- Fotos: Erich Gutberlet

BAD HERSFELD "Messa da Requiem"

Ben BECKER und 200 Musiker bringen Verdi-Requiem auf die Ruinenbühne

07.08.16 - Noch vor einigen Monaten schien die Zukunft der Oper und der klassischen Konzerte in der Stiftsruine Bad Hersfeld ungewiss. Seit Samstagabend aber strahlt sie wieder. Mit einer besonderen Aufführung von Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" sicherte Intendant Dieter Wedel ihren Fortbestand im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele. Die großen Klänge, der besondere kompositorische Geist des "Verdi-Requiem", das bereits früh als "Oper in liturgischem Gewand" bezeichnet wurde, wird in dieser Inszenierung wunderbar unterstrichen durch Schauspieler Ben Becker, der mit seiner besonderen Stimme und seinem herausragenden Ausdruck Texte aus der Bibel und lyrischen Werken der Weltliteratur liest.

Ben Becker

Die Musiker überzeugen mit ihrer Leistung

Die "Messa da Requiem" wurde zum Tod des italienischen Dichters Alessandro Manzoni im Jahr 1874 erstmals aufgeführt. Verdi schrieb es basierend auf der Totenmesse. Die Besetzung wählt er am Beispiel der einer Oper. Neben dem Orchester ist das Requiem für Chor und vier Solisten (Sopran, Mezzosopran, Tenor und Bass) komponiert. Der Hessischer Konzert- und Festspielchor mit einer Stärke von etwa 120 Sängerinnen und Sängern stand so am Samstag mit Chorleiter und Dirigenten Ulrich Metzger sowie mit den vier erfahrenen und rennomierten Opernsängern Evelina Dobraceva (Sopran), Constance Heller (Mezzosopran), Sung Min Song (Tenor) und Tobias Schabel (Bass) auf der Ruinenbühne. Das Karlsbader Sinfonieorchester und Mitglieder der Virtuosi Brunenses unterstützten sie versiert und mit großer Präzision und Spielfreude. Ulrich Metzgers Beharrlichkeit hat die Stadt Hersfeld diese Aufführung zu verdanken. Er ist der geistige Motor des Ganzen gewesen mit Unterstützung von Joern Hinkel. Er hat diesen Chor mitgegründet, seit Monaten dieses Werk in Bad Hersfeld, Marburg und Frankfurt a.M. mit den Chören einstudiert, die Orchester zusammengeführt, die Solisten ausgewählt. 

Der Musikalische Leiter und Dirigent Ulrich ...

Verdis Klänge vermögen, das ist keine Neuheit, große Spielstätten zu füllen. In der Stifsruine hat die "Messa da Requiem" einen ganz besonderen Rahmen gefunden. Wenn sich die mehr als 200 Musiker auf der riesigen Bühne der romanischen Ruine aufbauen, ist das imposant, sie wirkt wirklich gut gefüllt - bei diesem Raum und seiner besonderen Würde keine Leichtigkeit. Nicht nur optisch, auch musikalisch werden Chor, Orchester und Solisten dem Raum gerecht, machen ihn noch etwas zauberhafter.

Evelina Dobraceva (Sopran)

Etwas abseits der Musiker steht Ben Becker auf einer kleinen Rednertribüne an einem Pult. Alles schwarz, ganz reduziert. Still ist dieser Ben Becker, wenn er auf das Pult tritt und zwischen seinen Redeanteilen immer wieder hinter die Bühne geht. Er gibt der Musik den Raum, nimmt sich selbst nicht so wichtig und gerade wichtig genug. Er liest aus der Bibel, aus den Büchern Hiob, Johannes und Jesaja. Neben den Bibeltexten liest er aus Werken der Weltliteratur, spricht Passagen aus "Der Tod und das Mädchen" von Matthias Claudius und dem "Agnus Dei" - dem Lamm Gottes - in Gedichtform von Paul Verlaine. Dabei zeichnet Becker vom Tod und so dem zentralen Kern des Requiem kein einseitiges Bild, denn das tat auch Verdi seinerzeit nicht und das tun auch heute die Musiker nicht. Als Spiel von Furcht und Hoffnung, von Ende und Offenbarung erscheint der Tod in dieser Inszenierung noch mehr als ohnehin schon. Zwischen den Sätzen tritt Becker viermal auf sein Pult. Er liest die Texte nicht bloß, sondern spielt sie. Mit seiner besonderen Stimme erfüllt er den Raum, berührt seine Zuhörer, entführt und fokussiert sie. Ihm nicht zuzuhören geht nicht, ist doch nicht nur seine Stimme eindringlich, auch seine Interpretation, sein dezentes Spiel mit dem Text ist es. Becker gibt dem Publikum Optimismus, Nachdenklichkeit, Angst und Liebe. Die Kombination biblischer und klassischer Texte ist homogen.

Der Hessische Konzert- und Festspielchor

Sprecher und Musiker arbeiten Hand in Hand. Becker spricht zu Beginn, vor dem Offertorio, dem Sanctus und dem Agnus Dei. Er unterstützt die Struktur, setzt spannende Akzente. Die Musiker spielen und singen Verdis Werk mit Herz. Sie sind engagiert, präzise und beherrschen sowohl die laute Imposanz, als auch die Zartheit in der das Requiem über den Menschen und sein Verhältnis zum Tod malt. Herausragend sind vor allem die Solisten Evelina Dobraceva und Sung Min Song. Beide singen mit besonderer Kunstfertigkeit und Eindringlichkeit und wirken dabei leicht. Frei von Druck intonieren sie und sind eine Freude für das Ohr. Insgesamt eine stimmige und ansprechende Inszenierung des Requiems von Verdi.

Nicht für die Toten, sondern für die Lebenden ist Verdis Requiem geschrieben. Und für die Besucher der Stiftsruine am Samstag war es offensichtlich ein Hochgenuss. Mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus dankten sie den Küsntlern. Die "Messa da Requiem" wird in dieser Form am 8. August 2016 noch einmal aufgeführt. Karten und weitere Informationen gibt es unter: www.bad-hersfelder-festspiele.de (Sabrina Ilona Teufel) +++

Die Solisten (von links) Tobias ...

Der Musikalische Leiter und Dirigent ...


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