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Bischof mit Neupriestern (v.l.): Andreas Schweimer, Joachim Hartl, Manuel Stickel, Bischof Algermissen, Florian Böth, Thomas Renze. - Fotos: Ulrich Dölle

Der Domchor singt....

24.06.07 - Fulda

"Priester durch nichts zu ersetzen" - Bischof weihte 5 Diakone zu Priestern

Die „überwältigende Beteiligung und Anteilnahme“ der Gläubigen sei ein klares Zeugnis dafür, daß das Volk Gottes Priester brauche, Priester wolle und für Priester dankbar sei. „Tatsächlich können sie in der Kirche durch nichts und niemanden ersetzt werden, nur durch Priester.“ Dies betonte Bischof Heinz Josef Algermissen am Sonntag in einem feierlichen Gottesdienst im Fuldaer Dom, in dessen Verlauf er die Diakone Florian Böth, Joachim Hartel, Thomas Renze, Andreas Schweimer und Manuel Stickel zu Priestern weihte. Der Oberhirte dankte den anwesenden Gläubigen für ihr Zeugnis und bat um das Gebet dafür, daß sich immer wieder junge Menschen bereit erklärten, in besonderer Weise für Jesus Christus zu stehen und auf ihn hinzuweisen.

In seiner Predigt betonte Bischof Algermissen, daß durch die Weihe der Heilige Geist unauslöschlich das Bild Jesu Christi ins Herz eines Menschen drücke. Die Priesterweihe sei ein „Prägemal“, das deutlich mache, daß der Geweihte zu Christus gehöre, weshalb der Bischof bei der Weihe die Hände auflege und den Kandidaten für Jesus Christus in Besitz nehme. „Danach darf niemand anderes mehr die Hand auflegen, um Sie für sich in Beschlag zu nehmen. Sie sind ein für allemal verschenkt – verbindlich und auf Dauer“, hob der Oberhirte hervor. Bei den Hirten in Israel sei es üblich gewesen, den Tieren der Herden ein so tiefsitzendes Siegel einzubrennen, daß es nie mehr entfernt werden konnte.

„Das Priestertum ist nicht eine uns übertragene Vollmacht zu bestimmten Funktionen, die geleistet werden, sondern macht vielmehr unsere Identität aus, prägt bis in die letzte Faser unserer Existenz“, machte der Bischof deutlich. Das Volk Gottes wolle die Priester auch erkennen können, weil die Begegnung mit dem Priester Segen bringe, doch nicht etwa, weil diese so tüchtig seien. Vielmehr habe es Jesus Christus so gewollt und sich selbst als Priester in das Leben der Menschen hinein unkündbar prägen lassen. Man spreche hier von einem „character indelebilis“, einem unauslöschliche Zeichen. „Es ergreift mich immer wieder, daß nach der Priesterweihe die Menschen sich zu Hunderten um den Neugeweihten scharen, um durch seine Handauflegung den Primizsegen zu empfangen“, unterstrich Algermissen.

Alle, denen in der Priesterweihe durch Handauflegung des Bischofs das Bild des guten Hirten eingeprägt worden sei, zeigten sich als gute Hirten, indem sie die Menschen segneten und heiligten; sie seien unwiderruflich in den Dienst am Volk Gottes gestellt. So sei das Weihepriestertum dem „gemeinsamen Priestertum aller Getauften“ zugeordnet und solle deren Verantwortung für das Leben der Kirche fördern. Bei solcher Zuordnung dürfe es indes nicht um Nivellierung der priesterlichen Sendung gehen, betonte Bischof Algermissen. „Der Priester nimmt eine besondere Verantwortung wahr, die er nicht abgeben kann.“ Er diene den Gläubigen nicht dadurch besser, daß er in einer falsch verstandenen Geschwisterlichkeit sein Charisma verwässere und die unaufgebbare, in der Repräsentation Jesu Christi gründende Unterscheidung zwischen Priester und Nicht-Priester einebne.

Eine solche Unterscheidung habe mit klerikaler Machtstellung nichts zu tun. Das ergebe sich schon daraus, daß die erste und grundlegende Frage, die an einen Kandidaten gestellt werden müsse, nur die Frage sein könne: „Bist du bereit, das Priesteramt als zuverlässiger Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten?“ Der kirchliche Dienst des Priesters ist laut Bischof Algermissen nur möglich „unter der Führung des Heiligen Geistes“. Der Priester sei deshalb berufen, als „Werkzeug des Heiligen Geistes“ zu Diensten zu sein. „Es ist die Priesterweihe, die sichtbar macht, daß auch das ganze Leben und Wirken eines Priesters unter dem verheißungsvollen Vorzeichen des Heiligen Geistes steht.“

Im Mittelpunkt des Weihegebetes finde sich die inständige Bitte um das Kommen des Heiligen Geistes in das Leben des Weihekandidaten, damit er ganz im Auftrag des Heiligen Geistes handeln könne, erläuterte der Oberhirte weiter. So werde dieser hingeführt zur tiefen theologischen Wahrheit, daß im Mittelpunkt aller kirchlichen Liturgie und vor allem der Hl. Eucharistie die Epiklese stehe, die Herabrufung des Heiligen Geistes. Ebenso liege es hier begründet, daß das Wort Gottes, das der Priester zu verkünden hat, ein sakramentales Wort sei. „Damit erschließt sich auch der unlösbare Zusammenhang zwischen der Verkündigung des Wortes Gottes und der Feier der Sakramente, vor allem der Hl. Eucharistie, im Leben des Priesters“, folgerte Algermissen. Es verstehe sich schließlich von selbst, daß die Eucharistie im Wirken eines Priesters ihren zentralen Platz einnehmen müsse und sogar seine „eigentliche Lebensmitte“ ausmache. Das priesterliche Leben entarte nur dann nicht zu einem Leerlauf, wenn es im Gebet und der Feier der Hl. Eucharistie „seine bergende Mitte“ finde.

Der Bischof kam sodann auf die Nähe dieser Priesterweihe zum Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers zu sprechen. Der Maler Matthias Grünewald habe dem Täufer Johannes ein sprechendes Denkmal gestiftet. „Im Mittelpunkt seines weltbekannten spätgotischen Isenheimer Flügelaltars in Colmar steht das Kreuz Jesu Christi vor einer dunklen und leeren Landschaft. Zur Rechten des Kreuzes ist die mächtige Gestalt des Täufers Johannes dargestellt. Mit ausgestreckter Hand, deren Zeigefinger expressiv verlängert ist, weist er hin auf den Gekreuzigten.“ Auf dem Hintergrund habe der Maler in lateinischer Sprache ein deutendes Wort des Täufers geschrieben: „Er muß wachsen, ich aber muß kleiner werden“. Johannes sei „ganz auf den Schmerzensmann am Kreuz konzentriert“ und doch zugleich dem Blick des Beschauers zugewandt, als wolle er alle betrachtenden Blicke sammeln und in die richtige Richtung seines Zeigefingers lenken.

Auf den Gekreuzigten und Auferstandenen als Herrn und Haupt der Kirche hinzuweisen, dabei selbst zurückzutreten, um Christus durch die eigene Existenz transparent zu machen, werde für die Priesterkandidaten ein ebenso spannendes wie tief erfüllendes geistliches Abenteuer werden, hob Bischof Algermissen hervor. „Es wird um so besser und eher gelingen, als Sie sich, wie der Täufer Johannes in der theologischen Komposition des Matthias Grünewald, unter das Kreuz des Heilands und Erlösers begeben und damit auch den Zuspruch des Bischofs erfüllen, den er Ihnen gleich bei der Überreichung von Brot und Wein gibt.“

Die Priester ließen sich in den Dienst des gekreuzigten Herrn nehmen, der ihnen in den Schwierigkeiten, die sie auf ihre Weise erführen, vorangegangen sei: scheinbare Erfolglosigkeit, Ablehnung, Enttäuschung, Allein-Gelassen-Werden, Erfahrung der Gottesferne. Es gehöre durchaus zum Priestersein, die Kreuzeserfahrungen der Menschen, für die die Priester da seien, mitzutragen und vor Gott zu bringen. „Im Glauben setzen wir darauf, daß die Kreuzeserfahrung nicht das Letzte ist. Das letzte Wort heißt Leben, Leben in Fülle, in das all unser Tun, auch die Fragmente unseres priesterlichen Bemühens, eingebracht und zur Vollendung geführt werden“, so Bischof Algermissen am Ende seiner Predigt.

Der Domchor Fulda unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber sang bei dem Gottesdienst Chorsätze aus der „Messe solennelle“ von L. Vierne sowie solche von A. Scarlatti und M. Stickel, dazu weitere Choräle im Wechsel mit der Gemeinde. Domorganist Prof. Hans-Jürgen Kaiser spielte zur Kommunion das Adagio aus der 5. Symphonie von Charles-Marie Widor und zum Auszug „Final“ im französisch-romantischen Stil in improvisierter Form. +++


Bischof Algermissen heute bei der Predigt...

Einzug...


Domkapitel beim Einzug

Weihekandidaten beim Einzug


Beten der Allerheiligenlitanei ...

Handauflegung....


Überreichung Kelch und Hostienschale...

Primizsegen...


Überreichung der Ernennungsurkunde für die Kaplanstelle...

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