Osthessen Sport
Georg Müller, Trainer der Hünfelder Handballer, weiß um die Schwere der Aufgabe Fotos: ON|Sport

13.09.2017 - HANDBALL

Hünfeld vor Oberliga-Auftakt

Martin Abel und Georg Müller: "Abgerechnet wird am Schluss"

Der Hünfelder SV startet in das Abenteuer Oberliga. Am Samstag (18:30 Uhr) steigt in der heimischen Kreissporthalle das erste Heimspiel gegen die SG Kleenheim. ON|Sport hat sich mit Abteilungsleiter Martin Abel und Trainer Georg Müller getroffen. Im Interview sprechen die beiden über die Ausgangslage, auf was sich die Region freuen kann und in welchem Bereich der Verein schon Oberliga-Niveau habe.


ON|Sport: „Abstiegskandidat Nummer eins“, „Vielleicht geht’s sogar ohne Punkt runter“. Hört man sich vor dem Start der Oberliga in Handballer-Kreisen um, fallen diese und ähnliche Sätze immer wieder. Wie nimmt man so etwas als Verantwortliche wahr?

Georg Müller: Das ist eine realistische Einschätzung, würde ich sagen. Die Oberliga ist noch einmal etwas anderes als die Landesliga und der Schritt ist sehr groß. Wenn man sich die Bilanz der letzten zehn Jahre ansieht, sind als Aufsteiger aus der Landesliga Nord meines Wissens nur Vellmar und Melsungen in der Oberliga geblieben. Und wenn dann jemand sagt, dass wir Absteiger Nummer eins sind, ist das gut nachvollziehbar.

Martin Abel: Ja, nach dem Aufstieg habe ich das auch so gesehen. Abgerechnet wird natürlich immer erst am Ende. Wenn es aber bei einer entsprechenden Konstellation nur zwei Absteiger geben sollte, haben wir vielleicht das Glück, der Drittletzte zu sein. Es wird schwer, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir können ja aber auch nicht in eine Runde gehen und sagen, wir sind schon abgestiegen. Aber wir gehen auch realistisch an die Sache heran und wollen möglichst für positive Überraschungen sorgen.

ON|Sport: Herr Müller, folgende Situation: Samstagabend, eine volle Kreissporthalle, kurz vor dem Anpfiff. Was werden Sie Ihren Jungs in der Kabine mit auf dem Weg geben?

Müller: Oh, das kann ich heute noch gar nicht sagen (lacht). Das mache ich immer spontan und je nachdem, wie die Stimmung ist. Ich werde bestimmt auf die Situation eingehen, die Sie gerade beschrieben haben. Wir werden – gerade in eigener Halle – um jeden Zentimeter kämpfen. Ob es reicht oder nicht reicht, wird man dann nach dem Spiel sehen.

ON|Sport: Mit der SG Kleenheim kommt gleich einmal der Tabellendritte aus dem Vorjahr.

Müller: Das ist ein riesiger Brocken. Eine Mannschaft, die uns von der Spielweise nur sehr dosiert liegt und sehr zweikampfstark ist. Das ist ja einer unserer großen Schwächen, Zweikämpfe zu führen. Wir sind aber vorbereitet und werden sehen, was wir realisieren können.

Herr Abel, die Hünfelder Handballer bestreiten ihr erstes Spiel in der Oberliga überhaupt. Was hat sich in organisatorischer Hinsicht verändert?

Abel: Wir sind gut vorbereitet und haben weitere Sponsoren akquirieren können. Ansonsten hat sich nicht viel verändert. Wir haben Leute für die verschiedensten Dienste eingeteilt und bereiten rechtzeitig alles vor. Das ist ganz wichtig, dass in der Lounge und in der Halle frühzeitig alles steht. Weil Mannschaften von weiter weg ja auch schon einmal anderthalb Stunden vor dem Spiel da sind.

ON|Sport: Der Aufstieg ist ein Erfolg, der überwiegend mit einheimischen Spielern gelang. In erster Linie ist das eine tolle Bestätigung des eingeschlagenen Weges, oder?

Abteilungsleiter Martin Abel sieht den ...

Abel: Das glaube ich schon. Das war auch eigentlich immer unser Bestreben, möglichst mit eigenen Leuten zu arbeiten. Aber auch bei den Spielern, die jetzt neu dazu gekommen sind, ging es vor allem darum, nicht nur für eine Saison jemand zu holen und eigene Leute zu vergraulen. Wichtig ist, dass man – egal wie die Runde ausgeht – gestärkt aus ihr hervorgeht. Die Neuzugänge haben schon zugesagt, im Falle eines Abstieges weiter für uns zu spielen.

ON|Sport: Der Klub blieb seiner Philosophie treu. Die Neuzugänge sind allesamt jung oder kommen aus niedrigeren Ligen. Ein anderer Weg wäre auch nicht möglich gewesen, oder?

Abel: Ja. Wir können uns nicht vergleichen mit den Fußballern aus Fulda oder Lehnerz. Wir sind ein Verein, der im Fußball hochklassig spielt, im Volleyball in der Regionalliga war und jetzt im Handball Oberliga spielt. Die Sponsoren verteilen sich innerhalb eines Vereins beziehungsweise auf drei erfolgreiche Abteilungen – und das macht sich dann eben schon bemerkbar.

ON|Sport: Herr Müller, Sie haben von Aufstiegstrainer Dominik Jäger übernommen und sind quasi aus dem handballerischen Ruhestand geholt worden. Warum konnten Sie nicht „Nein“ sagen?

Müller: Das ist eine gute Frage. Meine Frau hat die am schnellsten beantwortet (lacht). Sie hat gleich gewusst, dass ich zusagen werde, noch bevor ich das wusste. Es ist einfach die spannendste Aufgabe hier in der Gegend. und ich hätte die Mannschaft auch in der Landesliga übernommen. Es ist eine junge, talentierte Mannschaft, in der noch viel Potential steckt und die noch lange nicht an ihrer Leistungsgrenze angekommen ist. Hinzu kommt, dass ich einige der Spieler schon in der Jugend in Hünfeld trainiert hatte.

ON|Sport: Sie übernehmen eine Mannschaft, die bisher vor allem offensiv gedacht hat und die Defensive teils vernachlässigt hat. Sie verpassten ihr eine neue taktische Ausrichtung und lassen in der Deckung offensiv decken. Wie klappt das mittlerweile?

Müller: Da sind wir auf einem guten Weg. Es dauert aber über einen längeren Zeitraum, bis sich eine Abwehr eingespielt hat. Das kann man nicht in einer Vorbereitung leisten. Aber wie wir das spielen und wir uns entwickelt haben, gefällt mir ganz gut.

ON|Sport: In der Oberliga warten körperlich stärkere Mannschaften. Die in der Vorbereitung intensiv getestete 3-2-1-Abwehr könnte ein probates Mittel sein.

Die Verantwortlichen der Hünfelder Handballer: ...

Müller: Es ist auch eine Deckung, die unseren Spielern von ihrem naturell entgegenkommt. Wir wollen nach vorne spielen, wir wollen Bälle holen und die können sich die Jungs in dieser Abwehr erkämpfen. Ich denke, dass wir mit dieser Formation in unserem Rahmen erfolgreich sein können. Für eine 6:0-Abwehr fehlt uns die Körperlichkeit und zwei, drei Mann, die zwei Meter groß sind. In der Landesliga war das das richtige Mittel, wie man am Erfolg sehen konnte. In der Oberliga aber müssen wir anders spielen.

ON|Sport: In der Vorbereitung fehlten immer wieder Spieler verletzt oder aus anderen Gründen. Welches Fazit ziehen Sie?

Müller: Gestartet sind wir eigentlich ganz gut. Durch den konditionellen Teil, den weitgehend Uwe Hoffmann bestritten hat, sind wir gut durchgekommen und in der Hinsicht auch in einer guten Verfassung. In den letzten vier, fünf Wochen waren wir aber selten vollzählig und das wird man auch noch merken. Das hat sich auch in den Testspielen bemerkbar gemacht.

ON|Sport: In den sieben Spielen gab es nur einen Sieg, den gegen Landesligist Rotenburg. Sie haben aber immer gesagt, dass Resultate für Sie sekundär sind.

Müller: Genau. Wir haben ganz viele Sachen ausprobiert und unterschiedliche Formationen getestet. Von daher haben die Ergebnisse für mich keine große Bedeutung. Ich sehe Fortschritte in der Abwehr und sehe auch, dass wir unser Angriffsspiel ein bisschen darauf angepasst haben, was uns in der Oberliga erwartet.

ON|Sport: Künftig gastieren nicht nur Bundesliga-Reserven in Hünfeld, sondern auch ehemalige Zweitligisten wie Großumstadt oder Kirchzell. Nicht nur sportlich, sondern auch vom Namen her also eine sehr attraktive Liga. Auf was darf sich die Region freuen?

Müller: Es werden hier teilweise Spieler mit sehr großer Erfahrung auflaufen, die in der zweiten und sogar in der ersten Liga gespielt haben. Wir werden aber auch ganz viele junge Talente aus den Nachwuchs-Schmieden von Hüttenberg und Wetzlar zu sehen bekommen. Teilweise werden sogar Jugend-Nationalspieler hier antreten. 

Abel: Die ganze Region freut sich eigentlich. Ich habe von vielen Bekannten, die schon länger nicht mehr beim Handball waren, gehört, dass sie auf jeden Fall kommen. Für den ganzen Handball in der Region ist das gut, dass eine Mannschaft wieder in der Oberliga spielt.

ON|Sport: Letzte Frage an Sie beide: Was werden Sie am Samstagabend gegen 20 Uhr machen?

Müller: Ich denke, dass wir hier stehen werden (Im Sportheim des HSV, Anm. d. Red.) und ganz zufrieden sein werden und sagen können: „Ja, das ist gut gelaufen“.

Abel: Wir werden uns hier treffen und vielleicht auch die Gegner einladen, unsere schöne Lounge zu genießen. Die ist in Hessen vielleicht einmalig. Da haben wir nämlich schon Oberliga-Niveau.

Müller: Oder vielleicht sogar höher (beide lachen).

Herr Abel, Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch! (Tobias Herrling) +++

                    

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