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Die Schrittfolge wird Stück für Stück einstudiert

konzentriert wird überlegt, welche Figur als nächste kommt - Fotos: Renate Reus

20.02.11 - Großenlüder

Der besondere Kick: Line Dance / Country-Tanzsport mit immer mehr Anhänger

Auch In Osthessen findet eine Tanzart immer mehr Anhänger: Line Dance. Frauen und Männer, Junge und Alte, tanzen dabei zusammen, aber nicht paarweise, sondern in Linien, mit einheitlichen Tanzschritten je nach Rhythmus des Musikstückes. Sehr beliebt ist dabei Live-Musik von Bands, die ihre Songs auf die Ansprüche der Linedancer ausrichten. Dabei handelt es sich um junge Country-Musik, „new country“ genannt, Country-Musik der neueren Generation, die nur noch wenig mit den Traditionals etwa von Johnny Cash zu tun hat und durchaus auch Rhumba- oder Samba-Rhythmen enthalten kann. Line Dance, das ist eine Art Volkstanz, die Anfänge finden sich in Nordamerika, wo der Tanz auch durch Einflüsse europäischer Einwanderer entstand und ein wenig noch an irischen Stepptanz oder schottischen Highland Dance erinnert. So bunt gemischt wie die Musik sind auch die Tänzer und zumeist sind sie nicht in einem Verein organisiert, sondern sie folgen den Bands zu den Live-Auftritten.

Auch in Großenlüder hat die Faszination „Line Dance“ rund 30 Frauen und Männer gepackt: Sie nennen sich Wild-Bill-Linedancer und üben jeden Donnerstagabend in „Wild Bill`s Western Saloon“ am Ortsrand von Großenlüder. Zu flotten Melodien der New Country-Musikrichtung werden hier Schrittfolgen einstudiert und anschließend gleich in Tänzen zur Musik umgesetzt.

Zur Live-Musik in Großenlüder

Im Sommer 2010 eröffnete der Western Saloon im ehemaligen Café Odenwald am Ortsrand von Großenlüder. Pächter Willy suchte als Betreiber eines Bowling-Centers in Fulda ein zweites Standbein. Eine Mitarbeiterin machte ihn darauf aufmerksam, dass es in der wachsenden Line-Dance- und Westernszene eine Marktlücke gebe. In Fulda und Umgebung wird nur selten Live-Musik für die Linien-Tänzer angeboten. Mittlerweile hat sich der Großenlüderer Saloon in der Line-Dance-Szene bereits einen Namen gemacht vor allem mit abwechslungsreicher Live-Musik Samstagabends, zu der eben „Line Dance“ auf der Tanzfläche möglich ist.

Vor dem reinen Tanzvergnügen steht jedoch immer das Einstudieren der einzelnen Tänze. Gegen 20.30 Uhr beginnt der Donnerstagabend im Saloon. Nach und nach treffen die Tänzer ein und nehmen an den kleinen Tischchen oder den Barhockern Platz. Sobald die erste Scheibe am Mischpult aufgelegt wird, hält es die meisten nicht mehr auf dem Stuhl: die Tanzfläche füllt sich schnell; ein, zwei machen die ersten Schritte, ohne große Worte hat man sich auf den entsprechenden Tanz zur Musik geeinigt und es geht los: in drei, vier Reihen bewegt man sich hinter- und nebeneinander ziemlich synchron vorwärts, rückwärts, mit Drehungen und Seitenschritten. Die Hände stecken meist lässig in den Hosentaschen, Jeans und Karo-Hemden bilden ein Meer aus swingenden Körpern, Lederstiefel drehen sich auf dem Boden, der eine oder andere Cowboyhut ragt aus dem Tanzheer heraus.

Ursprünge in der US-Kaserne

Dann übernimmt Thomas die Führung. Seit 1992 gehört seine Freizeit dem Line Dance. Begonnen hat alles im „Nashville No 2“ in der Maberzeller Straße in Fulda. In der nahen Kaserne pflegten die Amerikaner ihre moderne Version des Volkstanzes, aber dort hatte nicht jeder, schon gar nicht Jugendliche unter 18 Jahren, Zutritt. Dann öffnete das „Nashville No 2“. „Es war damals die erste Kneipe in der Region mit öffentlichem Line Dance“, erinnert sich Thomas. Dort gründete sich der erste Linedance-Club in Fulda, der „Crazy Wild Bunch“. „Fast alle Linedance-Gruppen im Fuldaer Raum entwickelten sich aus diesen ersten Treffen heraus“. In Fulda gibt es heute als Interessengemeinschaft die „steppin country linedancer“, in Rhönshausen nennen sie sich „Goldenstream-Linedancer“, weitere Gruppen existieren in Gersfeld, Dalherda, Neuhof, Wildflecken, Kothen, Motten, Volkers, im Ulstertal und im Vogelsberg in Lingelbach und Leimsfeld.

Als Wild Bill´s Western Saloon in Großenlüder öffnete, wurde Thomas von einem Freund gefragt, ob er dort die Linedancer trainieren würde. Ohne Entgelt, einfach als Hobby und zum eigenen Vergnügen. Da er schon einmal 14 Jahre lang eine Gruppe mit betreut hatte, wagte Thomas den Wiedereinstieg. Mit ein bisschen Lampenfieber aber viel Unterstützung durch seine vom Linedance-Hobby ebenfalls begeisterten Freunde startete Thomas im Sommer. Mittlerweile haben die Großenlüderer Linedancer schon so etwa 20 verschiedene Tänze in ihren Grundschritten parat. Darunter gibt es auch einige Paartänze und Contratänze (diese werden gegenüberstehend getanzt). Das Durchschnittsalter der Tänzer liegt bei 35 plus. „Die Jüngeren“, meint Thomas „werden hier in der Region von den Faschingsvereinen abgegriffen“. In anderen Gegenden in Deutschland, etwa im Erfurter Raum, sind auch viele Jüngere dabei, die eben nicht die Gelegenheit zum Gardetanzen haben.

Schrittfolge einstudieren

Mit dem Mikrofon in der Hand erläutert Thomas zunächst die einzelnen Tanzschritte und macht sie vor. Musste anfangs noch jeder „Fachbegriff“ erklärt werden, wissen die Großenlüderer Linedancer mittlerweile, was sie machen müssen, wenn ein „shuffle“, ein „grapevine“ oder ein „stomp“ angesagt sind. Aber auch ein Neuling kommt durch die wiederholte und geduldige Anweisung von Thomas oder seiner „rechten Hand“ Petra rasch in die Schrittfolge hinein und kann mitmachen. Alle rundum helfen, keiner wird ausgelacht, wenn er einmal falsch dreht und der Schritt in die andere Richtung geht. Nach der „Trockenübung“ ohne Musik legt Thomas ein dem Tanz entsprechendes Stück auf dem CD-Player ein und führt die Tänzer wieder mit dem Mikro und zur Musik durch die Bewegungen. Dann wird wiederholt und wiederholt, bis es bei allen „sitzt“. Nach einem Päuschen geht es zurück auf die Tanzfläche und jetzt wird ohne Ansage geübt. Mit jedem Mal klappt es besser. Wer einmal eine Schrittfolge vergessen hat, schmunzelt und reiht sich einfach wieder ein.

Auch im Internet kann man auf speziellen Line-Dance-Seiten die Schrittfolgen der gängigen Tänze lernen, aber miteinander auf der Tanzfläche macht es mehr Spass, zeigen die Großenlüderer. Sie kommen nicht allein aus dem Ort, viele reisen vom Fuldaer Raum und vom Nachbarlandkreis Vogelsberg an, um donnerstags und manchmal auch sonntags in Wild Bill`s Western Saloon zu üben.

Der Höhepunkt für die Linedancer ist dann der Samstag, wenn im Saloon Live-Musik zu hören ist. Ein Highlight ist dabei die Fuldaer Band „Cool Country“. Da erscheinen dann nicht nur Wild-Bill-Linedancer, sondern auch Fans dieses Tanzsportes von anderen Vereinigungen, die sich an den Auftritten der Bands orientieren. Das weitere Publikum besteht aus den Anhängern der Country-Musik mit ihren unterschiedlichen Facetten. „Wer Country-Musik liebt, muss kein Linedancer sein“, sagt Thomas, „aber ein Linedancer muss die Country-Musik lieben“, denn nur davon wird er auf die Tanzfläche gelockt. So platzt der Saloon an manchen Samstagen schon aus allen Nähten. Für den Sommer plant Pächter Willy von Wild Bill`s Western Saloon Open-Air-Konzerte in seinem großen Biergarten. Dafür muss aber noch an der Infrastruktur mit Bühne und eventueller Überdachung gearbeitet werden. Thomas, Willy und sein Team haben ein Ziel vor Augen: möglichst viele Gruppen sollen zur Live-Musik nach Großenlüder kommen, um Musik zu machen, zum Linedancen oder um einfach den Westernflair zu genießen.

Informationen über den Linedance gibt es im Internet unter: [email protected] Die Live-Band-Auftritte sind unter www.wild-bills-westernsaloon.de gelistet. (Renate Reus) +++


Na, was macht der Vordermann oder die Vorderfrau?

drehen und wieder nach vorne - Stiefel-Parade


ein Tanz für jedermann und jede Frau

Thomas leitet die Will-Bill-Linedancers an


das T-Shirt der Wild-Bill-Linedancer

es geht sportlich zu


Thomas am Plattentisch

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