Auf dem Podium: Technischer Sachbearbeiter Bernhard Grimm, Bürgermeister Stephan Paule, TG-Vorsteher Karl-Heinz Kasper, stellv. Amtsleiter Hanfried Böttner und Verfahrensleiter Karl-Hans Döring (von links) Foto: gr

29.03.14 - ALSFELD

Flurbereinigungsverfahren Liederbach

"Gar nicht so einfach"- Flurbereinigungsverfahren Liederbach abgeschlossen

Das vereinfachte Flurbereinigungsverfahren Alsfeld-Liederbach ist jetzt offiziell abgeschlossen. In einer kleinen Feierstunde im Gasthof Roth „Zur Linde" im Stadtteil Liederbach, mit dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft (TG), dem Bürgermeister der Stadt Alsfeld Stephan Paule, weiteren Vertretern der Stadt, dem Ortsvorsteher von Liederbach Ernst Peter Walter sowie Vertretern des Amtes für Bodenmanagement Fulda -Außenstelle Lauterbach (AfB), lies man das Verfahren noch einmal Revue passieren. „Heute, nach 14 Jahren "vereinfachter Flurbereinigung" habe ich gelernt, dass das Wort "vereinfacht", gar nicht so einfach ist, wie sich das anhört. Vom Frühjahr 2000 bis heute, es war ein ganz schön weiter Weg bis hierher", so TG-Vorsteher Karl-Heinz Kasper bei seiner Begrüßung. Wenn auch bei der Einführungsveranstaltung im DGH, im Verfahrensgebiet liegende Grundstückseigentümer, nach der Frage "ist die Teilnahme wirklich freiwillig?"

und dies mit "ja" beantwortet wurde, demonstrativ den Raum verließen, hätten diese im Nachhinein dann doch zurück gerudert und seien Teilnehmer am Verfahren geworden. Alle Beteiligten hatten Vorteile betonte er und zählte einige davon auf: Die Bauern bekamen erneuerte Feldwege, baufällige Brücken und Überfahrten wurden durch neue ersetzt, Schattenlagen und Überschwemmungszonen an den Ufern eingetauscht gegen bessere landwirtschaftliche Flächen, es wurde zusammengelegt, Drainagen in den Uferzonen umgelegt und auch der Abfluss verbessert. Eigentümer die ihre Flächen verkaufen wollten, seien gut bedient worden. Die Stadt als Eigentümer der Wege, Brücken und Gewässerparzellen im Verfahrensgebiet konnte ihrer Verpflichtung zur Unterhaltung billigst folgen und dabei auch dem Naturschutz nachkommen. Und man sieht durchaus Fortschritte bezüglich, des Naturschutzes Es haben sich 5-6 Silberreiher in der Gemarkung angesiedelt.

Abschließend teilte er mit, dass im Jahr 2000, als der Vorstand gewählt wurde, der Altgedienten Geometers Herbert Grein den Rat an die Teilnehmer Gemeinschaft gegeben habe: "Wählt euch einen jungen Vorstand, nicht dass alle weggestorben sind, bevor das Verfahren beendet ist". Nach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft ging Verfahrensleiter Karl-Hans Döring vom AfB, auf den Ablauf des Verfahrens ein. Nach der Beantragung des Verfahrens an das damalige Amt für Regionalentwicklung Landschaftspflege und Landwirtschaft sei ein Entwicklungskonzeption erarbeitet und vorgestellt worden. Der Flurbereinigungsbeschluss wurde erlassen und Mitte Juni fand die Wahl des Teilnehmervorstandes statt. Hier wurden Karl-Heinz Kasper, Jürgen Engelhard und Dr. Wolfgang Dennhöfer als Vorstand und Alfred Roth, Herbert Decher und Robert Blankenburg als Stellvertreter gewählt. 

Im Dezember 1998 stellte die Stadt Alsfeld beim damaligen Hessischen Ministerium für Umwelt Landwirtschaft und Forsten einen Antrag auf Mittel aus dem Programm zur Förderung von Maßnahmen die der Wiederherstellung naturnaher Gewässer einschließlich ihrer Ufer und Auen dienen. Den Bewilligungsbescheid erhielt die Stadt Alsfeld im Oktober 1999. Mit dem Ankauf von Grundstücken beziehungsweise Grundstücksteilen für die Ausweisung der Uferrandstreifen wurde durch den technischen Sachbearbeiter Bernhard Grimm in 2001 begonnen. Es wurden im Verfahren Uferrandstreifen und Aueflächen von insgesamt 24,9092 ha ausgewiesen. Hierfür hat die Stadt Alsfeld eigene Grundstücke mit einer Fläche von 7,0083 ha aufgebracht. Der Wert der insgesamt eingebrachten Flächen betrug etwas über 264.000 Euro. Die Grundstücke der Stadt Alsfeld wurden mit einem Wert von 64.800 Euro angerechnet.

Anfang 2004 fanden die Planwunsch- und Planvereinbarungsverhandlungen statt, so dass in 2004 die „vorläufige Besitzeinweisung" erlassen werden konnte. Die bearbeitete Fläche des Verfahrensgebietes betrug 199 ha. Auf Grund der bereinigten Ertragsmesszahl von 43 wurde in dem Verfahren ein allgemeiner Zuschusssatz von 75 Prozent zugrunde gelegt. Er konnte jedoch, da im Verfahren besondere ökologische Zielsetzungen verfolgt wurden, auf 80 Prozent erhöht werden. Die Eigenleistung der Teilnehmergemeinschaft mit 20 Prozent wurde von der Stadt Alsfeld übernommen. Im Verfahren wurden Mittel in Höhe von rund 240.000 Euro verausgabt. Davon 192.000 Euro Zuschüsse sowie 48.000 Euro Eigenleistung. Die Mittel verteilten sich wie folgt: Wegebau 70.000 Euro, Maßnahmen an und in Gewässern, Durchlässe Brücken, Rückhalteanlagen 98.000 Euro, Maßnahmen im überwiegenden Einzelinteresse 21.500 Euro, Sonstige Maßnahmen 12.500 Euro, Bodenordnung 29.000 Euro und Sonstige Ausführungsmaßnahmen 9.000 Euro.

Als Resümee stellte Döring fest, dass durch die Entflechtung der unterschiedlichen Nutzungsinteressen am Grund und Boden ein gutes Ergebnis für alle betroffenen Teilnehmer erreicht wurde. Dies seien insbesondere die Auflösung von Landnutzungskonflikten aus Flächenansprüchen für Gewässerstreifen und Naturschutz, die Umsetzung von Maßnahmen nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie, Schaffung gemeinschaftlicher Anlagen und größerer Wirtschaftseinheiten, Verbesserung der Erreichbarkeit der Grundstücke, die Umsetzung kommunaler Planungen sowie die Steigerung der Attraktivität und Qualität des Rad- und Wanderwegenetzes gewesen.
Es sei ein Ausgleich für die Eingriffe in Natur und Landschaft geschaffen worden und Maßnahmen des Naturschutzes wurden ermöglicht. Qualität und Aktualität der öffentlichen Bücher wurden erhöht. Letztendlich habe dies alles zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen beigetragen. 

Bürgermeister Paule sprach den Mitarbeitern des AfB Dank und Anerkennung aus für den reibungslosen Ablauf des Flurbereinigungsverfahrens. Der erfolgte Wegebau sei nicht nur für die Bürger des Stadtteiles von Vorteil, sondern auch für den Tourismus. Dank sagte er für Bezuschussung durch die verschiedensten öffentlichen Träger, denn alleine hätte dies die Stadt Alsfeld nicht schultern können!" Bürgermeister Paule wies abschließend auf ein Projekt hin, das von Prof. Liselotte Schebek vom Fachgebiet Stoffstrommanagement und Ressourcenwirtschaft der TU Darmstadt an die Stadt herangetragen wurde. „Wir bewerben uns um ein Forschungsprojekt des Bundes mit dem Titel: "Regionale Integration kleiner Wasserkraft-Anlagen in das Flussgebietsmanagement". Im Mittelpunkt dieses Projekts stehe das Zusammenwirken von Gewässermanagement und Fragestellungen des regionalen Energiemanagements, des Klimawandels und der Regionalökonomie. „Alsfeld, und damit das Gewässersystem der Schwalm, wäre dann eine von zwei Modellregionen.

Und, das ist uns ganz wichtig, das Ganze wird, wie man im Antrags-Deutsch so schön sagt " ... in partizipativen Prozessen mit lokalen Akteuren diskutiert und abgleitet", so Paule. Im Rahmen der Feierstunde erhielt TG-Vorsteher Karl-Heinz Kasper stellvertretend für den ganzen Vorstand vom stellvertretenden Amtsleiter des Amtes für Bodenmanagement Hanfried Böttner ein Dankesschreiben für die geleistete Arbeit. Dr. Wolfgang Dennhöfer von der Stadt Alsfeld zeigte anhand einer Powerpointpräsentation zum Thema „Auenprojekt Krebsbach, Schwalm" auf, wie sich durch die Ausweisung der Uferrandstreifen und Aueflächen bereits neue Lebensräume für die die Tier- und Pflanzenwelt entlang der Gewässer Liederbach und Krebsbach entwickelt haben und dass bestehende Konflikte, die zwischen der naturnahen Gewässerunterhaltung und den Ansprüchen der Anlieger bestanden zumindest teilweise befriedet werden konnten. Er stellte außerdem fest, dass Flächen erworben wurden, die der Stadt Alsfeld zukünftig zur Verfügung stehen, wenn Eingriffsmaßnahmen ausgeglichen werden müssen. (GR) +++




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