Wedel zieht (Erfolgs-) Bilanz

Marke geknackt: 100.000 Zuschauer besuchen Bad Hersfelder Festspiele

Fotos: Anna Weyh/Stefanie Harth - Ziehen Bilanz (v.li.): Bürgermeister Thomas Fehling, Festspielintendant Dieter Wedel und Joern Hinkel, künstlerischer Leiter.

24.08.2017 - Krönender Abschluss der 67. Bad Hersfelder Festspiele ist am heutigen Mittwoch der große Gala-Abend mit Helen Schneider und Freunden inklusive der Verleihung des Zuschauerpreises. Zeit für den Intendanten, Bilanz zu ziehen. Eines vorneweg: Der Theaterreigen hat die 100.000-Zuschauer-Marke geknackt. Das gab es zuletzt vor 16 Jahren. Erstmals in der Geschichte der Festspiele waren sowohl Schauspiel als auch Musical vier Monate vor den Premieren ausverkauft.



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„In diesem Jahr haben die Festspiele noch einmal an Bedeutung und überregionaler Wahrnehmung gewonnen – wir haben einen kräftigen Sprung nach oben gemacht“, sagt Wedel. „Dass wir beim Schauspiel schon lange vor der Premiere ausverkauft waren, liegt sicherlich am Thema Luther, aber auch am Vertrauen in die Qualität der Aufführungen, das uns die Zuschauer mittlerweile entgegenbringen.“ Es sei gelungen, mit anspruchsvollen Produktionen volles Haus zu haben. Die Festspiele seien keine „Vergnügungsbude“, man müsse sich über Qualität definieren.

„Martin Luther – Der Anschlag“ (29.587 Zuschauer), „Titanic“ (28.000 Zuschauer), „My fair Lady“ (15.000 Zuschauer) und „Die 39 Stufen“ (5.866 Zuschauer) waren zu fast 100 Prozent ausgelastet. Immerhin 8.000 Theatergänger wollten „Hexenjagd“ sehen, was einer Auslastung von 76 Prozent entspricht. 3.168 Kinder und Erwachsene ließen sich vom „Tapferen Schneiderlein“ (Auslastung: 98 Prozent) in den Bann ziehen; 1.999 Opernfreunde ließen sich von der „Italienischen Nacht“ (Auslastung: 75 Prozent) entführen.

„Die Festspiele haben eine neue Dimension erreicht“, betont der Intendant. Jetzt müsse das hohe Niveau gehalten und das Spiel der Spiele weiterentwickelt werden. „Die anspruchsvollen Großproduktionen in diesem Jahr haben die Mitarbeiter der Bühnentechnik, der Schneider- und Maskenwerkstätten, der Requisite, die Kleindarsteller und die Bediensteten in der Verwaltung an die Grenze ihrer Belastbarkeit gebracht. Sie waren buchstäblich am Anschlag“, meint Wedel, der den Hut vor den Komparsen zieht. „Das ist gelebte Theaterliebe.“

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Über 100.000 Besucher in einer Saison und ein gewaltiges überregionales Medieninteresse seien ein entscheidender Image- und Wirtschaftsfaktor für die Stadt, untermauert Bürgermeister Thomas Fehling. „Ich bin zuversichtlich, dass das Ergebnis der Studie, die wir in Auftrag gegeben haben, um die Umwegrentabilität der Festspiele zu berechnen, den hohen wirtschaftlichen Faktor des Theater-Ereignisses für Bad Hersfeld belegen wird“, unterstreicht der Rathauschef. Mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Studie der Hochschule Worms, Fachbereich Touristik und Verkehrswesen, wird in diesem Winter gerechnet.

Wedel plädiert für ein „überparteiliches Projekt Festspiele“. Er wünsche sich einen festen Zuschuss, „damit das jährliche Gezerre um den Etat aufhört und wir Planungssicherheit haben“. Kultur sei mehr als ein Wirtschaftsfaktor oder Imagesteigerung – sie sei unabdingbar für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. „Kultur kostet Geld, da darf man nicht nur nach dem Preis, sondern muss auch nach dem Wert fragen.“

Der Gesamt-Etat der 67. Bad Hersfelder Festspiele beläuft sich auf 7,5 Millionen Euro. Der städtische Zuschuss liegt bei 1,2 Millionen Euro. Rund 60 Prozent des Festspiel-Haushalts werden über Kartenverkäufe und Sponsoren abgedeckt. Sowohl Bürgermeister Fehling als auch Intendant Wedel weisen darauf hin, dass eine seriöse Geschäftsbilanz erst im Winter gezogen werden könne, da das Geschäftsjahr der Saison bis zum 31. Dezember laufe und viele Buchungsvorgänge noch nicht abgeschlossen seien. (pm/Stefanie Harth) +++