"Indien" mit viel Wiener Schmäh

Grantler mit goldenem Herzen: Mathias Znidarec brilliert als Bösel

Fotos: Stefanie Harth - Fühlt sich dank Hitzewelle in Hessisch-Sibirien wohl: der südhessische Schauspieler Mathias Znidarec.

03.08.2018 - Ein waschechter Darmstädter kann auch in Wiener Schmäh: Mit Verve mimt Mathias Znidarec in Joern Hinkels Inszenierung der Tragikomödie „Indien“ den Heinzi Bösel, der sich durchs Leben grantelt. Die Rolle des österreichischen miesepetrigen Schnitzeltesters, unter dessen hartem Panzer ein goldenes Herz steckt, ist dem 35-jährigen Schauspieler wie auf den Leib geschneidert. Der Bösel, der im Film vom österreichischen Multitalent Josef Hader verkörpert wird, ist die Traumrolle des hageren Südhessens.



„Mit dem großartigen Hader konkurrieren oder ihn nachahmen zu wollen – das geht gar nicht“, sagt Znidarec. Im Zusammenspiel mit Robert Joseph Bartl, der auf der Freilichtbühne im Schloss Eichhof den piefigen Kurt Fellner gibt, hat er einen eigenen Weg gefunden. Bösel sei kein herzloser Mensch, sondern verbittert, verbiestert und abgestumpft. „Er ist in seinem Alltagstrott erstarrt“, betont der Schauspieler. Umso spannender sei es, die Riesen-Wandlung, die Bösel im Stück durchläuft – in der zweiten Hälfte startet er eine ungelenke Charmeoffensive – feingliedrig aufzuzeichnen.

Mit Verve mimt Mathias Znidarec in ...Foto: Erich Gutberlet

Überhaupt kennt der Darmstädter „Indien“ aus dem Effeff: In seiner Heimatstadt hat er die Tragikomödie am hiesigen Staatstheater inszeniert – in David Gieselmanns hessischer Version. „Das südhessische Gebabbel verleiht ‚Indien‘ natürlich einen ganz anderen Charakter“, meint Znidarec. Das Österreichische sei „sehr speziell“: Der dort vorherrschende Humor hätte etwas „Morbides“ und sei von Sarkasmus und Melancholie geprägt, schlage aber zugleich derb-liebenswerte Töne an.

Der Festspiel-Darsteller muss es wissen: hat er doch dreieinhalb Jahre in Wien gelebt und am dortigen Max Reinhardt Seminar Schauspiel studiert. Extra für das Eichhof-Stück hat er sich von einem österreichischen Kumpel coachen lassen. „Ich war bei ihm auf Sprachurlaub; wir haben nur auf Österreichisch miteinander kommuniziert.“ Besagter Freund hätte ihn sogar für seine „Fremdsprachenkenntnisse“ gelobt: „Das kommt ja selten vor, wenn man ein Piefke ist.“

Die Festspielstadt in „Hessisch-Sibirien“ empfindet der Südhesse als angenehm. Nicht nur in Bezug auf das Flair – „in Bad Hersfeld regiert während den Festspielen der Ausnahmezustand“ –, sondern auch mit Blick auf die hitzigen Temperaturen. „Als befreundete Kollegen von meinem Engagement bei den Festspielen erfuhren, haben sie mir geraten, dicke Ski-Unterwäsche einzupacken. Und jetzt hat es hier mehr als 30 Grad.“ Schweißtreibender als in Indien. In Mumbai, der Metropole an der Westküste, hat das Thermometer dieser Tage die 30 Grad-Marke noch nicht überschritten.

Wer Mathias Znidarec und das grandiose „Indien“-Ensemble live auf der Bühne am Eichhof erleben möchte, sollte sich sputen: es gibt noch Restkarten. Mehr Infos: https://www.bad-hersfelder-festspiele.de/. (Stefanie Harth) +++