Große Abschluss-Gala der Festspiele

Helen Schneider und die Magie der Stiftsruine für alle spürbar

Fotos: Gudrun Schmidl - Helen Schneider, Gesangs-Legende, Musicalstar, Schauspielerin und Jazz-Lady voller Energie und Intensität

25.08.2017 - Einen wahrlich würdigen Abschluss der 67.Bad Hersfelder Festspiele erlebte das Publikum in der voll besetzten Stiftsruine am Mittwochabend. „Helen Schneider And Friends – Land Of Dreams“ war die Abschluss-Gala überschrieben, die die Magie der Stiftsruine für alle spürbar machte. Das lag vor allem an Helen Schneider selbst, die ihr Publikum an ihren persönlichen Erinnerungen über die Musicals und ihre Zeit in Bad Hersfeld teilhaben ließ. „Es war zu groß“ beschreibt sie ihren ersten Eindruck von der Stiftsruine, die sie zum ersten Mal im Februar besuchte, es lag Schnee und es war eiskalt.



Den ersten Teil des Konzerts widmete Helen Schneider allerdings ihrem eigenen Leben mit vielen Höhen, aber auch viel Schmerz. Es war ihre Freundin Linda Uruburu, die nach einer Schaffenskrise der Gesangs-Legende die Texte für ihr 2015 veröffentlichtes Album „Collective Memory“ schrieb, mit denen Helen Schneider sich endlich wieder ausdrücken konnte. Ihr „Lieblingsgitarrist der Welt“, Jo Ambros, hat dazu die untadelig komponierten Tracks geschaffen, bei denen das Charisma der Sängerin die besondere Note darstellt.

Helen Schneider begeistert mit Stimme und ...

Unverkrampft und überaus virtuos begleitete Jo Ambros die charismatische 64-Jährige, die vom ersten Ton an ihr Publikum in den Bann zog. „Slippery Slope“, „Haze“ und „Land of Dreams and Plenty“ gehörten zu den umjubelten Songs, die zudem von dem Festspiel-Orchester unter der Leitung von Christoph Wohlleben und den ausgewählten Solisten Takashi Bernhöft (Violine), Alex Uhl (Kontrabass), Christian Meyers (Trompete) und Shawn Grocott (Posaune) begleitet wurden. Die Konzert-Gala bot dem Hersfeldpreis-Träger Christoph Wohlleben und seinem großartigen Festspiel-Orchester die Möglichkeit, ihre Einzigartigkeit zum Festspiel-Abschluss noch einmal unter Beweis zu stellen. „Candide Ouvertüre“ und „Es war einmal in Amerika“ waren ein instrumentaler Hörgenuss.

Im zweiten Teil des Konzerts erfreuten sich die Besucher an vielen bekannten Musical-Melodien aus erfolgreichen Produktionen der Bad Hersfelder Festspiele. Zur Erinnerung: Von 1999 bis 2001 gab Helen Schneider die Eva Perón im Musical „Evita“ und sorgte auch am Mittwochabend mit „Wein´ nicht um mich Argentinien“ für Gänsehautstimmung. 2011 spielte sie Norma Desmond in Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“ an der Seite von Rasmus Borkowski, der bei der Abschluss-Gala als Solist und im Duett mit Helen Schneider die größten Hits aus der Musical-Produktion sang.

Ist das Liebe? - Helen Schneider ...

2015 und 2016 ist die Wahlberlinerin für die Rolle des Conférenciers in „Cabaret“ in die Festspielstadt zurückgekehrt, „obwohl die Hände auf Stöcken viel zu groß waren“. An diese überaus erfolgreiche Produktion erinnerte sie natürlich mit dem Titelsong und gemeinsam mit Kristin Hoelk, die im umjubelten Titanic-Musical als Alice Beane positiv auffiel, begeisterte sie stimmgewaltig mit „Money, money“. Immer wieder gern gehört auf der Festspielbühne wird Gunther Emmerlich, der mit „Wenn ich einmal reich wär“ an das Musical „Anatevka“ erinnerte. Ein Duett mit Helen Schneider durfte nicht fehlen und so wurde musikalisch auch noch die Frage „Ist es Liebe?“ beantwortet. Gunther Emmerlich übernahm außerdem die ehrenvolle Aufgabe, den Zuschauerpreis 2017 an Robert Joseph Bartl zu übergeben (Osthessen-News berichtete).

Robert Josef Bartl dankt seinem Publikum ...

Intendant Dieter Wedel hofft, dass sich der Gala-Abend zu einer festen Institution der Bad Hersfelder Festspiele entwickelt. Die Hoffnung ist berechtigt. Mit einem Weltstar, begnadeten Solisten und einem herausragenden Orchester auf der Festspielbühne, hat sich eine Abschluss-Gala für die kommenden Jahre geradezu empfohlen, zumal diese Veranstaltung auch einen würdigen Rahmen für die Verleihung des Zuschauerpreises bietet.

Helen Schneider, die immer wieder die Magie dieses Spielortes betonte, präsentierte sich auch vor großem Publikum verletzlich und unglaublich ehrlich. Sie scheut sich nicht, über den Verlust geliebter Menschen zu sprechen, deren Nähe sie immer wieder spüren kann. Das Erleben deckt sich mit ihrem Glauben an eine Parallelwelt, den sie mit Freunden in New England teilt, in deren Häusern die Geister der Verstorbenen vermeintlich mehrmals in der Woche zurückkehren. Sie versicherte glaubhaft, dass sie sich auch in der Apsis der Stiftsruine von Geistern umgeben fühlt. Es müssen gute Geister sein! Das Publikum dankte für diesen magischen Abend, der von einem Feuerwerk auf der Bühne und der letztmalig erklungenen Festspielfanfare in der diesjährigen Festspielsaison gekrönt wurde, mit stehenden Ovationen. (Gudrun Schmidl) +++