BAD HERSFELD Festspiel-Stars im Portrait (10)

Kein devoter Respekt - Cusch JUNG bringt "My Fair Lady" erstmals in Stiftsruine

31.07.16 - "Wir sind alle sowas von begeistert. Hier gibt es jeden Abend Standing Ovations. Die Leute trampeln und jubeln vom ersten Augenblick an", schwärmt Cusch Jung von den bisherigen Aufführungen des Musical-Klassikers "My Fair Lady" bei den Bad Hersfelder Festspielen. Unter seiner Regie läuft das Erfolgsmusical erstmals in der Stiftsruine. Verwunderlich, auch für ihn, dass das Stück es bei der langen Musicalgeschichte der Festspiele noch nie zuvor auf die geschichtsträchtige Bühne geschafft hat. 

Ein möglicher Grund dafür könnte laut dem Regisseur der räumliche Aufbau sein. Ein Großteil des Stückes spielt in Professor Henry Higgins Studierzimmer und das auf der gigantischen Freilichtbühne in Bad Hersfeld darzustellen ist gar nicht so einfach. Für seine Version des Stückes hat Cusch Jung sich für ein zutiefst englisches Bühnenbild mit perfektem Rasen, hellen Zäunen und Pferderennbahn entschieden. Und inmitten dieser Kulisse befindet sich das Studierzimmer in einem kleinen beweglichen Zelt. "Wir sind in die Offensive gegangen", sagt er. Der weite Raum wird so in mehrere kleine Spielstätten unterteilt. 

Das scheint anzukommen. Die bisher konstant positiven Publikumsreaktionen sind dennoch keine Selbstverständlichkeit und Cusch Jung weiß sie sehr zu schätzen. "Das ist ja keine Schenkelklopfer-Komödie, sondern ein sehr hoch angesetztes, intelligentes Stück", ist er sich bewusst. "Man merkt, wie der Zuschauer sich unterhalten lassen möchte. Die Leute haben Lust und sie geben uns die Lust zu spielen."

Das Wörtchen "uns" ist hier nicht bloß Solidarisierung mit seinem Ensemble, sondern Tatsache. Cusch Jung führt nicht nur Regie, er spielt auch mit. In der Rolle des Professor Henry Higgins stand er schon des Öfteren auf der Bühne und so war es für ihn direkt klar, dass er auch in Bad Hersfeld den Wissenschaftler verkörpern möchte. "Ich mache beides zu gerne", sagt er mit einem Lächeln. Die Doppelaufgabe funktioniere allerdings nur mit einem guten Assistenten, denn aufschreiben tut Cusch Jung schon lange nichts mehr. 

Er ist Autodidakt, hat das Schauspielen im Theater gelernt. Mit zwölf Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne und ist danach nie wieder von ihr losgekommen. Cusch Jung lernte, indem er seine Vorbilder adaptierte, Menschen studierte. Irgendwann merkte er, dass er seine Vorbilder auch führen kann und arbeitet seitdem auch erfolgreich als Regisseur. "Devoter Respekt ist mir fremd", sagt er selbstbewusst. Und das ist es wohl auch, was ihn im Umgang mit seinem Ensemble und all den Menschen hinter der Bühne so sympathisch macht. 


Theaterbesuch soll sich lohnen

Fragt man Cusch Jung nach seinem Team, ist er voll des Lobes. Auch bei Doppelvorstellungen komme keine Müdigkeit oder schlechte Laune auf. Die Lust, auf die Bühne zu gehen sei immer da. Publikum und Ensemble sind für ihn im Wechselspiel. Cusch Jung ist sich bewusst, dass die Besucher oftmals viel Geld für ihren Theaterbesuch ausgeben und das soll sich auch lohnen. "Ich mache Theater für den Zuschauer und mache auch gerne unterhaltendes Theater." 

Die Menschen zum Lachen zu kriegen ist in seinen Augen allerdings schwierig. Eine Menge Präzision sei hier von Nöten. "Das ist wahnsinnig schwer und man weiß bis zum letzten Moment nicht, ob es funktioniert", sagt er. Bis zu dem Tag an dem das Publikum in der Vorstellung sitze, bekomme man kaum Feedback und wisse nicht, ob die Arbeit und die vielen kreativen Gedanken ankommen. Aus eben diesem Grund ist Cusch Jung, wenn er denn einmal nicht selbst mitspielt, einer der Regisseure, die sich unbedingt die Aufführungen seiner Inszenierungen ansehen. Er möchte sehen, wie das Publikum reagiert und genießt den Erfolg dann auch gerne. 


Der Zuschauer entscheidet

Große Freude macht Cusch Jung bei dieser Inszenierung vor allem seine Hauptdarstellerin und Spielpartnerin Sandy Mölling. Natürlich sei sie anfänglich etwas unsicher gewesen, aber der Zuschauer entscheidet, was gut ist und was nicht - und im Falle von Mölling sind die Reaktionen von Publikum und Kritikern bisher durchweg positiv. Nichts mehr erinnert an das Popsternchen aus den frühen 2000ern. In den schönen Bildern, die "My Fair Lady" zeichnet, steht sie zwischen alten Musicalprofis mit wunderbarer Selbstverständlichkeit.

Ein schmerzliches Thema bei derartig schönen Bildern können Kürzungen sein und im Fall von "My Fair Lady" ist Jung davon gleich doppelt betroffen. Als Schauspieler steckt eine Menge seiner darstellerischen Leistung darin und auch als Regisseur gibt es Streichungen, die ihn anfänglich schlucken lassen. Am Ende jedoch siegt meist die Vernunft. "Das ist traurig, man kann lange darüber diskutieren, aber einer muss die Entscheidung treffen. Da muss man manchmal über den eigenen Schatten springen." - Immer mit Blick auf den Fluss einer Inszenierung und in Bad Hersfeld ist Cusch Jung mit dieser auch trotz einiger Kürzungen durchaus zufrieden.

"My Fair Lady" läuft noch bis einschließlich 7. August bei den Bad Hersfelder Festspielen. Die verbleibenden Vorstellungen sind bereits ausverkauft. (Sabrina Ilona Teufel) +++


Foto: Sabrina Ilona Teufel


Über Osthessen News

Kontakt
Mediadaten
Werbung
Impressum

Apps

Osthessen News IOS
Osthessen News Android
Osthessen Blitzer IOS
Osthessen Blitzer Android

Service

Stellenangebote
Veranstaltungskalender
Wetter Vorhersage
Biergärten
Freizeit Tipps
Mittagstisch
Beilagen
Benzinpreis Vergleich

Social Media

Facebook
Twitter
Instagram

Nachrichten aus

Fulda
Hersfeld Rotenburg
Main Kinzig
Vogelsberg
Rhön