Konzertabend voller Magie

"Ich verlor mich selbst": Staatsorchester, Sägebrecht und Bartl verzaubern

Fotos: Festspiele / Steffen Sennewald - Verzaubern als Geschichtenerzähler: das Hessische Staatsorchester Wiesbaden unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Patrick Lange sowie Marianne Sägebrecht und Robert Joseph Bartl.

27.08.2018 - Selbst daran schuld, wer keine Karten für das Klassik-Konzert der Bad Hersfelder Festspiele erstanden hat: Er hat einen wundervollen, bezaubernden Abend – gespickt mit liebreizenden, tragischen und magischen Momenten – verpasst. Kurz vor Beginn der Veranstaltung öffnet der Himmel seine Schleusen. Ein Regenbogen spannt sich über die Festspielstadt. In der Stiftsruine herrschen herbstliche Temperaturen. Ganz nah ans bibbernde Publikum herangerückt ist das Hessische Staatsorchester Wiesbaden. Das Spiel beginnt…



Lesen aus Romeo und Julia: die ...

Die Musiker stimmen an zu Peter Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre – und erschaffen ein einmaliges Klangbild. Punktgenau spielt das Orchester unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Patrick Lange auf. Feinfühlig. Kraftvoll. Drohend. Erquickend. Rasant. Das Drama spitzt sich zu.

„Hass gibt hier viel zu schaffen, Liebe mehr“, rezitiert der kongeniale Robert Joseph Bartl – diesem Mann möchte man stundenlang zuhören – den jungen Liebenden aus William Shakespeares Romeo und Julia. „Ach, ich verlor mich selbst…“ Der bayerische Weltstar Marianne Sägebrecht erhebt die Stimme: „O Wunderwerk! Ich fühle mich getrieben, den ärgsten Feind aufs Zärtlichste zu lieben.“ Die ersten Töne aus Sergei Prokofjew Ballettsuite Romeo und Julia erklingen. Bilder aus Shakespeares Tragödie ziehen vorm geistigen Auge des Zuhörers vorbei: Tybalts Tod. Romeo an Julias Grab. Die unerbittliche Fehde zwischen den Montagues und den Capulets.

Szenenwechsel: Der Blick des Publikums ruht auf der unvergleichlichen Schauspielerin und Persönlichkeit Marianne Sägebrecht, die auf einem Podest Platz genommen hat. Zu ihrer Linken: das Hessische Staatsorchester Wiesbaden. Mit vollem Körpereinsatz dirigiert der begnadete Patrick Lange. Sowohl Sägebrecht als auch die Musiker nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise in den Orient.

„Es regierte einst in den ältesten Zeiten und verflossenen Äonen ein König von den Sassaniden…“, liest die gebürtige Starnbergerin aus Tausendundeine Nacht. Der erste Satz aus Nikolai Rimski-Korsakows großer Orchester-Fantasie Scheherazade ertönt. In den mannigfaltigsten Klangfarben erzählen die Musiker Märchen, die aus der Weltliteratur nicht mehr wegzudenken sind.

Alles fließt ineinander. Die Grenzen zwischen gesprochenem Wort und Musik schwinden. Es entsteht ein großes Ganzes, das Gänsehaut erzeugt. Das Publikum pfeift, klatscht und trampelt vor Begeisterung. (Stefanie Harth) +++