- Archivfotos: Christian P. Stadtfeld

FULDA"Offener Brief"

Dringender Appell an Politiker und Investoren: "Rettet Cafe PANAMA, rettet L 14"

25.08.16 - Nach dem Verkauf des 7.300 Quadratmeter großen Areals in der Langebrückenstraße 14 an die heimischen Investoren Christopher Burg und Martin Geisendörfer sehen die Mitglieder der "Bürger*innen-Initiative L14" das Initiativen- und Subkulturleben, das sich dort über fast zwei Jahrzehnte entwickelt hat, gefährdet. Sie wollen endlich wissen, was Sache ist. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Bürgermeister Dag Wehner fordern sie diese auf, den Fortbestand der im Café Panama ansässigen Initiativen auch in Zukunft an diesem Standort in Fulda zu sichern. Im Wortlaut heißt es darin:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wehner,

wir appellieren an Sie persönlich und den Magistrat der Stadt Fulda, unser nachfolgendes Anliegen wirkungsvoll zu unterstützen. Auch in unserem gesellschaftlichen als auch kommunalpolitischen Verständnis steht die Lebensqualität der Menschen im Vordergrund. Bürgerliches Engagement mit der Absicht, diese Lebensqualität zu erhöhen, zu ermöglichen, ist ohne Zweifel Ziel aller politischen Akteure in Fulda. Neben Absichtserklärungen und wohlwollend gemeinten Sympathiebekundungen sind konkrete Zusagen und Handlungen erforderlich. Ein solcher Zeitpunkt ist nun gekommen. Wir möchten Sie bitten, uns einen zeitnahen Terminvorschlag zu unterbreiten, um gemeinsam mit Ihnen Lösungswege für die akute Bedrohungssituation durch die Kündigung des Standortes Langebrückenstraße 14 zu erarbeiten. Betroffen sind 20 Initiativen, Projekte und Vereine, die zurzeit auf dem Gelände ansässig sind. Damit ist ein großes, gewachsenes Initiativen- und Subkulturleben in Fulda gefährdet, das sich über den Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten mit Unterstützung des AWO-Jugendwerkes etabliert hat. 

Mit der Kündigung des bisherigen Mietverhältnisses zum Februar 2017 entsteht ein Druckfaktor, welcher nicht nur uns – die in der Langebrückenstraße 14 ansässigen Initiativen - sondern ein breites, bürgerliches Engagement in der Stadt Fulda betrifft. Wir haben uns als Bürger*innen-Initiative L14 (BI L14) entschlossen, zu handeln. Die aktuellen Ereignisse lassen erwarten, dass eine Entwicklung des Geländes hin zum Wohnraum die sozio-kulturelle Nutzung nicht nur beschränkt, sondern schließlich unmöglich werden lässt.

Durch den Verkauf des Geländes ist das gesamte L14 durch andere, noch nicht absehbare Nutzungsabsichten in Frage gestellt. Das Café Panama des Jugendwerks der Arbeiterwohlfahrt bietet eine bislang so noch nie in Fulda dagewesene Bündelung verschiedener soziokultureller Angebote in einem zusammenhängenden Gebäudekomplex. Hier gelingt es bisher, kulturelle Unterhaltung und soziales Engagement, ökologisch, nachhaltige Projekte, freie Kunst und Kunsthandwerk miteinander zu verbinden.

Viele Gruppen, Initiativen, Vereine, aber auch Einzelpersonen, die sich gegenseitig in ihren Zielen unterstützen, machen das Areal in der L14 zu dem, was es ist – einen liebenswerten Ort, an dem es sich lohnt, sich zu engagieren und den viele Menschen gern besuchen. Knapp 18.000 Nutzer, über 250 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie ehrenamtliche Organisatorinnen und Organisatoren verwirklichen jährlich etwa 500 Angebote, unter anderem kulturelle Veranstaltungen, regelmäßige Öffnungszeiten der Angebote, Workshops und Sitzungen unterschiedlichster Art, in der Langebrückenstraße 14. Inzwischen nimmt auch die Integration von Geflüchteten an diesem Ort zunehmenden Raum ein. Rückschritte kann sich da niemand erlauben.

Durch kreative Impulse wurde unbürokratisch Freiraum für individuelle Mitgestaltung geschaffen, der zunehmend von Menschen angenommen wird und in konkreten Projekten Umsetzung findet. Es gibt dabei keine starren Strukturen, sondern sich stetig wandelnde Prozesse. Vor allem konnten und können sich viele junge Menschen ausprobieren und verwirklichen. Dabei werden alle in gruppendynamische Prozesse eingebunden. Ehrenamtlich tätige Menschen gestalten den Raum mit und sind Teil der Entscheidungen. Sie tragen somit auch Verantwortung. Bei den durchgängig nicht profitorientierten Angeboten steht die Einbindung Interessierter im Vordergrund, das heißt, es handelt sich nicht um klassische, zu konsumierende Kultur. Dies motiviert Menschen, ermutigt zu Eigeninitiative, schafft Synergien und stärkt ehrenamtliches Engagement in ganz Fulda.

Das sonstige Angebot in der Stadt erreicht aufgrund ihrer Ausrichtung oder Kosten nicht alle Bürger. Die Angebote im Café Panama füllen einen nennenswerten Teil dieser Lücken und erweitern das Angebot spürbar. Dabei stehen wir nicht in Konkurrenz zu öffentlichen und kirchlichen Trägern, anderweitigen Sozialeinrichtungen und auch nicht zu kommerziellen Anbietern. Um die Stadt für junge Menschen attraktiv zu halten, ist ein "szenetypisches" Angebot unumgänglich. Nur so verbleiben zum Beispiel Studierende länger in Fulda, werden hier vielleicht sogar sesshaft und bringen sich dauerhaft ins städtische Leben ein. Anderen jungen Fuldaern wird ein höherer Anreiz geboten, in der Stadt zu bleiben und sie nicht frühzeitig zu verlassen.

Unser kulturelles Engagement erwirtschaftet keinen materiellen Gewinn. Unser Kapital, das die vielen anderen Gruppen und Initiativen hier miteinander verbindet, ist unser Idealismus, unsere Kreativität und unsere sich ergänzende Vielfalt. Unser Engagement schafft Lebensgefühl und dieses schafft eine Willkommens- und Begegnungskultur. Subkultur schafft kulturelle Werte, sie ist ein wesentliches Kennzeichen bedeutender Städte.

Wir möchten Sie persönlich und die Stadt Fulda als Institution nachdrücklich auffordern, den Fortbestand der im Café Panama ansässigen Initiativen auch in Zukunft an diesem Standort in Fulda zu sichern. Für die Fortsetzung unseres vielfältigen Engagements muss den hier ansässigen und weiteren Gruppen und Projekten Raum zur Verfügung stehen. Dieser sollte möglichst gebündelt an diesem Standort verbleiben, um die langjährig gewachsene, aktive Vernetzung und Synergien fortzusetzen, die ein Ort wie die Langebrückenstraße 14 aktuell ermöglicht. Anbei erhalten Sie die ersten rund 600 Unterstützungsunterschriften für einen Fortbestand der Langebrückenstraße 14.

Mit freundlichen Grüßen,

Bürger*innen-Initiative L14"  +++


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