Klare Worte bei Spielplanvorstellung

Gescheiterte Festspiel gGmbH: Sparkassen-Chef und Intendant sind enttäuscht

06.11.2018 - Und ewig grüßt die an einer Stimme gescheiterte Ausgründung des Festspiel-Regiebetriebs in eine gemeinnützige GmbH (gGmbH). Damit müssen die städtischen Politiker, die eine Festspiel gGmbH abgelehnt haben, jetzt leben: ihnen bläst ein scharfer Wind entgegen. Sowohl Festspielintendant Joern Hinkel als auch Reinhard Faulstich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, machen keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung über die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung (OSTHESSEN|NEWS berichtete).



„Wir sind über den derzeitigen Stand in Sachen gGmbH enttäuscht“, sagt Reinhard Faulstich. „Das ist alles andere als ideal.“ Die städtischen Parlamentarier hätten die Chance vertan, die Festspiele aus dem politischen Raum zu lösen und dem Theaterreigen mehr Planungssicherheit zu gewähren.

Der von ihm vorgestellte Spielplan sei „eigentlich theoretisch noch gar nicht genehmigt“, erläutert Festspielintendant Joern Hinkel, der ein flammendes Plädoyer für mehr Planungssicherheit bei den Festspielen hält, die eine neue Organisationsform seiner Meinung nach mit sich gebracht hätte. „Ich kann nur Top-Leute engagieren, wenn ich langfristig planen kann.“ In diesem Zusammenhang spricht er von „einem Strukturfehler, den wir hier in Bad Hersfeld durchbrechen müssen“. Die Festspiele müssten ihre Scheinwerfer ein wenig heller machen, „damit sie gesehen werden“.

Durch die Blume stellt Hinkel sein weiteres Engagement über das Jahr 2019 hinaus in Frage. „Meinen Vorgängern hätte eine gGmbH die Arbeit erheblich erleichtert und meinen Nachfolgern ebenso.“ Der Intendant besitzt einen Vertrag bis nach der Saison 2019.

Not amused: Festspielintendant Joern Hinkel... Fotos: Hans-Hubertus Braune

... und Reinhard Faulstich (re.), Vorstandsvorsitzender ...

Auch zum Defizit in Höhe von über 400.000 Euro, das den Festspielen droht, äußert sich Hinkel: „Die endgültigen Zahlen werden im Frühjahr 2019 vorliegen.“ Er bringt den möglichen Fehlbetrag mit dem unerwarteten Rücktritt seines Vorgängers Dieter Wedel und damit verbundenen Spielplanänderungen sowie Sponsoring- und Abschreibungsausfällen in Verbindung.

Zudem sei seine Inszenierung des Ibsen-Klassikers „Peer Gynt“ in puncto Zuschauerzuspruch „hinter den Erwartungen zurückgeblieben“. „Das haben wir mit den anderen Stücken herausgerissen“, meint Joern Hinkel. Ihm sei bewusst, „dass wir mit Kafkas ‚Der Prozess‘ wieder mit einem anspruchsvollen Thema kommen“. Allerdings wolle er diesen Prozess mit humorvoller und leichter Hand führen. (Stefanie Harth) +++