostizieren u.a., dass die Gesellschaft das Eintreten der Kirche für Lebensformen von verbindlicher Solidarität durchaus würdige, allerdings würden die positiven Gehalte der kirchlichen Lehre von der abschätzigen Haltung gegenüber künstlicher Verhütung, gleichgeschlechtlichen Beziehungen und wiederverheirateten Geschiedenen immer mehr verdunkelt. Grundsätzlich empfehlen die Professoren, eine kirchliche Sexualmoral zu entwickeln, die weniger an der Fortpflanzungsdimension des Sexuellen Maß nimmt als an der mit der menschlichen Sexualität gegebenen Verletzlichkeit. Die Antworten der 17 Professoren im Netz unter www.thf-fulda.de/fragebogen+++




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