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      Akuter

Pflegenotstand

Staatliche Regulierung der Personalbesetzung im Pflegedienst der Krankenhäuser

 

Gesundheitsminister Hermann Gröhe will die personelle Besetzungen in Krankenhäusern gesetzlich festlegen. Das heißt, es sollen Personaluntergrenzen für wichtige Krankenhausschichten wie auf der Intensivstation und im Nachtdienst definiert werden. Was halten Sie davon?

 

„Der Mangel an Pflegefachkräften in Krankenhäusern ist nicht neu, sondern schon lange bekannt. Wenn Minister Gröhe das Problem jetzt erst beim Namen nennt und dieses durch einen Mindestschlüssel regeln will, dann kommt das reichlich spät. Das Kind ist schon längst in den Brunnen gefallen.

 

Tatsache ist, dass sich die Anzahl an Pflegepersonalstellen in Deutschland von 1998 bis 2015 kontinuierlich reduziert hat. Und zwar von knapp 420.000 auf rund 321.000 Stellen. Das ist ein Rückgang von 23,5 Prozent. Diese Tatsache wird durch das statistische Bundesamt mit Zahlen belegt. Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Arztstellen von 126.500 auf rund 155.000 Stellen erhöht. Das bedeutet eine Steigerung von rund 22 Prozent. Das sind Fakten.

 

Wenn man berücksichtigt, dass Behandlungsfälle in Krankenhäusern in den letzten Jahren massiv angestiegen sind (auf über 19 Millionen Fälle), dann kann man auch die große Belastung des Pflegepersonals verstehen. Sowohl durch die Mehrarbeit, als auch durch den Abbau von Stellen gibt es eine massive negative Entwicklung. Das spiegelt sich in der Attraktivität des Berufes und in der Qualität der Versorgung wider.“

 

Falls die Krankenhäuser nicht genügend Personal einstellen, drohen ihnen Sanktionen (finanzielle Abschläge bei der Vergütung und Veröffentlichung der Missstände in Qualitätsberichten). Ist das sinnvoll?

 

„Das ist von Seiten der Politik Polemik. Die suchen den schwarzen Peter auf der falschen Seite. Der liegt nicht bei den Krankenhäusern, sondern bei der Gesundheitspolitik.

 

Wir haben in Deutschland seit 1972 ein sogenanntes duales Krankenhausfinanzierungssystem. Das ist gesetzlich verankert. Die laufenden Betriebskosten eines Krankenhauses werden durch die Beiträge der Versicherten - die Kostenträger - abgedeckt. Auf der anderen Seite ist vorgesehen, dass der Steuerzahler – das heißt auf Bundes- und Landesebene -  für die Investitionsfinanzierung zuständig ist. Diese Finanzierung wird seitens der Politik seit Jahren ignoriert. Die gesetzliche Verpflichtung wird dadurch nicht erfüllt.

 

Es gibt einen Investitionsstau von rund 12,5 Milliarden Euro. Solange dieser durch Bund und Länder nicht abgebbaut wird, können der Minister und andere Gesundheitspolitiker den Krankenhäusern nicht drohen. Die ökonomischen Eckdaten sind für die Krankenhäuser momentan sowieso schwierig. Viele müssen eine Erlössteigerung von mindestens fünf Prozent erzielen, um die laufenden Ausgabensteigerungen kompensieren zu können.

 

Das heißt, ein Zuwachs von Pflegepersonalstellen beziehungsweise eine Festlegung von Mindestzahlen ist absolut sinnvoll und schon lange notwendig. Aber die Krankenhäuser können das aus eigener Kraft nicht bewältigen. Das deutsche Gesundheitswesen wurde leider in den letzten Jahren durch Gesundheitsreformen und die Verlagerung der Verantwortung in der Politik immer mehr zu einer Gesundheitswirtschaft entwickelt.

 

Das Gesundheitssystem ist eine ureigene Aufgabe der Gesellschaft und der Politik, sodass diese Aufgabe den Grundregeln der Wirtschaftsökonomie allein nicht überlassen werden kann. Ohne Unterstützung und Verantwortung durch die Politik wird es immer schwieriger, das Gesundheitssystem in Deutschland sozial zu entwickeln.“

 

Warum sind die Stellen der Ärzte kontinuierlich gestiegen und die der Pflegekräfte gesunken?

 

„Das lässt sich durch die gute Lobbyarbeit der Ärzte- und die schlechte Lobbyarbeit der Pflegeverbände erklären. In den 80er- und 90er-Jahren haben die Verbände der Pflegeberufe mehr und mehr medizinische Tätigkeiten an das ärztliche Personal abgegeben. Das hat die ärztlichen Verbände und die Krankenhäuser dazu veranlasst, für diesen Mehraufwand auch mehr Ärzte einzustellen. Das Pflegepersonal war Jahrzehnte lang dazu in der Lage, diese Tätigkeiten durchzuführen - und zwar sehr qualifiziert. Ich persönlich habe diese ganzen Qualifikationen von Krankenschwestern und Pflegern gelernt.

 

Ab den 90er Jahren mussten immer mehr Ärzte eingestellt werden – auch, um die Organisation, die sonst die Krankenschwestern übernommen haben, zu übernehmen. Das ist im Moment die Realität in den deutschen Krankenhäuern: Über 50 Prozent der Tätigkeiten der Ärzte sind nicht medizinisch und könnten auch von anderen Fachberufen zu günstigeren Vergütungen perfekt durchgeführt werden.

 

Die Verantwortlichen der Krankenhäuser sind gut beraten, wenn sie weniger Personalausgaben im ärztlichen Bereich tätigen und dafür mehr in Pflegepersonal investieren. In den Krankenhäusern werden 31,3 Prozent der Kosten für das ärztliche Personal ausgegeben, 30,4 Prozent für den Pflegedienst. Die Ärzte machen jedoch nur einen Drittel im Vergleich zum Pflegepersonal aus – verdienen aber genauso viel.“

 

Neuro-Spine-Center weist guten Personalschlüssel auf.

 

„Es gibt eine weltweit anerkannte Beurteilung des vorhandenen Pflegepersonals in Krankenhäusern: die sogenannte Nurse-to-Patient-Ratio (Verhältnis Pfleger zu Patient). Der Schlüssel ist in Deutschland nicht gut. Zum Beispiel kommen in den USA auf einer Pflegekraft durchschnittlich 5,3 Patienten. In England liegt der Schlüssel bei 8,6:1. Und in Deutschland bei 13,0:1. Daran erkennt man, dass wir in Deutschland einen akuten Pflegemangel haben, der schon seit langem behoben werden muss.

 

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf unsere Zahlen verweisen. Wenn wir unsere Station im Neuro-Spine-Center durchgehend belegen – sieben Tage die Woche – dann haben wir eine Ratio von 4,2:1. An sechs Tagen sogar von 3,7:1. Und damit steht das Neuro-Spine-Center mit dieser Thematik bundesweit sehr gut da. Durch einen guten Personalschlüssel wird die Qualität der Patientenversorgung gesteigert. Auf der anderen Seite wird auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöht. Für mich als Klinikbetreiber gibt es nur positive Aspekte.

 

Natürlich müssen die Personalausgaben für das Pflegepersonal kompensiert werden. Und das tun wir im Neuro-Spine-Center, indem wir andere Ausgaben, die nicht so wichtig sind, reduzieren. Wir bringen die Schere zwischen der Vergütung des Pflege- und des Ärztepersonals auf ein vernünftiges Level.

 

Den Missstand beheben

 

„Der Pflegenotstand ist da. Und das schon seit Jahren. Es ist absolut notwendig, dass der Missstand im Sinne der Qualitätsversorgung und der Sicherheit der Patienten behoben wird. Handeln ist notwendig. Staatliche Verordnungen halte ich jedoch ohne, dass sich über die Ursachen, Entwicklungen und Lösungsmöglichkeiten Gedanken gemacht wurde, für polemisch. In der Verantwortung steht nicht nur die Politik, sondern auch das Ärzte- und Pflegepersonal sowie die Krankenhausführung. Krankenhäuser müssen vor allem mehr Geld in die Hand nehmen, um die Situation für Pflegerinnen und Pfleger zu verbessern. Das schaffen sie jedoch nicht alleine. Hier muss vor allem der Gesetzgeber seinen Pflichten nachgehen – besonders im Hinblick auf den beschriebenen Krankenhausinvestitionsstau.“

 

 

 

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