15.03.14 - LAUTERBACH

„Aktion Mensch“ finanziert Seminar

Ehrenamtliche in Kompetenzen geschult

Sie kommen aus unterschiedlichen Hilfsorganisationen oder Institutionen wie dem Förderverein Psychiatrie Vogelsberg e. V., dem Hospizdienst und Trauerbegleitung Vogelsberg, dem Kinderschutzbund, der Ev. Kirchengemeinde oder dem Jugendamt. Sie leben und wirken in Lauterbach, Alsfeld, Schlitz, Ulrichstein oder Lautertal. Sie sind unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Tun, und doch haben sie eines gemeinsam: Die dreizehn Frauen, die Ende Februar an einem dreitägigen Seminar zum Thema „Motivierende Gesprächsführung" teilgenommen haben, arbeiten alle im Ehrenamt.

„Das Ehrenamt ist das Rückgrat einer Gesellschaft und darf nicht als selbstverständlich angesehen werden", sagt Referent Edgar Zeissler, Dipl.-Sozialpädagoge mit langjähriger Berufserfahrung in verschiedenen Institutionen und Behörden der Suchthilfe und des Allgemeinen Sozialen Dienstes. Er sieht in dem Seminar, das für Ehrenamtliche mit und ohne Behinderung organisiert war, und das Thema „Motivational Interviewing (MI) – Motivierende Gesprächsführung" zum Inhalt hatte, eine besondere Wertschätzung der Organisatoren für die Teilnehmer. Das von der „Aktion Mensch" geförderte Inklusionsseminar für Ehrenamtliche, die zum Teil selbst betroffen sind, war ein Pilotprojekt.

Nicht professionell ausgebildete Mitarbeiter waren dieses Mal zur Fortbildung gefragt, sondern freiwillig Tätige, die gleichermaßen professionelle Werkzeuge der Kommunikation für ihre Arbeit vermittelt bekommen sollten.Die Vogelsberger Lebensräume, eine Einrichtung der Stiftung Heilanstalt für Kranke in Lauterbach, und der Förderverein Psychiatrie Vogelsberg e. V. hatten das Seminar aufgelegt, um die ehrenamtlich Tätigen für ihre Arbeit im Hospizdienst, der Palliativbetreuung und der Suchthilfe zu stärken. Mit dem Referenten Edgar Zeissler hatten die Organisatoren einen Experten mit der Seminargestaltung beauftragt, dessen Arbeitsschwerpunkt eben diese „Motivierende Gesprächsführung" ist. Zeissler, der für die anerkannte GK Quest Akademie in Heidelberg arbeitet, bietet ein interaktives Programm an, das den ehrenamtlich tätigen Teilnehmern helfen sollte, den eigenen Geist zu stärken, das Rüstzeug für den Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern zu erlernen, um so in ihrer freiwilligen Arbeit mit Erkrankten optimal vorbereitet zu sein. Dabei wechseln sich interessante Vorträge mit aktiven Demonstrationen ab.

Schwerpunkt der Veranstaltung im Gebäude der Psychiatrie des Krankenhauses Eichhof in Lauterbach war es, den Teilnehmern neue Perspektiven im kommunikativen Umgang mit Schwerstkranken aufzuzeigen. Inhalte wie Bedürfnisse entdecken, Selbstsicherheit mitnehmen, Aggressivität ertragen und sich nicht ausgeliefert fühlen waren ebenso Thema wie die Freiheit und Autonomie der Erkrankten akzeptieren lernen, Unterstützung zu leisten oder Hoffnung und den Glauben an die eigenen Kräfte zu erwecken.

„ Wir wussten gar nicht so genau, was uns bei diesem Seminar erwartet", erklärt die Vorsitzende des Fördervereins Psychiatrie Vogelsberg e. V., Baronin Ulrike Riedesel, Freifrau zu Eisenbach, die sich vor allem in der Betreuung von psychisch kranken Menschen engagiert. „Wir haben zwar intuitiv den richtigen Umgang mit Betroffenen gefunden, doch durch die Erkenntnisse aus dem Seminar, sind wir jetzt viel besser gerüstet und können professionelle Möglichkeiten der Kommunikation nutzen und so die Kräfte der von uns betreuten Menschen aktivieren."

Übereinstimmend sagen die 13 Ehrenamtlichen, dass sie im Verlauf des inklusiven Seminars wesentliche Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung des intensiven Zuhörens gewonnen haben. „Nicht die eigenen Wünsche und Werte vermitteln, sondern die Würde und Betrachtungsweise der Erkrankten gilt es zu respektieren, auch wenn diesen die Akzeptanz für das eigene Schicksal fehlt", erklärt Baronin Riedesel. Und neben den inhaltlichen Erkenntnissen habe man auch noch sehr viel Spaß gehabt. Das sei als ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Seminars zu bewerten, so die Ehrenamtlichen unisono.

„In der modular angelegten Weiterbildung wurden die Grundlagen für diese besondere Art der Kommunikation gelegt und die einzelnen Methoden vorgestellt", erklärte der Leiter der Vogelsberger Lebensräume und Organisator des Seminars, Harry Bernardis. „Das Erlernen von nachhaltiger Motivationsförderung im Umgang mit depressiven, aggressiven oder lethargischen Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung ein ambivalentes Verhalten an den Tag legen, war für uns ein wesentlicher Aspekt. Schließlich wollen wir unsere Ehrenamtlichen auf besondere Situationen im Alltag vorbereitet wissen", sagt Bernardis. +++




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