Gemeinsam unter einem Dach

"In unserer Mitte aufnehmen": Familie Bayer vermietet an Festspiel-Darsteller

Fotos: Stefanie Harth - Osthessen und Ostbayern - das passt (v.li.): Jörg und Renate Bayer sowie Festspiel-Akteur Leo Gmelch.

07.08.2018 - „Osthessen und Ostbayern – das passt schon“, sagt Leo Gmelch. Mit seiner „Gastfamilie“ hat es sich der Berufsmusiker im idyllischen Garten der Bayers gemütlich gemacht. Renate und Jörg Bayer, die im Stadtteil Eichhofsiedlung leben, sind eine von denjenigen Bad Hersfelder Familien, die Festspiel-Darstellern Unterkünfte zur Verfügung stellen.



Zum zweiten Mal in Folge vermietet das Ehepaar seine 30 Quadratmeter große Ferienwohnung an Ensemble-Mitglieder. „Ich habe eine kleine möblierte Wohnung gesucht, von der aus ich gut die Spielstätte erreichen kann“, berichtet der Passauer. Gerade mal ein Kilometer liegt zwischen seiner Unterkunft auf Zeit und der kleinen Freilichtbühne im Schloss Eichhof, auf der er allabendlich das „Indien“-Publikum mit schräger, bayerischer Blasmusik unterhält und als Wirt, Arzt und Priester auftritt.

An einem Tisch: Bayers sind eine ...

„Für Joern Hinkels Inszenierung der Tragikomödie habe ich ein paar kleine Themen selbst geschrieben, die teilweise mit eingespielten indischen Klängen unterlegt werden“, gibt er sich bescheiden. Die Disharmonien seien freilich gewollt. In „Indien“ diene die Musik als akustisches Bühnenbild. Die Bassposaune ist Gmelchs Instrument im Eichhof-Stück. Bislang hat sich der Freiberufler nicht getraut, das Bayersche Eigenheim mit Tuba- oder Posaunenklängen zu beschallen. „Wenn Sie nicht zwischen 24 und 4 Uhr proben, ist alles in Butter“, meint Jörg Bayer augenzwinkernd.

Leo Gmelch und sein Jagdhundmischling „Zeppo“ – die Marx Brothers lassen grüßen – fühlen sich in der Lullusstadt „sauwohl“: „Hier lässt es sich durchaus aushalten. Hier ist alles so easy“, bekräftigt der Künstler, der auch mal zusammen mit seinem tierischen Begleiter in der Fulda baden geht. „Man merkt als Außenstehender, dass die Festspiele ein Teil der Stadt sind.“ Der Theaterreigen sei in der DNA Bad Hersfelds gelandet.

Ein Spielball, den die Bayers gerne aufnehmen: „Wir Hersfelder nehmen die Festspiel-Akteure unkompliziert in unserer Mitte auf. Hier wird niemand bedrängt oder belästigt.“ Apropos Mitte: Als die Eichhöfer dem Musiker erzählen, dass sie letztes Jahr zusammen mit dem „39 Stufen“-Ensemble eine kleine Party bis tief in die Nacht hinein im heimischen Garten gefeiert haben, ist Leo Gmelch „on Fire“. Martin Semmelrogge plauderte damals in tiefenentspannter Runde aus dem Nähkästchen, während Regieassistentin Julia Morawietz, die bei den Bayers untergebracht war, die Truppe mit Spaghetti Bolognese umsorgte.

Glasklar kristallisiert sich heraus, dass es in der Eichhofsiedlung dieser Tage ein „Indien“-Bergfest geben wird. „Wir könnten nach einer der Vorstellungen Euren Grill anwerfen; jeder bringt etwas mit“, sagt der Berufsmusiker.

Für Renate und Jörg Bayer ist es kein Problem, wildfremden Menschen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Mit Blick auf den Hessentag, der vom 7. bis 16. Juni 2019 in der Kreisstadt steigt, prophezeien die beiden: „Die Hotels werden aus allen Nähten platzen: es wird zum Landesfest eng mit Unterkünften in Bad Hersfeld werden.“

Die beiden Osthessen und der Ostbayer sind ins Gespräch vertieft: es wird über Gott und die Welt geplauscht. Es menschelt zwischen den Zweibeinern. Nur Gmelchs Rüde „Zeppo“ und Bayers Mischlingshündin „Maya“ haben mit Sprachproblemen zu kämpfen. Zwischen ihnen herrscht „indische Funkstille“: sie hadern miteinander... (Stefanie Harth) +++