Festspiel-Stars im Portrait (9)

Horst Janson, der ewige Bastian, mit noch immer jugendlichem Charme

Foto: Gudrun Schmidl - Horst Janson, der ewige Bastian, begeistert noch immer sein Publikum. An seiner Seite Ehefrau Hella

04.08.2017 - Horst Janson - einer der bekanntesten und beliebtesten deutschen Schauspieler weilt in der Festspielstadt. In der Wiederaufnahme der „Hexenjagd“ in der Inszenierung von Intendant Dieter Wedel verkörpert der 81-Jährige den etwa gleichaltrigen Bauern Giles Corey, der den Hexenprozessen von Salem zum Opfer fiel. Für Horst Janson, der in über 150 internationalen und nationalen Spielfilmen und TV-Produktionen/Serien mitwirkte, nach eigenen Angaben eine kleine, aber gute Rolle, die er auf der Festspielbühne mit Leben füllt: „Wenn ich da bin, bin ich da und bemerkbar“. Seine Zusammenarbeit mit Dieter Wedel kommentiert er so: „Er ist ein sehr, sehr guter Regisseur. Wenn er Kritik übt, ist sie berechtigt“.



Jansons Aufstieg als Schauspieler begann 1959 mit „Die Buddenbrooks“, vier Jahre später wurde er bei den Bad Hersfelder Festspielen engagiert, damals mit Intendant William Dieterle an der Spitze. Dieser bestand darauf, dass die Schauspieler ausgelastet sind und so brillierte Horst Janson nicht nur als Lysander in Shakespeares „Sommernachtstraum“, sondern spielte außerdem in Dürrenmatts Theaterstück „Ein Engel kommt nach Babylon“ einen der drei Dichter und bekam in dem Klassiker „Becket oder die Ehre Gottes“ sogar eine „tragende Rolle“ als 2. Diener. „Mein Kollege und ich mussten eine Kiste quer über die Bühne tragen, diese zwischendrin kurz abstellen, einen kleinen Dialog sprechen und mit Kiste abtreten“, lacht der gefragte Schauspieler, der erst im vergangenen Jahr wieder nach Bad Hersfeld zurückkam. „Früher habe ich gerade im Sommer viel gedreht“, vermutet er als einen Grund für seine lange Abstinenz. Es gab aber auch Zeiten, da hatte Horst Janson wenig zu tun. Deshalb freut er sich umso mehr, dass im Alter „gute Sachen kommen“.

Bis kurz vor seiner Abreise nach Bad Hersfeld spielte Horst Janson in der Komödie „Kerle im Herbst“ mit Hans-Jürgen Bäumler, Christian Wolff und seiner Tochter Sarah Jane Janson zunächst 57 Vorstellungen im „Contra-Kreis-Theater“ in Bonn und anschließend 54 Vorstellungen in der „Komödie Bayerischer Hof“ in München hintereinander und ohne einen Tag Pause, dafür aber mit unglaublich viel Text. Das Pensum hat ihm alles abverlangt. Ab Herbst 2017 geht er mit diesem Stück deutschlandweit auf Tournee.

Horst Janson als Giles Corey in ...Archivbilder: Martin Engel

Horst Janson ist es gewöhnt, täglich auf seine Paraderolle „Bastian“ in der gleichnamigen TV-Serie angesprochen zu werden, mit der er zur TV-Ikone wurde. Hier spielte er Bastian, den langhaarigen, lässigen Lehramtsstudenten, der sich in eine 40-jährige Ärztin (Karin Anselm) verliebte. Diese Rolle, für die der damals 37-Jährige eigentlich zu alt, aber die passendste Besetzung war, blieb im kollektiven Gedächtnis. Janson nennt ein wichtiges Argument für den Erfolg der unvergessenen, 1973 im ZDF ausgestrahlten TV-Serie: „Jeder Film, jede Serie braucht ein gutes Buch und gute Dialoge wie bei „Bastian“ vorhanden. Das wird heutzutage häufig vergessen“. In Deutschland völlig unbeachtet, weil er weder im Kino noch im Fernsehen gezeigt wurde, blieb dagegen der zeitgleich gedrehte und weltweit beachtete Kultfilm „Captain Kronos Vampire Hunter“, in dem Horst Janson die Hauptrolle übernahm. Allerdings ist der originelle Film seit 2004 als DVD im Rahmen einer Hammer-Film-Edition erhältlich. „Die Arbeit an dem Film hat irrsinnig viel Spaß gemacht. Ich bekam nachher Autogrammwünsche aus der ganzen Welt“, freut sich Horst Janson.

Auch für die Rolle des „Old Shatterhand“, die er 1998 bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg verkörperte, war er nach eigener Einschätzung im Grunde zu alt. Aber auch hier profitierte er von seinem jugendlichem Charme und seiner Sportlichkeit, konnte seine Reitkünste unter Beweis stellen und machte auch bei den Fechtszenen eine gute Figur. Eine schöne Abwechslung in seinem Schauspielerleben, die sich auch noch finanziell lohnte: „In Bad Segeberg verdienen die Gaststars sehr gut“. Unvergessen ist er vielen Fernsehzuschauern auch in der TV-Hauptrolle als „Kapitän Bernd Jensen“ in „Unter weißen Segeln“. Maßgeschneidert für den begeisterten Hobby-Segler Horst Janson, denn als Film-Kapitän hielt er auf der „Royal Clipper“, einen der größten Segler, den es noch auf der Welt gibt, den richtigen Kurs. Seine sportlichen Ambitionen auch als Tennisspieler haben inzwischen allerdings nachgelassen, ihm genügt es, „auf der Bühne rumzuturnen“.

Das ist ihm noch bis zur letzten Vorstellung der „Hexenjagd“ am Freitag, 11. August, auf der Festspielbühne möglich.
Horst Janson ist begeistert, wie sehr sich die Spielstätte Stiftsruine seit 1963 verändert hat. Zum einen lobt er die technischen Möglichkeiten, aber besonders auch den Komfort für die Besucher durch die mögliche Überdachung des Zuschauerraumes und die Tribüne mit bester Sicht von allen Plätzen. „Damals saßen die Zuschauer im Regen, hielten Schirme über die Köpfe“, gehört zu den Erinnerungen des Vollblutschauspielers, der auch nach 58 Jahren erfolgreicher Berufstätigkeit im Scheinwerferlicht und einem von großem öffentlichen Interesse begleiteten Privatleben mit Höhen und Tiefen noch nicht ans Aufhören denkt. Für alle Vorstellungen von Hexenjagd sind noch Eintrittskarten erhältlich. Ticket-Service: Am Markt 1, 36251 Bad Hersfeld, Telefon +496621 640200, [email protected]
(Gudrun Schmidl) +++